Gerichtsurteil

Warum Gerhard Schröder an Ex-Mann seiner Frau zahlen muss

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Gerhard Schröder wegen Ehebruch verklagt - Darum geht es

Gerhard Schröder wegen Ehebruch verklagt - Darum geht es

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Gericht in Südkorea entscheidet: Gerhard Schröder muss an Ex-Mann seiner Frau zahlen – er sei verantwortlich für die zerbrochene Ehe.

Berlin. So schön ist Liebe nach dem Lockdown: Soyeon Schröder-Kim und Gerhard Schröder genießen Wein in ihrem wieder geöffneten Lieblingsbiorestaurant in Hannover und besuchen in glamouröser Garderobe das Mozartfest in Würzburg. Zwischendurch bereiten sie daheim eine Artischocke zu: Die 53-Jährige teilt die kleinen und großen Glücksmomente ihrer Ehe gern auf Instagram – 26.400 Menschen folgen ihr.

Alles könnte perfekt sein, wenn nicht die Ex-Partner den Eheleuten nach all den Jahren immer noch das Leben schwer machen würden. Vorige Woche erst beklagte sich die Südkoreanerin über die Ex-Frau ihres Mannes, Doris Schröder-Köpf (57). Die verlange, dass das Paar eine Statue aus dem Eingangsbereich ihres Büros entferne – sie ist Miteigentümerin der Immobilie.

Schröder muss Entschädigung zahlen

Nun kommt es noch dicker: Der Altkanzler soll dem Ex-Mann seiner Frau, der im fernen Südkorea lebt und dem er noch nie begegnet ist, 22.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Grund: Schröder sei schuld, dass die Ehe der beiden zerbrochen ist, befand ein Familiengericht in Seoul.

Der Mann hält seine Identität geheim, er soll Schönheitschirurg sein. Eine Tochter ging aus der Ehe hervor, 2017 wurde sie geschieden. Dafür macht der Ex den Altkanzler verantwortlich: Die Affäre habe begonnen, als die Eheleute noch verheiratet gewesen seien. Nachdem sie sich auf eine Scheidung geeinigt hatten, habe seine Frau ihm zugesichert, die Beziehung zu Schröder zu beenden. Stattdessen heiratete sie ihn 2018. Im selben Jahr reichte der Ex-Mann Klage ein. Eigentlich, so berichtet die „Korea Times“, habe er 73.000 Euro haben wollen.

Schröders Frau hat die Darstellung zurückgewiesen

Schröder-Kim hatte den Altkanzler Anfang 2016 auf einem Manager-Meeting in Seoul kennengelernt, sie war seine Übersetzerin. Von ihrem damaligen Ehemann habe sie damals schon getrennt gelebt, so Schröder-Kim. Zunächst hielten der ehemalige SPD-Politiker und die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin ihre Liebe diskret, auch wenn Schröder-Kim als Dolmetscherin mit Wirtschaftslobbyist Schröder um die Welt reiste. Lesen Sie hier: Kanzler a.D. oder Putin-Lobbyist? Schröder muss entscheiden

Im September 2017 machte dann seine damalige Noch-Ehefrau Doris Schröder-Köpf auf eigene Faust die heimliche Liebe öffentlich: „Frau Kim war im Frühjahr 2016 der Anlass, wenn auch nicht der alleinige Grund für die endgültige Trennung“, so ihre verschnupfte Mitteilung. Sie sei auf Wunsch von „Frau Kim“ diskret geblieben – die habe ihre privaten Verhältnisse ordnen wollen. „Die öffentlichen Auftritte zeigen, dass das nun erfolgt ist.“

Offenbar hatte die sonst wenig schüchterne Schröder-Kim so lange Zurückhaltung geübt, um ihrem Ex-Mann weniger Angriffsfläche zu bieten – genützt hat es nichts. „Wenn eine Ehe, die wie bei mir in jungen Jahren geschlossen wurde, zerrüttet ist und geschieden werden soll, liegt der Grund dafür nach meiner Meinung bei den beiden Ehepartnern“, teilte Schröder-Kim mit, nachdem die Klage ins Haus geflattert war.

Südkorea ist ein modernes Hightech-Land, doch die rigide Sexualmoral sei in etwa auf dem Stand der 50er-Jahre in Deutschland, erklärt der Asien-Experte Sören Kittel (Buch: „An guten Tagen siehst du den Norden“): „Bis 2015 konnten ,Ehebrecher‘ noch zwei Jahre im Gefängnis landen – sowohl der untreue Ehepartner als auch der Geliebte oder die Geliebte. Immer noch ist Untreue Anlass für zivilrechtliche Klagen. Scheidung gilt als Niederlage.“

Doch auch in Deutschland fahren Zurückgelassene oftmals juristische Geschütze aus. So reichte Schröder-Köpf vor drei Jahren Klage gegen Schröder-Kim ein. Bei einer „verstörenden Pressekonferenz im Januar 2018“ habe ihre Nachfolgerin fälschlich behauptet, die Ehe der Schröders sei schon 2015 zu Ende gewesen. Zudem habe sie sich „über das angebliche Familien-, ja sogar Intimleben“ ausgelassen – bis hinein ins Schlafzimmer. Im März dieses Jahres zog die SPD-Abgeordnete ihre Klage zurück, um „wertvolle Lebenszeit“ anders zu nutzen.

Lebenszeit ist für Schröder-Kim übrigens kein Limit: „Unsere Liebe geht über den Tod hinaus“, verkündete sie in „Gala“.

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