Prozess

Berufung gegen Bewährungsstrafe für Metzelder eingelegt

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Frank Preuß
Christoph Metzelder vor Gericht: Der Ex-Fußballer wurde wegen des Besitzes und der Weitergabe von Bildern mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Christoph Metzelder vor Gericht: Der Ex-Fußballer wurde wegen des Besitzes und der Weitergabe von Bildern mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Ex-Fußballprof Christoph Metzelder ist wegen Besitzes und Versands von Kinderpornografie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Düsseldorf. 
  • Christoph Metzelder ist zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden
  • Angeklagt war der Ex-Fußballprofi wegen des Besitzes und Versands von Bildern, auf denen sexualisierte Gewalt gegen Kinder zu sehen war
  • Der 40-Jährige hatte während des Prozesses am Düsseldorfer Amtsgericht ein Teilgeständnis abgelegt

Das Amtsgericht Düsseldorf hat den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder für die Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 40-Jährige hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Teilen eingeräumt. Daraufhin wurde der Prozess bereits am ersten Tag beendet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In ihrer Begründung für das vergleichsweise milde Urteil führte Richterin Astrid Stammerjohann das Geständnis Metzelders positiv auf – der Angeklagte habe echte Reue erkennen lassen. Zudem sei die umfängliche Medienberichterstattung über den Fall bereits so etwas wie eine Vorabbestrafung des früheren Fußballprofis gewesen. Deswegen seien auch keine Geldauflagen verhängt worden.

Metzelders Anwalt erwägt gleichwohl, gegen das Urteil Revision einzulegen: In Hoffnung auf Aufklärung weiterer Hintergründe sehe er „für andere Instanzen noch viel zu diskutieren und rechtlich zu entscheiden“, sagte Ulrich Sommer unmittelbar nach Abschluss der Verhandlung vor dem Düsseldorfer Amtsgericht. Sommer sieht unter anderem die mediale Vorverurteilung im Urteilsspruch nicht ausreichend mildernd berücksichtigt: „Das wäre eine Sache für die Revision oder möglicherweise auch die Berufung.“

Die Staatsanwaltschaft hat bereits Rechtsmittel eingelegt. Man habe insbesondere aus formaljuristischen Gründen Berufung gegen das Urteil eingelegt, da über die Einziehung des Mobiltelefons mit den inkriminierten Dateien nicht entschieden worden sei, sagte am Freitag eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur.

Metzelder: „Akzeptiere die Strafe und bitte um Vergebung“

Aus der Verlesung der Anklageschrift ging hervor, dass es sich bei den von Metzelder verschickten Bildern explizit um Kinderpornografie handelt. Auf den Bildern ist laut Anklage auch der Missbrauch von Kindern zu sehen.

Metzelder äußerte sich in der Verhandlung erstmals konkret zu den Vorwürfen. Es habe keine Übergriffe gegeben, und es seien auch keine geplant gewesen. „Ich habe an Dateien nur besessen, was ich verschickt habe“, sagte er vor Gericht. „Nichts basiert auf einer tieferen Neigung.“ In den Chats sei es ihm „um gemeinsame Grenzüberschreitungen“ gegangen.

Neben der strafrechtlichen Betrachtung gebe es eine moralische Schuld, räumte der 40-Jährige ein und sagte: „Ich akzeptiere die Strafe und bitte um Vergebung. Ich werde damit bis ans Ende meines Lebens leben müssen.“ Er habe sich „in den letzten zwölf Monaten mit meinem Verhalten auseinandergesetzt“. Und: „Ja, ich habe das getan, obwohl ich weiß, welch unerträgliches Leid das für die Kinder bedeutet.“ Das sei eine „Wunde, die nie heilen wird“.

Ehemaliger Profi will Auszeichnungen zurück geben

Zum Prozessbeginn am Morgen hatte der Angeklagte selbst seine Vita vorgestellt und ausgeführt, stolz auf sein Engagement zu sein. Gleichzeitig kündigte er an, aus Respekt seine Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz und den Landesverdienstorden zurückgeben zu wollen. Das Bundesverdienstkreuz war ihm verliehen worden, weil er sich für die Rechte der Kinder mit seiner Stiftung so vorbildlich engagierte.

Metzelders Verteidiger führte aus, dass jährlich 18.761 Fälle dieser Art bundesweit bearbeitet würden – häufig ohne öffentlichen Prozess. Er kritisierte, dass der Fall Metzelders in der Öffentlichkeit ausgetragen würde.

Angeklagt ist Metzelder wegen des Verschickens von insgesamt 29 Bildern mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder an drei Frauen im Jahr 2019. Entsprechende Chatverläufe soll die Staatsanwaltschaft gesichert haben.

Metzelder musste durch die Vordertür ins Gerichtsgebäude

Metzelder musste durch die Vordertür ins Gerichtsgebäude. Bereits am frühen Morgen hatten sich rund 30 Fotografen und Kameraleute vor dem Gerichtssaal postiert. Die Verteidiger sollen die Richterin gebeten haben, dass er über die abgeschottete Vorführstelle der Gefangenen in Saal E 116 kommen könne, doch das wurde offensichtlich abgelehnt. Im Gerichtsgebäude warteten nicht nur Journalisten, sondern auch andere Prozess-Interessierte. Mehr als 16 Sitzplätze im Saal blieben ihnen allerdings nicht.

Christoph Metzelder, der ehemalige Fußball-Nationalspieler, in Gesellschaft, Politik und Kirche perfekt vernetzt, im Besitz von kinderpornografischen Bildern? Es konnte niemanden überraschen, wie groß das öffentliche Interesse an dem Fall ist.

Metzelder und seinen Anwälten war genau das freilich von jenem Septembertag 2019 an bewusst, als Ermittler ihn in der Sporthochschule Hennef aufsuchten und ihn über die Vorwürfe aufklärten, Handy, Computer und Laptop beschlagnahmten. Das hätte sich zweifellos dezenter regeln lassen, zumal neben der Polizei auch ein „Bild“-Reporter gleich mit von der Partie war.

Die ARD ließ die Zusammenarbeit mit Metzelder ruhen

So aber war der Vorfall sofort mit Fotos aus Hennef und Großbuchstaben plakativ in der Welt, Metzelder ließ die Ämter in der Stiftung ruhen, stieg aus der Marketingagentur aus, die er geführt hatte, und die ARD teilte mit, dass sie die Zusammenarbeit mit ihm als TV-Experten ruhen lasse.

Die Durchsuchung bezeichnete der Angeklagte vor Gericht denn auch als Zäsur: Er lebe seitdem beruflich und privat zurückgezogen.

Dass die Unschuldsvermutung bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt, gehört zu den Grundfesten einer funktionierenden Rechtsordnung – das öffentliche Bewusstsein allerdings ordnet sich dieser Spielregel nicht unter. Schon gar nicht, wenn es um sexualisierte Gewalt gegen Kinder geht. Das Urteil der Gesellschaft muss ein Beschuldigter in diesem Fall stärker fürchten als das des Gerichts.

Metzelders Anwälte bekämpften die Berichterstattung

Umso intensiver rangen Metzelders Anwälte im Streit mit Medien, Politik und Justiz bis zuletzt darum, Berichterstattung, wo es geht, zu verhindern. Mal gelang es ihnen, mal lenkten sie in ihrem Bestreben noch mehr Aufmerksamkeit auf den Fall. Mit ihrem wichtigsten Ziel scheiterten sie: den Prozess zu verhindern. Ulrich Sommer, einer der Anwälte, betonte: Metzelder sei nicht pädophil, es sei ihm um die "Grenzüberschreitung" gegangen. Der Ex-Fußballer mache seit eineinhalb Jahren eine Therapie. Zu welchem Zweck, sagte Sommer nicht.

Ein Gespräch der Kronzeugin mit der „Zeit“ vor zwei Monaten richtete aus Metzelders Sicht den größten Image-Schaden an, weil sie ihn darin detailliert und schwer belastete. Mit ihr hatte er ihren Angaben zufolge eine Nacht in einem Hamburger Hotel verbracht – und später, offenbar im Austausch über sexuelle Fantasien, Bilder per Whatsapp geschickt. Diese sollen in mindestens zwei Fällen expliziten Kindesmissbrauch zeigen.

Hauptbelastungszeugin sagte nicht aus

Die 40-Jährige sagte im Prozess in Düsseldorf nicht aus, weil sie selbst eine Hauptverhandlung zu erwarten hat. Grund: Sie hat einen Strafbefehl gegen sich nicht akzeptiert. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hält ihr vor, Metzelder zum Verschicken der Bilder ermuntert zu haben.

Eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von erst 300, dann 500 Euro hatte sie abgelehnt. „Weil sie sich nichts hat zuschulden kommen lassen“, beharrt ihr Anwalt Leon Kruse. Sie habe den Bildern zugestimmt, um Metzelder letztlich zu überführen.

Eine Freundin, der sie sich anvertraute und die ihr den Kontakt zu einem ihr bekannten Polizisten in Osnabrück herstellte, ist als Zeugin in Düsseldorf zum Prozess geladen. Gegen zwei weitere Frauen, denen Metzelder Dateien geschickt haben soll und die ihn offenbar nicht angezeigt haben, laufen Verfahren, zu Details äußert sich die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht. Sie habe den Anfangsverdacht den zuständigen Behörden mitgeteilt, die seither ermittelten.