Raubtiere

Vorfall in Niedersachsen: Frau wird von Wolf verfolgt

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Beim Joggen vom Wolf verfolgt: Das sind die Fakten

Beim Joggen vom Wolf verfolgt: Das sind die Fakten

Sie ist mit ihrem Hund unterwegs, als plötzlich ein Wolf auftaucht. Mit ihrem Handy filmt die Frau die angsteinflößende Situation.

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Ein Wolf verfolgt eine Frau beim Spazierengehen. Bei wachsenden Populationen sind solche Vorfälle in Deutschland keine Seltenheit mehr.

Wietzendorf/Berlin. 
  • Die Aufnahme eines Wolfes, der einer Spaziergängerin bedrohlich nahe kommt, sorgt im Netz für Aufsehen
  • In Deutschland wächst die Wolfspopulation seit Jahren stark
  • Die Umweltminister der Länder beraten heute und morgen über ein härteres Vorgehen gegen die Raubtiere

Seit Jahren wächst die Wolfspopulation in Deutschland. Mittlerweile leben circa 128 Rudel in Deutschland – mit durchschnittlich sechs bis acht Tieren. Immer häufiger werden die Raubtiere nun auch zur Gefahr für Nutztiere oder gar Spaziergänger.

Eine dieser bedrohlichen Begegnungen hat zuletzt eine Spaziergängerin im Heidekreis in Niedersachsen mit ihrer Handykamera dokumentiert. Die Frau war mit ihrem Hund in Wietzendorf unterwegs und hatte gefilmt, wie sie von dem Wolf verfolgt wurde. Um sich zu wehren, schrie sie den Wolf an. Das Video wurde mittlerweile über 150.000 Mal aufgerufen.

Die niedersächsische Landesregierung hält ihr Handy-Video für authentisch. „Die Begegnung hat am 13. April stattgefunden“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover am Montag. Wolfsexperten hätten das Video analysiert und stünden mit der Spaziergängerin in Kontakt. Es habe sich augenscheinlich um einen jungen Wolf gehandelt, hieß es aus dem Umweltministerium. Gerade um diese Jahreszeit sei ein solches Verhalten nicht unnormal. Lesen Sie dazu: Wölfe: Wo sie in Deutschland bald sesshaft werden könnten

Video: Nabegegnung mit Wolf im Heidekreis

Nahbegegnung mit Wolf: „Keine Kuscheltiere“

„Diese Begegnung zeigt sehr deutlich: Wölfe sind keine Kuscheltiere. Es handelt sich um Raubtiere deren natürliches Verhalten gerade für Nicht-Experten große Verunsicherung auslösen und in solchen, für die Betroffenen äußerst unangenehmen Situationen resultieren kann“, sagte dazu Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Solche Nahbegegnungen seien keine Einzelfälle. Sie werden aber nur in wenigen Fällen so dokumentiert, wie das hier der Fall war. Daher danke das Land der Spaziergängerin ausdrücklich. Die aktuelle Zahl der Wölfe in Niedersachsen schätzt das Land auf ungefähr 350 Tiere. Nach derzeitigem Stand seien derzeit 35 Rudel und 2 Paare in Niedersachsen aktiv.

Wölfe erschließen sich immer mehr Lebensraum in Deutschland

In Deutschland haben sich die Wölfe in den letzten Jahren immer mehr Lebensraum erschlossen: Nachdem sich die Rudel zuerst in den bekannten Wolfsregionen Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen ansiedelten, gibt es nun ebenfalls kleinere Populationen in Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Wölfe nehmen viel Platz ein: Ein Rudel lebt laut Angaben des NABU im Durchschnitt auf 200 bis 250 Quadratkilometern. So groß ist in etwa der Bayerische Wald. Experten nehmen an, dass wegen der guten Lebensbedingungen die Wolfspopulation in den kommenden Jahren noch sehr stark wachsen wird.

Ausbreitung der Wölfe: Umweltminister beraten über Abschüsse

Da sich die Zahl der Wölfe in Deutschland derzeit jährlich um fast ein Drittel erhöht, fordern viele Landwirte ein strengeres Vorgehen gegen die Ausbreitung der Rudel in Deutschland. Am Donnerstag und Freitag wollen die Umweltminister- und -ministerinnen der Länder über das Thema beraten. Die Minister haben angekündigt, über einen Praxisleitfaden sprechen zu wollen, der Regeln für Abschüsse von Wölfen vorgeben soll.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) forderte am Mittwoch, einen Wolf nur dann zum Abschuss freizugeben, wenn bei dem Tier eindeutig klar ist, dass es sich auf Nutztiere als Beute spezialisiert hat. Zudem müsse ein umfassender Herdenschutz vorhanden sein, ehe ein Wolf geschossen werden dürfe, der Nutztiere gerissen hat. Landwirte fordern dagegen konsequenteres Vorgehen, der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern kündigte deshalb an, am Donnerstag vor dem Schweriner Agrarministerium demonstrieren zu wollen.

(bml/dpa)

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