Sonnensystem

Probe von Asteroid: Lösen Forscher das Rätsel des Lebens?

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Videografik: Die Weltraummission der "Hayabusa 2"

Nach sechs Jahren im All hat die japanische Raumsonde "Hayabusa 2" auf einem fernen Asteroiden gesammelte Proben auf der Erde abgeliefert. Die Sonde warf das Material in einer Kapsel über der Erde ab, wie die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa mitteilte.

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Die Mission der Raumsonde „Hayabusa 2“ ist geglückt. Sie brachte Asteroidenmaterial auf die Erde, das unser Sein erklären könnte.

Berlin. Woher kommen wir? Was ist der Ursprung alles Lebens? Es sind die Urfragen der Menschheit, auf die sich Forscher nun zumindest eine annähernde Antwort erhoffen. Aufschluss geben könnte Material des Asteroiden Ryugu, von dem die japanische Raumsonde „Hayabusa 2“ jetzt eine Probenkapsel zur Erde geschickt hat. Das Material ist 4,6 Milliarden Jahre alt und stammt damit aus der Frühzeit unseres Sonnensystems.

Proben von Asteroid könnten organisches Material enthalten

Zunächst werden die einzelnen Bestandteile der Proben kuratiert und beschrieben, ehe ab Mitte 2021 mikroskopische, mineralogische und geochemische Untersuchungen beginnen sollen. Die Wissenschaftler hoffen, durch Analysen der Proben den Ursprüngen des Sonnensystems und des Lebens auf der Erde auf die Spur zu kommen.

Die Proben könnten möglicherweise organisches Material enthalten, erklärte der Manager der Mission, Makoto Yoshikawa. Im Fokus stehen vor allem Aminosäuren, die die fundamentalen Bausteine des Lebens sind.

Asteroid ist der Erde nah

Die Forscher glauben, dass sich die Beschaffenheit des pechschwarzen Asteroiden Ryugu in den letzten Milliarden Jahren nicht verändert hat. Der Kleinplanet hat einen Durchmesser von nur rund 800 Metern. Er besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff und Wassereis und ist der Erde vergleichsweise nah. Solche Asteroiden könnten bei Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben.

Die Sonde warf das Material Sonntagfrüh gegen 2.30 Uhr Ortszeit in einer Kapsel über der Erde ab, wie die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa mitteilte. In der Live-Übertragung waren jubelnde Mitarbeiter zu sehen, die die Fäuste reckten. „Sie ist zurück!“, freute sich der Sprecher. Bei ihrem Eintritt in die Erdatmosphäre war die Kapsel als Sternschnuppe zu erkennen. Lesen Sie hier: Asteroid „2011 ES4“ rast knapp an der Erde vorbei“

Kostbares Material wurde in Australiens Wüste aufgespürt

„Hayabusa 2“ hatte auf dem Asteroiden Ryugu gerade einmal 0,1 Gramm Proben gesammelt. Die Kapsel mit den Proben war am Samstag von „Hayabusa 2“ abgekoppelt worden, als die etwa kühlschrankgroße Raumsonde 220.000 Kilometer von der Erde entfernt war. Der mit einem Fallschirm und einem Sensor ausgestattete Behälter landete in der unwegsamen Wüste Australiens.

Da es Nacht war, verzögerte sich die Suche. Bei Tagesanbruch aber machten sich die Suchtrupps auf, durchkämmten ein Gebiet von 100 Quadratkilometern. Stunden später meldete Jaxa bei Twitter „Wir haben die Kapsel gefunden!“ Die Proben sollen nun nach Japan gebracht werden.

„Ein Asteroid hat eine Geschichte, vielleicht auch eine spezielle thermische Geschichte. Wir wissen nicht genau, wie stark er aufgeheizt wurde. Wie schnell ist er wieder abgekühlt?“, sagte Frank Brenker von der Universität Frankfurt am Main im Deutschlandfunk. Die Geowissenschaftler dort sind Teil des internationalen Analyseteams und möchten sich ein Körnchen von der extraterrestrischen Beute abholen.

Das stellt die Forscher vor ein Problem: Das Material ist zwar 300.000 Kilometer bis zur Erde gereist, aber wie bekommt man es in Zeiten der Pandemie von Japan nach Deutschland?

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(mit dpa)