Auch in Helmstedt: Absagen-Flut wegen zweiter Corona-Welle

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Die Buden des für nächste Woche geplanten Martinimarkts bleiben dicht. Sie werden gar nicht aufgebaut.

Die Buden des für nächste Woche geplanten Martinimarkts bleiben dicht. Sie werden gar nicht aufgebaut.

Foto: Michael Strohmann

Welche Folgen der von Bund und Ländern verordnete November-Lockdown hat, wird am Tag danach mehr und mehr deutlich – auch in Helmstedt.

Helmstedt. Es war zu erwarten, dass angesichts der steigenden Infektionszahlen der vergangenen Tage und Wochen es nicht mehr so weitergehen würde wie bisher. Und doch sitzt der Schock nach dem am Mittwoch in Berlin verkündeten November-Lockdown tief, auch in Helmstedt. Guido Ehlers vom Schaustellerverband rief uns Donnerstagfrüh an und seufzte nur: „Was soll man machen? Die gesamte Lage ist total Mist.“

Was der Betreiber von Bratwurst- und Glühweinständen meinte, waren nicht die von der Politik beschlossenen Maßnahmen – jedenfalls nicht direkt –, sondern das Infektionsgeschehen insgesamt. Dennoch geben die massiven Einschränkungen Anlass zu Kritik. Ehlers: „Für uns Schausteller bedeuten sie faktisch ein Berufsverbot. Wir können unserer Tätigkeit nun nicht mehr nachgehen.“

Kein Bummel über den Rummel

Der Martinimarkt, ein Mini-Rummel auf dem Holzberg, der den Helmstedter Gänsemarkt am 8. November umrahmen sollte, findet nicht statt. Der verkaufsoffener Sonntag wurde (wie berichtet) vorher schon abgesagt. Und was mit dem Weihnachtsmarkt werden kann, bleibt weiterhin offen. Ehlers wäre mit mehreren Ständen sowohl in Helmstedt als auch in Braunschweig präsent. „Für uns Schausteller ist es die Hauptsaison.“

Inzwischen mehren sich starke Zweifel, ob eine Budenstadt überhaupt noch aufgebaut werden kann. „So einen Weihnachtsmarkt kann man nicht aus dem Boden stampfen. Uns läuft die Zeit davon, zumal die Novembertage nun wegbrechen. Und was kommt danach? Alles offen“, macht sich Ehlers seinem Unmut Luft.

Krisenstab hoch gefahren

Über Hygienekonzepte sowie das Einhalten der grundlegenden Verordnungen befindet die Kreisverwaltung. Die hat nun ihren Krisenstab wieder eingerichtet. Ihm gehören Landrat Gerhard Radeck, die Leiterin des Gesundheitsamtes, der Leiter des Geschäftsbereichs Ordnungswesen, der Leiter der Pressestelle sowie weitere Bedienstete der Kreisverwaltung und bei Bedarf auch Vertreter der Polizei, der Bundeswehr, der Hilfsorganisationen und der Krankenhäuser an.

Derzeit prüft der Krisenstab in Absprache mit den kreisangehörigen Gemeinden, ob und an welchen belebten Orten im öffentlichen Raum auch im Freien eine Maskenpflicht angeordnet werden sollte, falls die Inzidenzzahlen den Grenzwert 50 übersteigen sollten. Aktuell liegt dieser Wert im Landkreis Helmstedt bei 39,4.

Helmstedter Dehoga-Vorstand: „Weihnachtsgeschäft ist tot“

Florian Hary, Helmstedter Hotelier und Vorstandsmitglied des hiesigen Dehoga-Kreisverbandes, findet die Entscheidung, Hotels und Gastronomie für mindestens vier Wochen zu schließen, nicht nachvollziehbar. Der Unmut sei groß: „Unsere Branche hat bewiesen, dass die Hygieneauflagen funktionieren. Die Hotspots, die es gab, sind aufgetreten, weil sich Menschen nicht an Regeln gehalten oder privat gefeiert haben.“

Dass Kontakte eingeschränkt werden müssten, um Infektionsketten wieder nachvollziehbar zu machen, versteht Hary. Aber: „Wir sind es gewesen, die von den Gästen Zettel haben ausfüllen lassen.“ Gerade in Gaststätten und Hotels sei die Kontaktverfolgung möglich, besser als zum Beispiel im Supermarkt. Die Betriebe hätten viel investiert, um die Auflagen zu erfüllen.

Was aber bleibt nun für die Gastronomen und Hotelbetreiber im Kreis Helmstedt – außer auf Lieferservice und die dazugehörige Solidarität zu setzen? Die nächsten Tage müssten abgewartet werden, sagt Hary. Mit einer ehrlichen Bilanz, sollte es sich nicht rentieren. So oder so: „Das Weihnachtsgeschäft ist tot, auch wenn im Dezember wieder geöffnet wird.“ Niemand wolle nun Tische oder Zimmer im Voraus reservieren, Angst und Ungewissheit seien zu groß. Und das in den sonst umsatzstärksten Monaten.

Der Dehoga-Verband schätzt, dass einem Drittel der Branchenbetriebe bundesweit das Aus droht. Diese Zahl hält Hary für realistisch. Auch, dass es noch mehrere Klagen gegen den Gastro-Lockdown geben wird. Immerhin: Die angekündigte Unterstützung der Regierung in Form von Fördergeldern oder Zuschüssen empfindet Hary als positiv. „Wir hoffen nur, dass es dann auch zügig geht.“

Maskenpflicht auf den Fluren

Seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr gilt für die Besucherinnen und Besucher der Kreisverwaltung die Maskenpflicht. Der Zugang ist nur nach vorheriger telefonischer Terminabsprache möglich. Im Zuge der steigenden Zahlen wurde die Maskenpflicht nun auch auf die Kreisbediensteten selbst ausgedehnt. Die Mund-Nasen-Bedeckung muss von ihnen auf den Fluren und Bewegungsflächen sowie in Bereichen wie Sanitäranlagen, Teeküchenoder Pausenräumen getragen werden. Eine Ausnahme der Maskenpflicht gilt am eigenen Schreibtisch unter Einhaltung der Abstandsregeln zu anderen Beschäftigten.

Derweil trudeln im Minutentakt Veranstaltungs-Absagen in der Redaktion ein. Versammlungen (wie die vom DRK-Ortsverein Helmstedt, vom Mütterzentrum), Darbietungen (wie das Benefizkonzert für die Marienberg-Orgel am 17. November) oder regelmäßige Treffen (wie das von Gymnastikgruppen in Grasleben) werden gestrichen beziehungsweise bis auf Weiteres verschoben. Auch im Freizeitsport sind sämtliche Wettbewerbe und Trainingstermine abgesagt.

Schöningen schließt Jugendzentrum und Hallenbad

In Schöningen wurde mit sofortiger Wirkung das offene Angebot des Jugendfreizeitzentrums eingestellt. Darüber hinaus stehen die städtischen Sporthallen und -stätten nicht mehr für die außerschulische Nutzung zur Verfügung. Das Badezentrum Negenborn schließt am Montag, 2. November, für den Badebetrieb. Unverändert bleibt der derzeitige Bürgerservice des Rathauses: Nach wie vor können unter der Telefonnummer (05352) 512-144 oder per E-Mail an termin-buergerbuero@schoeningen.de entsprechende Termine vereinbart werden. Städtische Veranstaltungen waren im November nicht vorgesehen. Der Volkstrauertag wurde bereits abgesagt.

Weihnachtsfeiern in den Heeseberg-Gemeinden abgesagt

In der Samtgemeinde Heeseberg war bereits zuvor entschieden worden, wegen der steigenden Infektionszahlen am Volkstrauertag auf öffentlichen Andachten und Kranzniederlegungen an den Gedenkstätten zu verzichten. Die Bürgermeister der Gemeinden, Michael Fischer, Alexander Heidebroek, Sonja Spindler und Philipp Ralphs haben sich auf eine einheitliche Vorgehensweise in den Mitgliedsgemeinden geeinigt und werden im stillen Gedenken Kränze niederlegen. Die Weihnachtsfeiern der Gemeinden werden in diesem Jahr ebenfalls nichtstattfinden. Publikumsverkehr in der Verwaltung ist laut Samtgemeindebürgermeister Martin Hartmann weiterhin nach telefonischer Terminvergabe möglich.