Supermodel

Claudia Schiffer wird 50 und schwört dem wilden Leben ab

Cindy Crawford und Claudia Schiffer: So haben sich die Topmodels verändert

Die Topmodels der 1990er Jahre sind wieder vereint. Bei einer Show von Donatella Versace waren Cindy Crawford, Claudia Schiffer, Helena Christensen, Naomi Campbell und Carla Bruni wieder auf der Bühne.

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Jetset, Schampus und wilde Feiern: In den 90ern lag nicht nur Karl Lagerfeld "La Schiffer" zu Füßen. Nun blickt die Blondine zurück.

Berlin.  Paris, Mailand, New York – Claudia Schiffer war in allen Modemetropolen zuhause. Mal als Luxusdiva im Versace-Outfit, mal als Lady im Chanel-Kostüm. Die Marken, die sie über den Catwalk führte, hatten Weltruf. Mit ihrer sagenhaften preußischen Disziplin schaffte die kühle Blonde aus NRW den Aufstieg zum internationalen Supermodel der 1990er-Jahre und wurde Teil der Luxusindustrie, die Menschen mit Mode zum Träumen bringt. An diesem Dienstag wird „La Schiffer“ 50 Jahre alt.

Die 90er, das war Rock ‘n’ Roll: Partys über Partys. Der Schampus floss in Strömen. Doch während ihre Kolleginnen wild feierten, hatte sie längst im Flieger zum nächsten Shooting gesessen. Sie kam, egal, wie hoch es nachts herging, morgens immer frisch aus dem Bett. Wer feiern kann, kann auch arbeiten. Mit einem Tagessatz von 25.000 bis 75.000 Euro wurde ihre Einstellung ja auch bestens entlohnt.

Verlässlichkeit und Fleiß – das sind die Eigenschaften, die man ihr bis heute zuschreibt und mit denen die 1,80 Meter große Blondine in den Tempel der Schönen aufstieg: Mit Naomi Campbell, Linda Evangelista, Christy Turlington und Cindy Crawford wurde sie zur Ikone ihrer Zeit. Umjubelt wie Popstars, fotografiert von Künstlern wie Peter Lindbergh, Mario Testino oder Helmut Newton.

Sogar Claudia Schiffers Unterwäsche musste bewacht werden

Ellen von Unwerth war es, die Claudia Schiffer Ende der 1980er-Jahre zum Durchbruch verhalf – mit der „Guess“-Kampa­gne, die zeigte, dass Jeans mehr sind als nur Jeans.

1988 kam Karl Lagerfeld, der ihr zu Füßen lag und sie zur Chanel-Göttin aufsteigen ließ. Dass er sie 1996 öffentlich als „gestrige Erscheinung“ abfertigte, war schon ein Fauxpax für die Frau, die die Franzosen so gern mit Brigitte Bardot verglichen. Aber sie hat ihm verziehen. Alles, was sie über Mode, Stil und das Überleben in der Modebranche gelernt hat, habe er ihr beigebracht. Dazu gehörte auch das Leben in Saus und Braus, für das sie Millionen Menschen beneideten.

Aber sie war der Star, der keiner sein wollte. Kein Schritt ohne Paparazzi und Leibwächter. Eine Märchenprinzessin im goldenen Käfig – und den Gaffern ausgeliefert. Bei den Modenschauen hätten Menschen Löcher in die Zelte geschnitten, um Fotos zu machen. Sogar ihre Unterwäsche musste bewacht werden, erzählte sie oft. „Wenn ich vom Laufsteg wiederkam, war regelmäßig meine Unterwäsche verschwunden – mein BH, meine Unterhosen – weg.“

Sie hat sich durchgebissen. Mit großem Erfolg, auch als Werbestar für Revlon oder Louis Vuitton. So schuf sie ein Vermögen, das auf 200 Millionen Euro geschätzt wird.

Schiffer gab sich prüde und hasste Skandale

Niemals hätte sie gedacht, dass sie es so weit bringen könnte. Sie, die immer so schüchtern war. Sie, die gebürtige Rheinbergerin, die auf eine katholische Schule ging und Anwältin werden wollte. Dass sie als 17-Jährige dann in einem Düsseldorfer Nachtclub auf der Tanzfläche eine so gute Figur abgab, dass dem Chef einer Pariser Modelagentur der Mund offen stehen blieb, hat Mutter Gudrun und Vater Heinz gar nicht gefallen.

Die Tochter griff zu den Sternen und begab sich vom Niederrhein in eine Welt von Glanz und Glamour – und knallhartem Business. „Ich war erschöpft, einfach ausgepowert“, sagte sie, als sie gerade 30 war und über ihr Burn-out sprach. „Ich dachte nur noch, oh nein, jetzt muss ich schon wieder da und da hin. Eigentlich möchte ich nur noch schlafen, ich bin total kaputt und müde.“

Es waren starke Worte für eine Frau, die als eiserne Lady galt. Sie, die sich prüde gab, die Oben-Ohne-Fotos hasste ebenso wie Skandale, hat schon früh die Schatten der Glitzerwelt erkannt und sich ins Private zurückgezogen. Ihre Verlobung mit dem Zauberkünstler David Copperfield hielt nur kurz. Schnell fand sie den Mann des Lebens. „Heirate deinen besten Freund“, so ihr Motto.

Heute lebt sie in einem Anwesen aus dem 16. Jahrhundert bei London und besitzt ein Stadthaus im Londoner Stadtteil Notting Hill. Mit ihrem Mann, dem Filmproduzenten Matthew Vaughn, hat sie drei Kinder: Caspar (17), Clementine (15) und Cosima (10).

Den 50. Geburtstag bejubelt sie wie ein Teenager den 18.: „Ich bin froh, 50 zu werden, und habe mich nie zuvor in meinem Leben zufriedener und glücklicher gefühlt“, sagte sie. Es klingt nach Freiheit.

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