Schlagerstar

Beatrice Egli über Hass: „Angriffe prallen an mir nicht ab“

Beatrice Egli ist durch die Corona-Krise in ein Loch gefallen. In der Musik hat sie aber wieder Kraft gefunden, sagt sie.

Beatrice Egli ist durch die Corona-Krise in ein Loch gefallen. In der Musik hat sie aber wieder Kraft gefunden, sagt sie.

Foto: Andreas Braun / ddp images/Andreas Braun/SWR

Die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli spricht im Interview über den Corona-Schock, ihre Liebe zu Deutschland und ihr neues Album.

Berlin. Selbst Beatrice Egli, die die Glücksstimmung des deutschen Schlagers repräsentiert, war von den Tiefschlägen dieses Jahres überwältigt. Als Hilfsmittel präsentiert die 32-Jährige jetzt ihr Best-of-Album „Bunt“ mit neuen Songs. Doch auch sie ist vor emotionalen Rückschlägen nicht gefeit. Im Zweifelsfall greift sie sogar auf Heavy Metal zurück.

Ihr Gute-Laune-Album „Bunt“ ist offensichtlich als Gegenprogramm zur Krisenstimmung dieses Jahres konzipiert.

Beatrice Egli: Das stimmt. Obwohl ich die ersten drei Wochen in totaler Schockstarre war und weder Musik noch sonst was machen konnte. Danach bin ich aber in die Musik entflohen, was sehr gut getan hat. Auf diese Weise kam diese „bunte“ Sache zustande.

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Wie schafft man es, sich aus dieser Schockstarre herauszuholen?

Man muss erst mal damit klarkommen, was das so alles bedeutet und sich neu orientieren. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht und war oft in den Bergen. Irgendwann habe ich begriffen: Jetzt musst du was tun. Und zum Glück ist die Musik etwas, was mein Gemüt sehr gut beeinflussen kann.

In meinem Fall wollte ich natürlich positive Musik. Aber das war ein langer Prozess, bei dem ich zwischendrin auch mal aufgegeben hatte. Ich bin froh, dass mein Produzent mehr Ausdauer mitbrachte und mich immer wieder gefordert hat, weiterzumachen.

Sie leben in zwei Ländern. In Ihrer Schweizer Heimat – und Deutschland, das Ihnen zum großen Durchbruch verholfen hat. Sind Sie da hin und her gerissen?

Ich trage zwei Seelen in meiner Brust. Die Schweiz ist das Land, das Heimweh in mir weckt, weil ich hier aufgewachsen bin und weil ich hier sein darf, wie ich immer war. In Deutschland vermisse ich es, wenn ich nicht in meiner Muttersprache sprechen kann. Aber das Land hat mir das erste Zuhause für die Musik geschenkt – und das schätze ich sehr.

Ich mag die unendlichen Weiten hier. Wenn du auf der Autobahn bist, dann kannst du endlos dahin fahren. Und ich liebe in Deutschland besonders die Korrektheit und Präzision der Sprache.

Was heißt das genau?

Man drückt sehr schnell aus, was man will und was nicht. Und ich mag es sehr, zu wissen, woran man ist. Das macht das Arbeiten auch viel leichter. Im Lauf der Jahre habe ich diese Ausdrucksweise zunehmend in die Schweiz übernommen. Dort heißt es: „Wär es vielleicht möglich, wenn Sie mir das und das geben könnten?“ Aber ich will lieber in zwei Worten sagen, was ich möchte und was nicht.

Dabei gelten Sie als jemand, der eben positive Stimmung verbreitet. Wie würden Sie denn Ihre Weltanschauung beschreiben?

Ich glaube an das Gute und ich glaube, dass wir alle verbunden und eins sind. Und man darf den Glauben an das Gute nicht verlieren, auch wenn man Negatives erlebt. Zum Beispiel wenn man Menschen begegnet, die auf einer komplett anderen Wellenlänge sind.

Was für Menschen sind das genau? Wie gehen Sie mit denen um?

Das sind Menschen, die mit Vorurteilen und ohne Respekt auf einen zukommen. Die gibt es immer wieder. Zum Beispiel bin ich jemand, der lieber lacht als weint, und es gibt Leute, die das verurteilen und sagen: „Wie du lachst, das verträgt ja keiner.“ Aber ich versuche trotzdem offen und freundlich zu sein.

Ich bemühe mich zu verstehen, dass der andere einfach schlechte Laune hat. Aber das fällt mir nicht immer leicht, es ist schon eine Herausforderung. Denn solche Angriffe prallen nicht einfach an mir ab. Und ich denke mir: „Ich habe dir doch nichts getan.“

Wie holen Sie sich dann die positiven Schwingungen zurück?

Die Musik ist das Beste für alle Emotionen. Sie hilft, wenn man sich hochpowern muss, wenn man zur Ruhe kommen und eben auch, wenn man sich positiv stimmen möchte. Ich suche mir dann einfach den richtigen Song heraus.

Können Sie da Beispiele nennen, abseits der Schlagerwelt?

Ab und zu höre ich auch AC/DC – zum Beispiel wenn ich mich hochpowern und Aggressionen ablassen möchte. Wenn ich mich gut fühlen will, dann lasse ich mir von Ed Sheeran singen, dass er mit meinem Body in Love ist. „I Am In Love With Your Body.“ Das gibt immer gute Laune.

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