Afrika

Hunderte Elefanten sterben an rätselhafter Ursache

Botsuana: Rätselraten über Massensterben von Elefanten

Wildhüter haben im Okavango-Delta seit Mai hunderte tote Elefanten entdeckt. Woran die Tiere gestorben sind, ist unklar - Wilderei kann ausgeschlossen werden.

Beschreibung anzeigen

In Botsuana sind zahlreiche Elefanten verendet. Experten fürchten, die unbekannte Krankheit könnte sich auch auf Menschen übertragen.

Gaborone. Die Bilder, aufgenommen aus einem Hubschrauber, sind apokalyptisch: An einem Wasserloch verwesen zwei Elefantenkadaver, aufgebläht von der Hitze. Der Hubschrauber fliegt weiter über die Savanne: Überall liegen verendete Elefanten, zum Teil seltsam verdreht. Der Tod geht um im einstigen Elefanten-Paradies Botsuana. 275 tote Tiere im bei Touristen beliebten Okavango-Delta bestätigte die Regierung des afrikanischen Landes bislang.

Der Leiter der für Wildtiere und Nationalparks zuständigen Behörde, Cyril Taolo, spricht sogar von 356 Kadavern. Und die Zahl könnte noch höher liegen, denn im sumpfigen Gelände sind die Überreste schwer auszumachen. Wilderei konnte als Ursache schnell ausgeschlossen werden: Die Kadaver haben allesamt noch ihre begehrten Stoßzähne. Was aber hinter dem rätselhaften Massensterben steckt, bleibt unklar.

Elefanten-Massensterben stellt Wildhüter vor ein Rätsel

Nach einem Bericht der Tierschutzorganisation Elephants Without Borders (EWB) wurden die Kadaver seit Mai entdeckt. Das Sterben begann demnach allerdings schon im März. Mehr als zwei Drittel der Tiere waren im Mai gestorben, der Tod der restlichen scheint jüngeren Datums zu sein.

Die Elefanten seien offenbar unabhängig von ihrem Alter und Geschlecht betroffen, schreibt EWB-Chef Michael Case in dem Bericht. Sie hätten noch lebende Elefanten angetroffen, die schwach, lethargisch und ausgezehrt gewirkt hätten, berichtete Case weiter. Einige von ihnen wirkten desorientiert und lahmten. „Wir haben einen Elefanten beobachtet, der im Kreis herumlief und es auch trotz der Hilfe anderer Tiere aus seiner Herde nicht schaffte, die Richtung zu wechseln.“ Dies weise auf eine neurologische Krankheit hin.

Botsuana gilt eigentlich als Paradies für Elefanten

In Botsuana leben noch rund 130.000 Elefanten in freier Wildbahn, was einem Drittel aller Elefanten auf dem afrikanischen Kontinent entspricht. Botsuana hatte in Afrika bislang einen guten Ruf in Sachen Natur- und Tierschutz. Während die Zahl der Elefanten in vielen Regionen Afrikas zurückgeht, ist sie in dem Binnenstaat laut offiziellen Angaben von etwa 50.000 im Jahr 1991 auf gut 130.000 Tiere angestiegen.

Im Vorjahr hatte es allerdings international Empörung wegen der Aufhebung des Elefantenjagdverbots gegeben. Rund zwei Millionen Touristen besuchen das Land jährlich, meist für Safaris. Wildlife-Koordinator Dimakatso Ntshebem will nun gemeinsam mit Helfern das Gelände genauer durchsuchen.

Mehr Berichterstattung über Afrika:

Proben der toten Tiere seien für Tests in die Nachbarländer Südafrika und Simbabwe sowie nach Kanada geschickt worden, sagte der Regierungsbeamte. Tierschützer kritisieren, dass die Regierung viel zu spät handle. Nationalpark-Leiter Taolo erklärt die Verzögerung mit den coronabedingten Beschränkungen.

Angst vor einer neuen Seuche: Gefahr für Menschen?

Der Tierarzt Niall McCann steht für die britische Wohltätigkeitsorganisation National Park Rescue in enger Verbindung zu afrikanischen Nationalparks. „Eine so hohe Sterblichkeit, die nichts mit einer Dürre zu tun hat, ist sehr ungewöhnlich“, sagte er der BBC. Auch eine Milzbrand-Vergiftung sei ausgeschlossen: Dann wären auch andere Tierarten betroffen. Er vermutet eine Seuche, die das Gehirn angreift. Solange man die nicht benennen könne, sei es auch unmöglich zu sagen, ob eine Gefahr für Menschen besteht.

McCann verweist jedoch darauf, dass auch das Corona-Virus wahrscheinlich von Tieren wie Fledermäusen auf den Menschen übertragen wurde. „Das Elefantensterben ist eine Katastrophe für den Artenschutz – aber es besteht die Gefahr, dass es zu einer Gesundheitskrise wird.