Multikulti

"Zaziki": Wie Linda Zervakis auf Beschimpfungen reagiert hat

Wurde in der Schule „Tsatsiki“ gerufen: „Tagesschau“-Sprecherin und Moderatorin Linda Zervakis empfand das nicht als schlimm. Gewehrt hat sie sich trotzdem.

Wurde in der Schule „Tsatsiki“ gerufen: „Tagesschau“-Sprecherin und Moderatorin Linda Zervakis empfand das nicht als schlimm. Gewehrt hat sie sich trotzdem.

Foto: Georg Wendt / dpa

Die Hamburger "Tagesschau"-Sprecherin und Tochter griechischer Einwanderer spricht in ihrem neuen Podcast über "Gute Deutsche".

Berlin. Neulich in Hannover hatten sich ihre Gastgeber etwas ganz Besonderes für sie überlegt. Linda Zervakis saß mit zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren im Studio der „NDR Talkshow“ und kippte erstmal einen Ouzo.

Das hatten sich die Moderatoren als Begrüßung ausgedacht für das Kind griechischer Gastarbeiter, und die „Tagesschau“-Sprecherin machte mit: Kopp innen Nacken! Ist zwar reinstes Schubladendenken. Aber mit Linda Zervakis kann man‘s machen, sie findet solche Aktionen witzig. Was sie für ihre neue Rolle als Multikulti-Aufklärerin prädestiniert.

Sie erklärt den Deutschen die Welt, doch was Linda Zervakis persönlich über den Zustand der Gesellschaft denkt, behielt sie für sich. Bis jetzt. In einem neuen Podcast seziert sie die Konflikte und Kuriositäten zwischen Einheimischen und Zugereisten. „Gute Deutsche“ heißt die im Streamingdienst Spotify abrufbare Gesprächssendung, und Zervakis will darin mit Prominenten über Herkunft und Heimat reden.

Linda Zervakis – neuer Podcast „Gute Deutsche“

Wer mit ihr über diese Themen sprechen möchte, ist zunächst vorsichtig. Man hat die Moderatorin Salwa Houmsi (23) im Ohr, den Gast ihrer ersten Podcastfolge, Tochter eines syrischen Vaters und einer deutschen Mutter. Die schimpft im Gespräch mit Zervakis, wie sehr es sie nerve, wenn jemand sie fragt, woher sie stamme, weil sie diese Fragerei als übergriffig empfindet.

Aber Linda Zervakis ist genauso entspannt wie neulich im TV-Studio. „Wenn man darüber spricht, darf man nicht überempfindlich sein. Man darf den Deutschen nicht das Gefühl geben, sie machten im Umgang mit Einwanderern ständig etwas falsch“, findet sie.

Zervakis sieht sich als ziemlich deutsch geprägt

Gab es tatsächliche oder empfundene Fremdenfeindlichkeit in ihrer Kindheit? „Als ich auf dem Gymnasium war, gab es in meiner Klasse nur drei andere Ausländerkinder“, erzählt sie. „Wenn mich jemand ,Zaziki‘ genannt hat, habe ich eben was zurückgeschleudert. Da war ich nicht beleidigt, mir waren solche Zuschreibungen total egal.“ Sie hat aber beobachtet: „Die jüngere Generation ist in diesem Punkt viel empfindlicher.“

Zervakis ist eine selbstironische Frau, die gerne lacht. „Ein Typ, mit dem möchte man um die Häuser ziehen“, schwärmt ihr Kollege Jörg Pilawa (54). Die Mutter zweier Kinder (8, 5) sagt von sich, sie sei ziemlich deutsch geprägt.

Eine Hamburger Deern mit norddeutschem Schnack

Zwar genießt sie die Gastfreundlichkeit der Einheimischen, wenn sie im Heimatdorf ihrer Verwandten urlaubt. Registriert aber genau, dass sich die Griechen „über meinen deutschen Akzent“ lustigmachen. „Mein familiärer Hintergrund hat in meinem Leben jahrelang keine Rolle gespielt“, berichtet Zervakis.

Sie bezeichnet sich als Hamburger Deern und pflegt privat ihren norddeutschen Schnack. Erst als sie 2013 die 20-Uhr-Hauptausgabe der Tagesschau übernahm, explodierte das Interesse an ihrer Familiengeschichte. „Da war das fast schon eine Sensation, weil ich die erste Frau mit Migrationshintergrund war, die an diesem Pult saß.“

Ausbrechen aus dem starren Korsett der „Tagesschau“

Die Audiosendung bietet Zervakis die Chance, mal auszubrechen aus dem starren Korsett der Nachrichtensprecherin. Das hat sie immer wieder getan in den letzten Jahren. Hat Bücher geschrieben, den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2018 moderiert und mit Promis die Stätten ihrer Kindheit besucht („Alles auf Anfang“, NDR).

Aber im Vergleich etwa zu Judith Rakers (44), die seit Jahren regelmäßig durch Shows führt, scheint in puncto Medienpräsenz noch Luft nach oben. „Wenn man sich die Nachrichtenlage anschaut, gibt es leider wenige Momente, in denen ich in der Tagesschau ein freundliches Gesicht machen kann“, weiß die Frau mit den dicken, dunklen Haaren. „Vielleicht liegt es daran, dass manche meiner Kollegen versuchen, sich in anderen Formaten von einer lockeren Seite zu zeigen.“

Locker auch in der Tagesschau? Niemals. „Die private Linda hat in der Sendung nichts verloren“, findet sie. Um entspannt zu plaudern, hat sie ja nun den Podcast. Und wenn der gut ankommt, stößt sie vielleicht sogar mit einem Ouzo auf den Erfolg an. Auch wenn‘s klischeehaft ist.