Serie

ZDF-Miniserie „Unterleuten“: kleine Kriege, große Umbrüche

Ein Dorf – zig Einzelinteressen. Für die Verfilmung von Unterleuten wurde ein hochkarätig besetztes Schauspieler-Ensemble zusammengetrommelt

Ein Dorf – zig Einzelinteressen. Für die Verfilmung von Unterleuten wurde ein hochkarätig besetztes Schauspieler-Ensemble zusammengetrommelt

Foto: ZDF/Mathias Bothor

Die Miniserie „Unterleuten – das zerrissene Dorf“ ist eine gelungene Verfilmung des Bestseller-Romans – mit hochkarätiger Besetzung.

Essen. Vieles ist über diesen Dreiteiler schon berichtet worden. Viele Interviews wurden vorab geführt, noch mehr Lobeshymnen dazu gesungen. Alle zu recht. Denn abseits der Mega-Marketing-Maschinerie, die automatisch in Gang kommt, um eine 6-Millionen-Euro-Produktion wie diese zu bewerben, kann es für die Literaturverfilmung von „Unterleuten“ tatsächlich nur eine Empfehlung geben: Wer wissen will, wie modernes Leben auf dem Lande heute aussieht, muss diese Miniserie gucken. Start am 9. März, 20.15 Uhr im ZDF oder bequem jederzeit, alle Teile hintereinander in der Mediathek.

Augenzwinkernd, unterhaltsam und auf ganz unterschiedlichen Ebenen erzählt „Unterleuten – das zerrissene Dorf“ von den Umbrüchen, auf die Menschen in einer ländlich strukturierten Region reagieren. Das wirkt erschütternd realistisch und hochaktuell – mag ein solcher Umbruch nun ein geplanter Windpark (wie im Film) oder eine Gigafactory (wie gerade in Grünheide, Mark Brandenburg) sein.

„Unterleuten“ – wenn Ost auf West trifft

Kurz erzählt, leben 30 Jahre nach dem Mauerfall in diesem Dorf immer noch viele Alteingesessene – ehemalige LPG-Funktionäre und Alt-Kommunisten. Inzwischen aber auch „Spinner aus dem Westen“, also „Weltenretter“ ebenso wie „Superkapitalisten“. Die kleinen Kriege, die zwischen West und Ost, alten Männern und jungen Frauen, Ureinwohnern und zugezogenen Städtern tagtäglich ausgefochten werden, würden schon Stoff genug für ein erhellendes Sozialepos liefern. Als auf einer Gemeindeversammlung dann Pläne für eine Windpark-Anlage vorgestellt werden, brechen die Fronten endgültig auf – allerdings auch mit völlig anderen Verläufen als erwartet …

Die Geschichte von „Unterleuten“ ist fiktiv, natürlich, wie auch das brandenburgische Dorf mit dem hübschen Namen. Sie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller, der sich bisher schon 800.000-mal verkauft hat. Juli Zeh, die aus dem Westen stammt und in Brandenburg lebt, hat ihn geschrieben. Und Regisseur Matti Gerschonneck nun mit einem hochkarätig besetzten Schauspieler-Ensemble umgesetzt – mit dabei sind Charly Hübner, Thomas Thieme, Jörg Schüttauf, Hermann Beyer, Alexander Held, Dagmar Manzel, Miriam Stein oder Christine Schorn.

Verfilmung ist auch für Fans des Romans sehenswert

Dicht an der Vorlage verfilmt, wird dieser Dreiteiler auch denen gefallen, die den Roman schon gelesen haben – auch wenn hier Roggen statt Weizen (wie im Buch) gedroschen wird. Die Bilder von den riesigen Mähdreschern, die wie alles fressende Giga-Roboter einsam über die Felder ziehen, sind jedenfalls authentisch. Sogar die Drehtage mussten verschoben werden, weil der Boden erst noch zu feucht war, um das Getreide einzubringen. Gedreht wurde vor Ort, an 75 Drehtagen im Sommer 2018, in zehn brandenburgischen Dörfern, die zu einem einzigen verschmolzen.

In Wilmersdorf (Landkreis Oder-Spree) zum Beispiel, wo im Dorfkrug die Gemeindeversammlung stattfand, an der auch rund 50 Einheimische als Komparsen mitwirkten. Oder in Beiersdorf-Freudenberg (Märkisch-Oderland), mehr als 100 Kilometer davon entfernt.

So ist „Unterleuten“ nicht zuletzt auch eine touristische Empfehlung für ein Land, das sonst oft im Schatten der Hauptstadt liegen bleibt: Weite Landschaft, warme, sommersatte Farben. Und eine himmlische Ruhe – solange der Nachbar oder ein Windrad deine Wege nicht kreuzt.

Die Miniserie greift eine aktuelle Thematik auf – den Bau der Gigafactory von Tesla im brandenburgischen Grünheide. Viele Anwohner der Region wehren sich gegen den Bau der Fabrik, allerdings könnte der Arbeitsmarkt profitieren.