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John Malkovich: „Gott würde meine Gebete nicht erhören“

John Malkovich.

John Malkovich.

Foto: Serg Glovny / dpa

Der Schauspieler John Malkovich spricht im Interview über Religiosität, den Beruf als Theater-Schauspieler und die Sozialen Medien.

Berlin. In sich gekehrt, leicht verträumt wirkt John Malkovich, wenn er zum Interview erscheint – wie hier in Venedig. So gesehen würde der 66-Jährige durchaus gut in eine spirituelle Sphäre passen – die er jetzt als Papst in der Serie „The New Pope“ (seit dem 20. Februar u.a. donnerstags ab 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD) erkundet.

In der Miniserie „The New Pope“ erleben wir Sie als Oberhaupt der katholischen Christenheit. Wäre das ein Job, der Sie reizen könnte?

John Malkovich: Es wäre nicht uninteressant, aber ich bin wohl nicht dafür geeignet. Denn ich bin nun mal ein Atheist. Und ich habe meine Schwierigkeiten mit Ritualen. Würde man mich zum Papst wählen, würde die Zahl der Kirchengänger dramatisch zurückgehen.

Und Sie haben absolut nicht den geringsten Sinn fürs Spirituell-Religiöse?

Natürlich hoffe ich auf die gleichen Wunder, auf die andere Menschen hoffen. Und ich habe durchaus einen Sinn für die Dinge, die heilig sind.

Was ist Ihnen heilig?

Der Geist des Menschen. Die Schönheit der Natur. Geschichte – und die Kenntnis davon. Und ganz besonders die Fähigkeit der Menschen, Dinge von Schönheit zu schaffen.

Beten Sie auch manchmal?

Nicht so wirklich. Abgesehen davon wäre ich einer der letzten Menschen, deren Gebete Gott erhören würde.

Weil Sie ungläubig sind?

Nein, weil es viele andere Menschen gibt, die seiner Zuwendung viel mehr bedürfen.

Ist es eigentlich schwierig, ohne Gott zu leben? Immerhin gibt es niemand, auf den Sie die Verantwortung abwälzen können.

Das schon, aber ich wurde mit dem Verständnis erzogen, dass ich für meine Handlungen und meinen Lebensweg selbst verantwortlich bin. Wenn jemand das anders empfindet, ist das sein gutes Recht. Ich gebe auch zu, dass du dich glücklich schätzen darfst, wenn du ohne Glauben oder Religion auskommen kannst. Du kannst leicht darauf verzichten, wenn du mit so vielen guten Dingen gesegnet bist, dass das einen Grad sublimer Absurdität erreicht.

Und das sind Sie?

Sie sagen es.

Gleichzeitig bewegen Sie sich in einem Beruf, in dem es nicht ums Materielle geht. Hat die Schauspielerei etwas Spirituelles an sich?

Insofern, weil der Prozess des Schaffens eigentlich nicht in meiner Kontrolle liegt. Ich bin einfach da, und Kreativität geschieht einfach. Ich inszeniere viel im Theater und ich sage meinen Ensembles immer: ‚Theater ist wie Surfen.’ Du paddelst da um halb acht oder acht Uhr abends raus, wendest deinen Rücken der Sonne zu und wartest auf die Welle.

Was ist die Welle?

Das ist, wenn das Stück auf das Publikum trifft. Daraus entsteht die Welle, und wir als Schauspieler reiten einfach darauf. So fühlt sich das für mich an. Das habe ich immer wieder erlebt.

Surfer können aber auch ertrinken. Drohte Ihnen das schon mal als Schauspieler, metaphorisch gesehen?

Nein. Manchmal kann es mir passieren, dass ich herunter falle oder dass mir das Brett auf den Kopf knallt. Oder es gibt das Gefühl, dass ich untergehe – aber nie dass ich ertrinke.

Wann gehen Sie als Schauspieler unter?

Wenn ich hinter dem Publikum hinterherhinke. Ich befinde mich nicht auf dem Kopf der Welle, wo ich eigentlich sein sollte. Aber Ertrinken würde bedeuten, dass ich unvorbereitet bin, und so etwas passiert praktisch nicht bei mir. Ich bereite mich immer gründlich vor.

Für Ihre Vorbereitungen zu „The New Pope“ müssten Sie ja Papst Franziskus studiert haben. Was ist Ihre Meinung zu dem Mann?

Ich habe mich nicht wirklich mit ihm beschäftigt, habe ihn auch nie getroffen. Deshalb kann ich nichts Sinnvolles zu ihm sagen. Ich halte nicht viel davon, mich zu jemand zu äußern, über den ich nur gelesen habe. Ich komme aus einer Familie von Journalisten, und deshalb traue ich den Medien nur bedingt.

Was ist mit sozialen Medien? Was halten Sie von denen?

Mir ist bewusst, dass mit denen eine Demokratisierung der Meinungsäußerung verbunden ist. Das ist eine gute Nachricht. Und zugleich eine schlechte. Denn wir werden jetzt permanent mit Informationen attackiert, die uns alle möglichen Dinge einreden wollen. Das ist furchtbar. Ich mag es nicht attackiert zu werden. Und warum soll ich jemand Glauben schenken, den ich nicht mal kenne? Der vielleicht nicht mal existiert? Mit den alten Printmedien hatte ich keine Probleme. Doch von den sozialen Medien, oder wie ich sie nenne ‚antisozialen Medien’ halte ich mich fern. Aber ich rege mich nicht darüber auf, den ich habe ja keine Kontrolle.

Geht das so einfach?

Ich werde natürlich mit der virtuellen Welt konfrontiert, wenn mich Leute fotografieren wollen. Früher haben sie um Autogramme gebeten und das war denn meist mit einer kleinen Unterhaltung verbunden. Jetzt wollen sie nur noch Fotos mit mir.

Und Sie weigern sich?

Natürlich. Ich sage ‚Nein danke, das interessiert mich nicht.’ Denn erst mal finde ich es höchst unhöflich, einfach so nach einem Foto zu fragen. Und warum soll ich mich mit jemand fotografieren lassen, den ich nicht kenne? Aber die Leute wollen das nicht verstehen.