Nachruf

Burkhard Driest ist nach langer Krankheit gestorben

Der Schauspieler und Schriftsteller Burkhard Driest ist am 27.02.2020 nach langer Krankheit in Berlin im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der Schauspieler und Schriftsteller Burkhard Driest ist am 27.02.2020 nach langer Krankheit in Berlin im Alter von 80 Jahren gestorben.

Foto: Björn Vogt / dpa

Driest ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Er war Schauspieler, Schwarm von Romy Schneider – und Bankräuber.

Berlin.  Burkhard Driest hatte viele Seiten. Er war Schauspieler, Schriftsteller – und Herzensbrecher von Romy Schneider. „Sie gefallen mir… Sie gefallen mir sehr!“ sagte die Leinwandgöttin und legte ihm die Hand auf den Arm. So geschehen 1974, in Dietmar Schönherrs TV-Talkshow „Je später der Abend“. Eine Talkshow, die mit diesem Satz Fernsehgeschichte schrieb.

„Ex-Bankräuber verdrehte dem Superstar den Kopf“ oder „Romy blieb die ganze Nacht bei dem wilden Burkhard!“ – so lauteten damals die Schlagzeilen von der angeblichen Affäre zwischen dem Ex-Zuchthäusler in Lederjacke und der Traumfrau in Schwarz. Das war was für den Boulevard: Die Schöne und der Driest! Die Fantasie ging mit den Zuschauern durch. Nach der Sendung sei man in eine Kölner Kneipe, später noch in einer Disco gewesen, wie Driest später gern erzählte.

Das war die Szene, die ihn bundesweit bekannt machte. Nun ist Burkhard Driest nach längerer Krankheit im Kreis von Familie und Freunden am Donnerstag in Berlin gestorben. Er wurde 80 Jahre alt.

Burkhard Driest: Romy-Schneider-Betörer, Schauspieler, Schriftsteller und Bankräuber

Er wurde oft als „der irre Typ“ oder „Brutalo-Charmebolzen“ beschrieben. Dabei hatte Driest Jura studiert. Doch häufige Schlägereien und Frauenbekanntschaften brachten ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Konflikte mit der Polizei gehörten praktische zu seinem Leben. Am 11. Mai 1965, drei Wochen vor seinem Jura-Examen, überfiel er die Sparkasse in Burgdorf bei Hannover. Eine seiner Jugendlieben zeigte ihn an. Er wurde festgenommen.

Fünf Jahre Zuchthaus, so lautete die Strafe. Er saß ein in der Strafanstalt Celle. In der ZDF-Talkshow Markus Lanz behauptete Driest am 1. Februar 2012, auch eine Bank in Dransfeld bei Göttingen überfallen zu haben. Dies konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden, deswegen sei er freigesprochen worden.

Lange vor #Metoo: Burkhard Driest stand wegen Vergewaltigung vor Gericht

Nach der Haft schlug er sich als Taxifahrer in London durch, bevor er sich als Autor und Schauspieler einen Namen machte. Unvergessen seine Rolle als Stanley Kowalski in Tennesse Williams Meisterstück „Endstation Sehnsucht“ am Schauspielhaus Bochum. Ein Automechaniker, dessen Währung Sixpack und blöde Sprüche sind. Ein Grobian, der seine Frau schlägt. Ein Fiesling – es war lange vor #MeToo –, der eine ungeheure Strahlkraft auf seine bereits in die Jahre gekommene Schwägerin ausübt. Blanche Dubois, frustriert in ihrer Ehe, ist dem Kerl verfallen. Er vergewaltigt sie, zeigt keine Reue. Und Blanche, gespielt von Rosel Zech, verliert ihr Herz und ihre Würde. Ein Meisterstück über die Irrationalität der Begierde.

Für große mediale Aufmerksamkeit sorgte es, als Driest 1980 selbst von seiner Schauspielkollegin Monika Lundi in den USA wegen Vergewaltigung angezeigt wurde. Der Vorfall sollte sich während eines gemeinsamen Schauspielkurses in Kalifornien ereignet haben. Der zuständige Richter hielt die Vorwürfe für unglaubhaft und verurteilte Driest lediglich zu 500 Dollar Geldstrafe wegen Körperverletzung.

In den letzten zehn Jahren Driest extrem zurückgezogen auf Ibiza. Widmete sich hauptsächlich dem Schreiben und dem Buddhismus. „Es gibt keinen Grund mehr, irgendwelche Aggressionen gegen mich aufzubauen, ich kann kaum noch einen Stein hochheben, geschweige denn eine Keule, so take it easy. Just take me as I am“, sagte er mit 70 Jahren bei einer Lesung.

2020 brachte schon einige Trauernachrichten. Anfang Februar war Kirk Douglas im Alter von 103 Jahren gestorben. Kurz darauf erschütterte Fans die Nachricht, dass „Dr. Quinn“-Star Orson Bean von einem Auto überfahren wurde und starb. Deutschland trauerte Ende letzten Jahres um einen Volksschauspieler: Jan Fedder war am 30. Dezember 2019 gestorben.