Nach Eklat im Vorjahr

Karnevalsumzug in Belgien zeigt antisemitische Wagen

Auch in diesem Jahr zeigt der Karneval in Aalst in Belgien wieder Motive auf seinen Karnevalswagen mit antisemitischen Karikaturen.

Auch in diesem Jahr zeigt der Karneval in Aalst in Belgien wieder Motive auf seinen Karnevalswagen mit antisemitischen Karikaturen.

Foto: Nicolas Maeterlinck / AFP

Durch die belgische Stadt Aalst fahren antisemitische Karnevalswagen. Israel ist empört. Der Bürgermeister sieht darin kein Problem.

Berlin/Aalst. Der Straßenkarneval im belgischen Aalst ist am Sonntag gestartet – mit Judenkarikaturen. Im vergangenen Jahr war der Karneval von Aalst genau aus diesem Grund von der Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes gestrichen worden.

Zu sehen waren in diesem Jahr unter anderem antisemitische Karikaturen orthodoxer Juden, zwischen denen Goldbarren liegen, sowie als orthodoxe Juden verkleidete Teilnehmer.

Bereits im vergangenen Jahr gab es Kritik an der traditionellen Parade, nachdem auf Umzugswagen antisemitische Motive abgebildet waren. Dort wurde das Klischee des geldgierigen „Weltjuden“ bedient, inklusive Schläfenlocken und Hakennasen.

Karneval in Aalst: Vorwürfe gegen antisemitische Motive

Auch in diesem Jahr gab es nach dem Umzug Protest. Die belgische Premierministerin Sophie Wilmès sagte: „Diese Karikaturen schaden unseren Werten und dem Ruf des Landes.“ In den sozialen Netzwerken wurde der Karneval von Aalst ebenfalls heftig kritisiert.

Die Reaktion nach dem letzten Jahr sei „jetzt erst recht“ gewesen, schreibt ein Nutzer. Und fügt „Schämt euch“ hinzu.

Aalster Bürgermeister verteidigt sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe

Der Aalster Bürgermeister, Christoph D’Haese, verteidigte den Karnevalsumzug in seiner Stadt gegen die Antisemitismus-Vorwürfe. Er bezeichnete diese Kritik als „weltfremd“. Und weiter: „Dies ist keine antisemitische Parade, Aalst ist keine antisemitische Stadt.“

Es gehöre zum „Ritual der Grenzüberschreitung“ beim Aalster Karneval, dass über alles und jeden gelacht werden dürfe, sagte D’Haese. Ziel sei es nicht, irgendjemanden zu verletzen.

Israels Außenminister Kratz wollte den Karnevalsumzug verbieten

Im Vorfeld des diesjährigen Karnevalsumzugs hatten jüdische Organisationen sowie der israelische Botschafter in Belgien, Emmanuel Nahschon, die Befürchtung geäußert, dass bei der Parade erneut „antisemitische Klischees“ verbreitet werden könnten.

Israels Außenminister Israel Katz hatte Belgien aufgefordert, die Festlichkeiten zu verbieten. „Belgien als westliche Demokratie sollte sich dafür schämen, eine solch giftige antisemitische Darstellung zu erlauben“, hatte Katz am Donnerstag auf Twitter geschrieben. Auch Europaabgeordnete hatten im Vorfeld an Aalst appelliert, diesmal jede Art von Hassbotschaft zu unterbinden.

Bis zum vergangenen Jahr stand der Karneval auf der Unesco-Liste

Diese Forderung wies Bürgermeister D’Haese als „unverhältnismäßig“ zurück. Er forderte stattdessen, „den Kontext“ der Veranstaltung zu berücksichtigen.

Wie andere Narrenfeste der Region geht auch der Umzug in der Karnevalshochburg Aalst auf die Tradition zurück, mit Karikatur und Satire politische Kritik zu üben.

Die Kontroverse um den 600 Jahre alten Aalster Karneval, der seit 2010 auf der Unesco-Liste stand, war im März vergangenen Jahres entbrannt. Judenfeindliche Motive hatten Kritik der EU und jüdischer Organisationen ausgelöst. Der Aalster Karneval büßte deshalb 2019 seinen Status als Weltkulturerbe ein.

Am Sonntag waren auch Karnevalisten zu sehen, die als „Unesco“ verkleidet den Umzug begleiteten.

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