Hochwassergefahr

Rhein steigt – Städte bereiten sich auf Überflutungen vor

Regen, Starkregen, Dauerregen? So heißt das, was da runterkommt

Regenwetter: So definieren Wissenschaftler Regen, Starkregen, Dauerregen und Sprühregen.

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Dauerregen in Süddeutschland lässt die Pegel ansteigen und sorgt für Überschwemmungen, gesperrte Straßen und Bahnstrecken.

Berlin. Nach heftigen Regenfällen im Süden und Westen Deutschlands steigen die Pegel von Rhein und Mosel weiter. In Rheinland-Pfalz herrscht vielerorts weiter Ausnahmezustand. Besonders in der Stadt Zell (Mosel) haben die Menschen in der Nacht zum Mittwoch gebangt. Dort war unklar, ob die Höhe der Hochwasserschutzmauern ausreicht - bis zum Mittwochmorgen tat sie das.

Das Wasser der Mosel kam in der Nacht auf etwa zehn Zentimeter an das obere Mauerende heran, wie es von der Polizei hieß. Schwappte das Wasser über die Absperrungen, wäre die gesamte Innenstadt betroffen. Deshalb räumten die Bewohner vorsorglich ihre Keller aus. Gegen vier Uhr zeigte sich ein Polizist vorsichtig optimistisch - momentan sehe es gut aus, sagte er.

Mosel erreicht Höchststand in Trier

Woanders geht die Mosel bereits zurück. In Trier hatte der Fluss bereits am Dienstagabend seinen Höchststand von 9,07 Metern erreicht. Das waren rund 5,80 Meter über dem normalen Wasserstand. Seitdem wird es weniger Wasser - gegen 5 Uhr zeigte der Pegel noch 8,84 Meter. Es handele sich um ein Hochwasser, wie es alle zwei bis fünf Jahre vorkomme. Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser 1993 waren es 11,28 Meter gewesen.

Flussabwärts stieg das Wasser am Morgen noch weiter steigen. In Cochem wurden am Morgen 7,78 Meter gemessen - mehr als 180 Prozent über dem normalen Pegel (2,75 Meter). Zwischen Cochem und Koblenz mussten deshalb mehrere Abschnitte von zwei Bundesstraßen gesperrt werden. „Die Leute sind das gewöhnt“, hieß es aber aus der Leitstelle des Polizeipräsidiums Koblenz.

Städte am Rhein bereiten sich auf Überflutungen vor

Auch der Wasserstand des Rheins steigt weiter. In Köln hatte er sich bereits am Dienstag um bis zu zehn Zentimeter pro Stunde erhöht, wie die Stadtentwässerungsbetriebe mitteilten. Am Morgen stand der Rhein dort bei 6,66 Meter. In Köln dürfen Schiffe ab einem Pegelstand von 6,20 Meter nur noch langsam und in der Flussmitte fahren, ab 8,30 Metern müsse die Schifffahrt eingestellt werden.

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Ob am Donnerstag der Höchststand erreicht wird, war jedoch nicht klar. An den Messpunkten in Duisburg-Ruhrort und Köln soll am Donnerstag ein Pegelstand von acht Metern erreicht werden. Davon gehen das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz und die Kölner Stadtentwässerungsbetriebe aus. Das wären vier Meter mehr als normal. Schon in den vergangenen Tagen war der Rhein gestiegen.

Die Behörden sehen derzeit aber keine größere Gefahr für die Städte am Niederrhein. Von dem Hochwasser werden die Innenstädte entlang des Niederrheins vermutlich nicht betroffen sein, sagte eine Sprecherin des Landesamtes. Die Städte bereiten sich auf Überflutungen vor. In Köln seien spezielle Hochwasserpumpen in Betrieb und Fußwege in Ufernähe vorsorglich gesperrt worden.

Hochwasser im Süden und Westen seit Wochenbeginn

Der milde Winter hatte sich bereits zu Wochenbeginn im Westen und im Süden seiner bedrohlichen Seite gezeigt - besonders an Mosel und Saar. In der saarländischen Hauptstadt Saarbrücken wurde am Dienstag die Stadtautobahn 620 wegen Hochwassers zeitweise gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Diese verläuft neben der Saar.

Die Mosel war bereits in der Nacht zum Dienstag vielerorts über die Ufer getreten und hatte im Bundesland Straßen und Keller überflutet. In Rheinland-Pfalz war der Landkreis Trier-Saarburg besonders betroffen. In kleineren Gemeinden in der Nähe von Trier waren Ortsdurchfahrten unpassierbar. An vielen Stellen in dem Kreis sperrten Einsatzkräfte überschwemmte Bundes- und Landstraßen.

Entwarnung in Bayern und Baden Württemberg

In Bayern und Baden-Württemberg gab es in der Nacht auf Mittwoch durch das vorangegangene stürmische und regnerische Wetter keine Spätfolgen mehr, wie es von den Polizeieinsatzzentralen aus den beiden Ländern hieß. Am Dienstag waren dort ebenfalls Flüsse angeschwollen, das stürmische Wetter riss Bäume und Verkehrszeichen um.

Ein Autofahrer in Deggenhausertal bei Ravensburg übersah einen auf der Straße liegenden Baum und prallte dagegen. Dabei wurde der Mann leicht verletzt. Auf der Autobahn 8 bei Ulm ereigneten sich ähnliche Unfälle. Verletzt wurde niemand. Im Süden Baden-Württembergs stürzten laut Polizei insgesamt fast 50 Bäume um und blockierten Straßen.

Im Landkreis Sigmaringen stürzte eine etwa 30 Meter hohe Tanne auf ein Haus. Sie durchschlug den Dachstuhl und beschädigte drei geparkte Autos.

„Echter Winter“ im Erzgebirge

In Bayern beeinträchtigten die Orkanböen vor allem den Bahnverkehr. Betroffen waren die Bayerische Oberlandbahn, der Regionalverkehr der Deutschen Bahn und das Münchner S-Bahnnetz. In mehreren Regierungsbezirken wurde die Feuerwehr verstärkt alarmiert, um Straßen von umgefallenen Bäumen zu befreien. Westlich von Augsburg traten zwei Flüsse über die Ufer und überfluteten zwei kleinere Straßen.

Im Erzgebirge und im Thüringer Wald ist dagegen der „echte Winter“ eingebrochen. In bergigen Regionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen soll der Schnee auch liegen bleiben, wie der Wetterdienst mitteilte. Der Wintereinbruch beschert den sächsischen Skigebieten nach zuletzt großen Verlusten Hoffnung auf eine Trendwende in den anstehenden Winterferien. Der Neuschnee hat in den Wintersportregionen Klingenthal, Oberwiesenthal und Schöneck die Zuversicht auf möglichst viele Öffnungstage in der verbleibenden Saison geweckt.

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(ap/AFP/dpa)