Buschbrände

Diese Deutsche näht Beutel für verletzte Tiere in Australien

Gertje Forlong (44) ruft Menschen dazu auf, Beutel zu nähen, die die Mülheimerin nach Australien schicken will, um damit die Aufzucht verwaister Känguru- und Koala-Babys zu ermöglichen.

Gertje Forlong (44) ruft Menschen dazu auf, Beutel zu nähen, die die Mülheimerin nach Australien schicken will, um damit die Aufzucht verwaister Känguru- und Koala-Babys zu ermöglichen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Unter den Buschbränden in Australien leiden auch viele Tiere. Koalas und Kängurus brauchen Hilfe. Die kommt jetzt aus der Nähstube.

Mülheim an der Ruhr. In Australien brennen seit vielen Wochen riesige Flächen nieder, über eine Milliarde Tiere sollen bereits in den Flammen gestorben sein. Bilder von verkohlten Kängurus und Koalabären entsetzen Menschen auf der ganzen Welt. Auch der Mülheimerin Gertje Forlong sind diese Bilder sehr nahe gegangen. Besonders, weil sie und ihr Mann dort Verwandte haben. Forlong möchte auf eine besondere Art helfen.

„Mein Schwiegervater lebt in Neuseeland, unsere Cousinen und Cousins in Australien“, berichtet die 44-Jährige. „So viele Menschen haben ihre Häuser verloren, so viele arme Tiere mussten bereits sterben.“ Über die Verwandten informierte sie sich über die Situation vor Ort, an welchen Stellen sie helfen könnte. „Sie schrieben mir, dass vor allem Stoffbeutel für Koalas und Kängurus gebraucht werden“, berichtet Forlong, die seit sechs Jahren ein Atelier für Stoffe und Näharbeiten im Stadteil Mülheim-Saarn betreibt.

Facebook-Aufruf zur Hilfe für Australien

Über ihre Facebook-Seite rief sie ihre Freunde an die Nähnadeln: „Wir brauchen Beutel, damit kleine und verwaiste Tiere Ersatzbeutel bekommen. Auch um Brandwunden besser heilen zu lassen“, erklärt sie in ihrem Post. „Der Aufruf ist durch die Decke gegangen und wurde bereits 15.000 Mal geklickt“, freut sie sich. Mittlerweile haben sich nähende Helfer aus ganz Deutschland bei ihr gemeldet und nach Schnittmustern gefragt. „Diese Hilfsbereitschaft – das ist großartig.“

In ihrem kleinen Atelier bietet sie sonst Mützen, Schals oder Kleidung für Babys und Kinder, aber auch Näharbeiten für Erwachsene und Stoffe für Selbernäher an. Einen solchen Stoffbeutel für verwaiste Tiere hat Gertje Forlong schon fertig genäht und vor sich liegen. Viele weitere möchte sie in den kommenden Tagen noch anfertigen.

Stoffe aus Naturmaterial für Koalas und Kängurus

Dieser besteht aus einem Ober- und einem Innenbeutel, den man herausnehmen kann. „Wenn dieser dreckig ist, kann man ihn einfach wechseln und waschen.“ Wichtig sei, dass die Innenbeutel keine französischen Nähte haben, also nicht hervorstehen.“ Denn an diesen könnten die Tiere mit ihren Krallen hängen bleiben. Auch sollten die Beutel rund genäht sein und keine Ecken haben. „Dies bewahrt die kleinen Kängurus davor, mit ihren Nasen in der Ecke stecken zu bleiben, außerdem macht es die Beutel einfacher zu reinigen.“

Wer einen Beutel selbst nähen möchte, sollte zudem darauf achten, dass der Stoff zu 100 Prozent aus Naturmaterialien wie Baumwolle, Bambus oder Leinen besteht. „Kein Polyester oder auch nichts mit Glitzer oder Pailletten.“ Alte Kleider oder Stoffreste könnten dafür gut verwendet werden. Ein geübter Näher schaffe einen Beutel in etwa fünf bis maximal zehn Minuten, meint die Fachfrau. „Das Schnittmuster ist sehr einfach.“ Eine entsprechende Anleitung hat Gertje Forlong ebenfalls auf ihre Facebook-Seite gestellt.

Noch bis zum 25. Januar können Helfer ihre selbstgenähten Beutel bei Gertje Forlong in ihrem Atelier am Elsenborner Weg 24 in Saarn abgeben. Sie schickt die Spenden dann zu ihren Verwandten nach Australien, die sie vor Ort an die entsprechenden Hilfsstellen weiterleiten. Die Versandkosten will die 44-Jährige selbst spenden. „Wir haben bei Instagram 555 und bei Facebook knapp 3600 Follower. Wenn jeder nur einen Beutel näht, wäre das schon Wahnsinn“, findet Furlong.

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In Australien wüten weiter heftige Buschbrände: Starke Winde haben am Freitag aus zwei Feuern einen Großbrand gemacht. Beobachter stellen nun die Frage, ob für die Feuer in Australien das Wetter oder der Klimawandel verantwortlich sind. Dazu gibt es Diskussionen, ob das am Freitag beginnende Dschungelcamp nicht abgesagt werden sollte.