Tourismus

Eiffelturm geschlossen – Streik verdirbt die Paris-Reise

| Lesedauer: 5 Minuten
Amelie Marie Weber
Der Eiffelturm ist geschlossen und einige weitere Pariser Sehenswürdigkeiten sind ebenfalls vom Streik betroffen. Viele Touristen sagen ihre Reise nach Paris lieber ab.

Der Eiffelturm ist geschlossen und einige weitere Pariser Sehenswürdigkeiten sind ebenfalls vom Streik betroffen. Viele Touristen sagen ihre Reise nach Paris lieber ab.

Foto: Christophe Ena / dpa

Pariser Sehenswürdigkeiten und die Métro werden gerade bestreikt. Paris-Urlauber stehen vor vielen Fragen. Das sind die Antworten.

Berlin. Der Paris-Urlaub wird zum Chaos-Trip. Aufgrund der seit Wochen anhaltenden Streiks können sich Touristen kaum auf öffentliche Verkehrsmittel verlassen und auch beliebte Sehenswürdigkeiten sind geschlossen.

Selbst der weltberühmte Eiffelturm kann aktuell nicht besichtigt werden. Das teilte die Pressestelle des Wahrzeichens bei Twitter mit. Nur der Vorplatz des Turms sei geöffnet. Zahlreiche Museen, wie das Musée d’Orsay, das Musée Rodin oder das Picasso-Museum schließen früher oder machen ebenfalls gar nicht erst auf.

Touristen leiden unter dem Paris-Chaos

Nachdem bereits der Weihnachts- und Silvesterurlaub in Paris für viele ausfallen musste, hält die schwierige Lage auch im Januar weiter an. Häufig kommen Touristen erst gar nicht nach Paris, weil die Verkehrsbehinderungen enorm sind und auch Zug- und Flugverbindungen von und nach Deutschland von den Streiks betroffen sind.

Grund für das Chaos sind die seit Wochen anhaltenden Streiks in Frankreich. Der Protest der Gewerkschaften führt dazu, dass jeden Tag etliche Züge in Frankreich ausfallen und viele öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben.

Gewerkschaften protestieren gegen Rentenreform in Frankreich
Gewerkschaften protestieren gegen Rentenreform in Frankreich

Bereits seit dem 5. Dezember gehen die Menschen in Frankreich gegen die Rentenreform des Präsidenten Emmanuel Macron auf die Straße. Macron will das komplizierte französische Rentensystem vereinheitlichen und das Renteneintrittsalter von derzeit 62 auf künftig 64 Jahre anheben.

Pauschalreise: Was passiert, wenn sie unterbrochen oder abgesagt wird?

Für Paris-Touristen und alle, die eine Reise in die französische Hauptstadt geplant haben, stellen sich nun einige Fragen. Moritz Walprecht ist Rechtsanwalt in Berlin und Experte für Reiserecht. Er weist darauf hin, dass große Unterschiede zwischen Pauschal- und Individualreisen bestehen.

„Sollte Ihre Pauschalreise unterbrochen werden, muss sich der Veranstalter um Sie kümmern und Ihnen ein Hotel und einen Transfer zu ihrem Ziel zur Verfügung stellen“, sagt der Experte. Kommt der Veranstalter dem nicht nach, können Urlauber Unterkunft oder Rückreise selbst organisieren und dem Veranstalter diese in Rechnung stellen.

Da es Reisenden trotz des Streiks in Paris grundsätzlich zumutbar sei, die Reise anzutreten, bestehe kein Recht auf eine Rückerstattung, wenn sie den Trip vorsorglich absagen, sagt der Experte. Die Kunden müssten daher die vereinbarten Stornokosten tragen und bekämen nur einen kleinen Teil des Reisepreises zurück.

Individualreise: Bekomme ich eine Rückerstattung?

Bei vielen Hotels lassen sich Zimmer auch noch kurzfristig stornieren. „Haben Sie jedoch ein Angebot gebucht, welches eine kostenfreie Stornierung ausschließt, haben Sie keinen Anspruch auf eine Erstattung“, erklärt Rechtsexperte Walprecht.

Zugtickets könnte man hingegen recht unkompliziert stornieren oder umbuchen, teilt die Deutsche Bahn mit. Die französische Bahn-Gesellschaft SNCF empfiehlt deutschen Touristen gar, ihre Reise wenn möglich zu verschieben oder rückerstatten zu lassen. Vor allem die Strecken Mannheim-Paris Est, Frankfurt-Marseille und Stuttgart-Paris Est sind betroffen.

Annullierte Flüge werden ebenfalls rückerstattet. „Sie können wahlweise vom Flug zurücktreten und erhalten den Ticketpreis oder Sie fordern die Airline auf, Ihnen eine für Sie kostenfreie Ersatzbeförderung zur Verfügung zu stellen“, sagt Rechtsanwalt Walprecht.

Hotels und Restaurants haben mit massiven Einbußen zu kämpfen

Wer kann, bleibt zuhause. Dementsprechend haben Hotels und Restaurants in und um Paris mit massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen. Marion Bonfini, Assistentin im Pariser Nobelhotel „Nolinski“, beklagt nicht nur die Stornierungen. Problematisch sei auch, dass viele Angestellte ohne die Métro nicht mehr zur Arbeit kommen könnten und daher seit Wochen selbst im Hotel übernachten müssen. „Zu Beginn der Streiks war fast die Hälfte unserer Zimmer mit Mitarbeitern besetzt“, sagt die Pariserin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Gegend um das Hotel, das sich an der bekannten Avenue de l’Opéra befindet, sei deutlich weniger belebt als sonst. Bonfini sagt: „Die Leute sind nicht mehr unterwegs.“ Frankreichs Regierung hat inzwischen Hilfsmaßnahmen für die Hotel- und Restaurantbesitzer angekündigt.

Wie lange wird der Streik in Frankreich noch gehen?

Anders als bei den Protesten der „Gelbwesten“ vor einem Jahr, treffen die Streiks das Leben in Paris nicht nur an den Wochenenden, sondern tagtäglich. Inzwischen bricht der Streik sämtliche Rekorde. Die Streiks bei der Bahn und im Pariser Nahverkehr dauern bereits seit mehr als fünf Wochen an. Damit überschreitet er die Dauer des bisher längsten französischen Streiks im Dezember 1986 und Januar 1987. Damals legten die Eisenbahner für 28 Tage die Arbeit nieder.

Frankreichs Premierminister Édouard Philippe hat für Freitagvormittag zu neuen Gesprächen eingeladen. Dann soll ein Vorschlag der gemäßigten Gewerkschaften zur Finanzierung des Rentensystems diskutiert werden. Verkehrsstaatssekretär Jean-Baptiste Djebbari zeigte sich gegenüber dem Nachrichtensender BFMTV optimistisch, dass es dabei zu einem Kompromiss kommen könnte.

Doch klein beigeben wird die Regierung um Präsident Emmanuel Macron wohl nicht. Denn wenn Macron die Reform ganz kippen oder zu sehr verwässern müsste, könnte er eine Wiederwahl im Jahr 2022 wahrscheinlich vergessen und sein Image als „großer Reformer“ wäre dahin. Bis zu einer Einigung werden die öffentlichen Verkehrsmittel in Frankreich also weiterhin stillstehen. Solange gilt: Rien ne va plus in Frankreichs Hauptstadt.