Bergsteigen

Letzter Aufstieg am Uluru – Kletterverbot tritt in Kraft

Noch einmal zum Gipfel, bevor Australiens Berg Uluru geschlossen wird.

Noch einmal zum Gipfel, bevor Australiens Berg Uluru geschlossen wird.

Foto: shutterstock editorial

Stau am Uluru: Am „Heiligen Berg“ von Australien gilt bald ein Kletterverbot für Touristen. Bei Missachtung drohen dann hohe Strafen.

Alice Springs. Eine lange Schlange, Menschen dicht an dicht: An manchen Tagen sieht es am Uluru so aus wie am Mount Everest. Etwa eine halbe Million Besucher kommen pro Jahr, um den berühmten Ayers Rock zu besteigen. Zurzeit ist der Berg so voll wie nie. Der Ansturm auf den heiligen Berg der australischen Ureinwohner hat sich in den vergangenen Monaten stetig erhöht. Die Menschen kommen, bevor es zu spät ist: Denn ab 26. Oktober tritt ein Kletterverbot in Kraft.

Wer danach trotzdem noch klettert, macht sich strafbar – zwei Jahre Gefängnis oder 60.000 australische Dollar (37.000 Euro) Strafe sind veranschlagt. Die Kette, die den Weg bisher markiert und Wanderern Halt gibt, soll entfernt werden.

Dies hat ein Gremium aus acht Ureinwohnern und drei Repräsentanten der Nationalparkbehörde im November 2017 nach einem Besuch des lokalen Anangu-Volkes beschlossen. Ihre Begründung: Der Uluru sei ein extrem wichtiger Ort und „kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland“.

Laut Ureinwohnern sei der Uluru von Ursprungswesen geformt, die die einst leere Erde überquerten und dabei Landschaftsformen wie den Uluru hinterließen. Andere Geschichten berichten von Schlangen oder von zwei Jungen, die im Schlamm spielten und so den berühmten Berg erschufen.

Gefährlicher Uluru-Aufstieg: 37 Tote seit 1950er Jahren

Auch bisher war es wegen dieser kulturellen Bedeutung höchst umstritten, den Inselberg, der fünf Autostunden von Alice Springs entfernt liegt, zu erklettern. Auf einem Schild wurden Besucher in sechs Sprachen gebeten, nicht auf den fast 348 Meter hohen Felsen zu klettern. Offiziell war das Klettern bisher aber nicht verboten und deswegen wanderten Besucher regelmäßig bis zum Gipfel.

Zehntausende machten sich trotzdem täglich in praller Sonne auf den anderthalb Kilometer langen Weg nach oben, wenn auch oft mit etwas schlechtem Gewissen. Doch der 360-Grad-Rundumblick ins Outback war offenbar zu verlockend.

Der Aufstieg ist jedoch ermüdend und nicht ungefährlich. 37 Menschen starben seit den 1950er-Jahren während oder nach dem Aufstieg. Seit diesem Zeitpunkt werden Aktivitäten auf dem Uluru, der seit 1987 Weltnaturerbe ist, offiziell dokumentiert.

„Seine wahre Majestät schätzt man am besten vom Boden aus“, heißt es jetzt offiziell. Doch das sehen die, die jetzt in Massen auf den Berg steigen, anders. Tim Andersen zum Beispiel. Er kann die Diskussion gar nicht verstehen. Auf Twitter schreibt der Kletterfan: „Es ist eine natürliche Felsformation, die es schon vor der Kultur der Aborigines gab.“ Er würde die Bedenken verstehen, wenn sie die Struktur selbst gebaut hätten, aber beim Uluru handele es sich um eine natürliche Felsformation. Die sollte man besteigen dürfen.

Hotels und Campingplatz sind ausgebucht

Viele aber finden es richtig, endlich den Bitten der Aborigines nachzukommen. 700.000 Ureinwohner gibt es heute noch, die im Vergleich zu den restlichen 24 Millionen Australiern immer noch benachteiligt werden. Shayne schreibt, er habe den Uluru in den 1990er-Jahren noch als Teenager bestiegen. Heute tue es ihm jedoch leid. Er habe jüngst den Wanderweg außen herum genommen.

Noch allerdings darf man hinauf. Der Massenansturm scheint niemanden abzuhalten: Die Angst, dass es dauerhaft bei dem Verbot bleiben wird, mobilisiert letzte Kräfte bei den Bergsteigern. So ist am Uluru in diesen Tagen so viel los wie nie zuvor. In der Touristensiedlung Yulara in der Nähe des Uluru sind die Hotels trotz horrender Preise seit Wochen ausgebucht. Auch der Campingplatz ist komplett voll.