Schauspielerin

Eva Longoria sieht Intoleranz als Problem der Gesellschaft

Eva Longoria mit ihrem Sohn Santiago Enrique Baston.

Eva Longoria mit ihrem Sohn Santiago Enrique Baston.

Foto: NurPhoto / NurPhoto via Getty Images

Eva Longoria spricht im Interview über ihren neuen Film „Dora und die goldene Stadt“, über Abenteuer und Probleme unserer Gesellschaft.

Berlin. Dass Eva Longoria wieder in einem Film zu sehen ist, hat Ausnahmecharakter. Doch die 44-Jährige machte sich bewusst rar, weil sie eine neue Art von Abenteuer erleben wollte. Trotz ihrer positiven Lebenseinstellung sieht sie die Entwicklungen der Welt mit großer Sorge. Wir trafen Longoria zum Gespräch.

Die Hauptfigur Ihres Films „Dora und die goldene Stadt“ ist eine jugendliche Abenteurerin. Was ist denn das größte Abenteuer, das Sie erlebt haben?

Eva Longoria: Als ich mit 23 nach Hollywood gezogen bin und mich dort im Dschungel durchschlagen musste.

Im Ernst?

Longoria: Im Ernst. Ich kam aus einer Kleinstadt, wo ich auf einer Ranch mit Kühen und Hühnern aufwuchs. Ich hatte sogar eine Schlange als Haustier. Ich war so wie die Titelheldin des Films, die nur die Natur kennt und dann in die Großstadt versetzt wird. Als ich nach Los Angeles kam, war das wie ein Schock: Das Wetter war anders, die Bäume und die Menschen. Und ich musste mich zu einer Zeit dort herumschlagen, als es noch keine Googlemaps gab. Doch letztlich machte mir das Ganze Spaß. Vor allem die Eingeborenen Hollywoods zu studieren.

Welche Abenteuer suchen Sie sich jetzt?

Longoria: Reisen ist mein größtes Vergnügen. Ich liebe es, neue Orte zu erkunden. In meinen Flitterwochen war ich zum Beispiel in Thailand und Kambodscha – Angkor-wat inklusive. Als nächstes träume ich von einer Safari in Afrika. Leider ist mein Sohn noch zu klein dafür. Ich bin jemand, der grundsätzlich ständig neue Pläne ausheckt. Aus diesem Grund fing ich vor zwölf Jahren an, zu produzieren und Fernseh-Regie zu führen. Ich wollte mich einfach neu erfinden. So konnte ich mich auf eine Weise selbst verwirklichen, die mir die Schauspielerei nicht ermöglicht hat. Jetzt möchte ich einen Kinofilm inszenieren – das ist dann das nächste Abenteuer.

Regisseurinnen hatten es in Hollywood nicht so einfach. Ändert sich das jetzt im Zeitalter von „MeToo“ und „Time’s up?“

Longoria: Es gibt noch nicht grundsätzlich mehr Chancen für Frauen. Aber auf jeden Fall haben diese Bewegungen ein größeres Bewusstsein für die Ungleichheiten in der Branche geschaffen. Wobei das letztlich für alle Wirtschaftszweige gilt, nicht nur das Filmbusiness. Momentan blicken wir in die richtige Richtung, aber jetzt müssen wir noch ein paar Schritte dahin tun.

Die politische Situation in den USA verlangt ebenfalls drastische Änderungen, was Sie als Latina vielleicht noch intensiver wahrnehmen ...

Longoria: Absolut. Wobei die Leute vor allem über die USA sprechen, weil dort alles in so großer Lautstärke ausgetragen wird. Aber letztlich hat auch Europa ein Problem mit Intoleranz. Wir schauen als Menschen einfach nicht auf das, was uns verbindet, sondern das, was uns trennt. Das gilt sogar in der Latino-Gemeinde. Die einen sagen: „Er ist Kolumbianer, und ich bin Mexikaner.“ Dabei sprechen wir die gemeinsame Sprache. Wir alle bauen Mauern zwischen uns, anstatt uns gegenseitig auszutauschen und das zu feiern.

Sie haben schon früh in Ihrer Karriere starke Frauen verkörpert. Mussten Sie dieses weibliche Selbstbewusstsein erst lernen?

Longoria: Nein, ich bin in einer Familie groß geworden, in der die Frauen das Sagen haben. Meine Mutter hat neun Schwestern, ich selbst habe drei Schwestern. Bei uns ging es immer darum, eine gute Ausbildung zu bekommen und Karriere zu machen. Schon als Kind wurde mir eingebläut, dass ich arbeiten und unabhängig bleiben soll.

Auf diese Weise wurden Sie zur Schönheitsikone und Vorbild für Millionen von Frauen. Steigt einem das nicht zu Kopf?

Longoria: Erst mal bin ich froh, dass ich so eine Funktion habe. Es ist mir eine Ehre, wenn ich das Leben von anderen Menschen beeinflussen kann. Doch ich vergesse dabei nie meine Wurzeln. Ich muss noch eines betonen: Meine ältere Schwester ist geistig behindert. Das heißt, ich wurde in ihre Welt hineingeboren und das hat meine Sicht der Dinge entscheidend geprägt. Ich habe mich immer gefragt, was ich für andere tun kann, und nicht umgekehrt.