Geständnis

Therapeut machte offenbar pornografische Fotos von Kindern

Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern in Bielefeld: Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt.

Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern in Bielefeld: Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt.

Foto: David Inderlied / dpa

Im Prozess um sexuellen Missbrauch von Kindern in Bielefeld bricht der Angeklagte sein Schweigen. Der Vorsitzende Richter zweifelt.

Bielefeld. Im Prozess um sexuellen Missbrauch von Kindern in Bad Oeynhausen, hat der Angeklagte gestanden, kinderpornografische Fotos gemacht und besessen zu haben. Schwerer sexueller Missbrauch, der dem Physiotherapeuten in knapp 40 Fällen vorgeworfen wird, streitet er allerdings weiter ab.

Erstmals hat Angeklagte im Prozess um Missbrauch von Kindern in der Praxis eines Heilpraktikers in Bad Oeynhausen ausgesagt. Der 61-Jährige, dem insgesamt 44 Taten zur Last gelegt werden – darunter 37 Mal schweren sexuellen Missbrauch – gab in dem Verfahren am Landgericht Bielefeld zu, kinderpornografischer Bilder gemacht und besessen zu haben.

Sexueller Missbrauch von Kindern: Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Die Fotos hätte er aber nur für sich selber gemacht und nicht weiterverbreitet, erklärte der Physiotherapeut weiter – und räumte auch erstmals eine Neigung zur Pädophilie ein. Zuvor hatte seine Anwältin eine rund 15-minütige Erklärung ihres Mandanten vorgelesen.

Der Mann aus Bad Oeynhausen in Ostwestfalen bestreitet aber weiterhin die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, dass er mehrfach im Rahmen seiner Praxis junge Mädchen schwer sexuell missbraucht haben soll. „Ich habe grundsätzlich kein Finger in eines der Opfer eingeführt. Ich wüsste auch nicht, wozu das bei der Therapie gut sein soll“, sagte der Therapeut.

Insgesamt werden in der Anklage acht Missbrauchsopfer aufgeführt: junge Mädchen, die zum Tatzeitpunkt zwischen sechs und zwölf Jahren alt waren. Laut Anklage nutzte der Mann die körperliche Nähe als Therapeut aus, um unter dem Deckmantel einer ordnungsgemäßen Behandlung sexuelle Handlungen vorzunehmen. Auch das bestritt der Angeklagte.

Vorsitzender Richter äußert Zweifel

Auf Nachfrage des Gerichts erläuterte der Heilpraktiker ausführlich, mit welchen Griffen und medizinischen Werkzeugen er seine Patienten, darunter nicht nur Kinder, behandelt. Dabei ging es auch um angebliche Spezialgriffe zwischen die Beine, um Fehlhaltungen der Wirbelsäule oder des Beckens zu korrigieren – und wie er medizinisches Gerät zum Beispiel auf Höhe des Schambeins einsetzt.

Der Vorsitzende Richter Carsten Nabel äußerte Zweifel: „Ich habe zu dieser Methode in der Literatur nichts gefunden. Wer hat Ihnen das beigebracht?“. Der Therapeut verwies auf Fortbildungen. Bei Nachfragen musste der Physiotherapeut passen.

Sachverständiger soll Aussagen des Angeklagten bewerten

Ein Sachverständiger für Physiotherapie und Heilpraktiker beobachtet seit Montag den Prozess. Er soll dem Gericht später erläutern, wie er die Einlassung des Angeklagten bewertet. Der Prozess wird am 28. Oktober fortgesetzt.

Der Fall wurde bekannt, weil Ermittler in Nordrhein-Westfalen nach dem Fall von Kindesmissbrauch in Lügde noch einmal alte Fälle aufgerollt haben. Dabei ist die Polizei auf den Mann aus Bad Oeynhausen aufmerksam geworden.

Im Fall Lüdge ging es um sexuellen Missbrauch in mehr als 450 Fällen auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lüdge. Die Angeklagten wurden Anfang September zu hohen Haftstrafen und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Urteile im Lügde-Prozess: Täter haben „32 Kindheiten zerstört“

Die beiden seien für Taten an 32 Kindern verurteilt worden. Die Zahl der Opfer sei vermutlich viel höher. Die Richterin sprach die Verurteilten mehrfach direkt an: „Sie haben 32 Kinder und Jugendliche zu Objekten ihrer sexuellen Begierden degradiert und 32 Kindheiten zerstört.“

Missbrauchsprozess: Lange Haftstrafen im Fall Lügde
Missbrauchsprozess- Lange Haftstrafen im Fall Lügde

Zudem kursiert immer mehr Material zum sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet. Die EU ist alarmiert und will die besorgniserregende Entwicklung stoppen.