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Sabine Postel zum „Tatort“-Aus: „Am Ende haben alle geheult“

Sabine Postel Steigt als Kommissarin im „Tatort“ aus.

Sabine Postel Steigt als Kommissarin im „Tatort“ aus.

Foto: Christoph Hardt / imago/Future Image

Schauspielerin Sabine Postel steigt aus dem Bremer „Tatort“ aus. Im Interview spricht sie unter anderem über ihren letzten Drehtag.

Essen.  Seit zwei Jahrzehnten ist sie als Bremer TV-Ermittlerin Inga Lürsen im „Tatort“ im Einsatz, doch jetzt ist Schluss: Am Ostermontag löst Sabine Postel (64) ihren 39. und letzten Fall.

Frau Postel, warum hören Sie mit dem „Tatort“ auf?

Sabine Postel: Die Entscheidung habe ich schon vor zwei Jahren getroffen und sie hat sich richtig angefühlt. Ich hatte damals das Gefühl, ich brauche mal wieder was Neues, und das habe ich heute auch noch. Ich muss mal wieder einen gewissen Freiraum haben. Ich mache seit elf Jahren die ARD-Serie „Die Kanzlei“ und seit 22 Jahren den „Tatort“. Das hat unter anderem dazu geführt, dass ich überhaupt keinen Urlaub mehr machen konnte. Ich habe immer nur gearbeitet, es gab da überhaupt keine Lücke mehr. Ich hatte praktisch für nichts anderes mehr Zeit als für diese beiden Produktionen, auch beruflich nicht – und das wollte ich nicht mehr.

Haben Sie das Aus mit Ihrem Kommissarskollegen Oliver Mommsen abgesprochen?

Aber natürlich, wir hatten ja nie Streit, haben uns immer gern gehabt und sind im Lauf der vielen Jahre zu einem echten Dream-Team geworden. Deshalb haben wir uns zusammengesetzt und das besprochen und sind dann zu dem Schluss gekommen: Wenn wir aufhören, dann hören wir zusammen auf.

Wie hat Radio Bremen reagiert?

Geschockt. Es ist ja auch nicht auf den ersten Blick zu verstehen, dass man etwas aufgibt, was so viel Freude gemacht hat und was auch so erfolgreich war. Aber Oliver und ich haben das so entschieden, und die Senderverantwortlichen haben es nach dem ersten Schock natürlich auch akzeptiert.

Hat Sie Ihre „Tatort“-Rolle zuletzt etwas gelangweilt?

Nein, nie. Ich habe Inga Lürsen 22 Jahre lang gespielt, und sie ist in dieser Zeit irgendwie auch ein Teil von mir geworden. Es war für mich jedes Mal eine ganz große Freude, zu den Dreharbeiten nach Bremen zu kommen und dieses wunderbare Team wiederzutreffen. Ich habe mich auf so viele Leute dort gefreut und auch auf die Bremer Polizei, die uns bei jedem „Tatort“ großartig unterstützt hat.

Werden Sie es vermissen?

Oh ja, das wird mir jetzt auch so langsam bewusst, der „Tatort“ wird mir sehr, sehr fehlen. Manchmal frage ich mich natürlich, ob die Entscheidung richtig war, aber jetzt ist es wie es ist. Oliver und ich wollen aber unbedingt irgendwann noch einmal als Gangsterpärchen oder so im deutschen Fernsehen auftauchen. Das kann auch ein Spielfilm sein, in dem wir zwei Heiratsschwindler spielen oder etwas in der Richtung.

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Sie haben auch schon Kritik am „Tatort“ geäußert.

Mit unserem „Tatort“ aus Bremen war ich eigentlich immer einverstanden, am „Tatort“ im Allgemeinen habe ich allerdings schon das ein oder andere auszusetzen. Ich bin zum Beispiel kein Freund von diesen Improvisationskrimis, die es in der Reihe schon gab, und ich denke, man muss auch aufpassen, dass sie durch zu viele Ermittlerteams nicht verwässert wird. Man muss das tolle Format „Tatort“ pfleglich behandeln.

Welche anderen „Tatort“-Kommissare mögen Sie denn?

Auf jeden Fall die Kollegen, mit denen ich zeitgleich angefangen habe und mit denen man älter geworden ist, also die Münchner und die Kölner.

Sie werden dieses Jahr 65 – gehen Sie dann in Rente?

Nein, das würde mich ja verrückt machen. Ich arbeite weiter für „Die Kanzlei“, bin aber auch offen für andere Angebote. Zwei Spielfilme sind bereits in der Pipeline. Also über zu wenig Arbeit kann ich mich nicht beklagen.

Sind an Ihrem letzten Drehtag Tränen geflossen?

Oh, viele, das können Sie mir glauben. Wir drehten eine Verfolgungsjagd aus der Tiefgarage heraus, erst Oliver im Auto, dann ich – und als wir oben ankamen, stand das ganze Team mit eisgekühltem Champagner da. Es gab Konfetti, ein kleines Feuerwerk, die Polizei war auch da und ist mit Blaulicht vom Hof gefahren – herrlich. Am Ende haben wir alle geheult.

(Martin Weber)