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Verstörende Bilder: Kampagne gegen Kinderfotos im Netz

Verstörende Bilder: Kampagne gegen Kinderfotos im Netz
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Welche Bilder von Kindern kann man im Internet posten? Eine neue Kampagne soll mit verstörenden Bildern Erwachsene sensibilisieren.

Berlin. Toyah Diebel hat eine Mission. Die Berliner Bloggerin will Eltern sensibilisieren: Sie sollen keine Bilder ihrer Kinder im Internet posten – zumindest nicht solche, auf denen Kinder (teilweise) nackt oder erkennbar sind. Dazu verbreitet Diebel ziemlich schreckliche Fotos. So will man nicht im Netz zu sehen sein. Der Hashtag zur Kampagne: #DeinKindauchnicht.

Das Thema ist nicht neu, aber immer wieder wichtig. Und Toyah Diebel erreicht mit den Fotos zu ihrer Kampagne ordentlichen Schock-Effekt: Zum Beispiel mit dem mit Brei verschmierten Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der nur mit Lätzchen bekleidet in die Kamera guckt. Oder mit einem Foto, das Diebel selbst zeigt, wie sie vermeintlich schläft und ihr dabei der Speichel aus dem Mund läuft.

Kinderfotos im Netz posten? Darum geht es bei der Kampagne:

• Bloggerin Diebel hat die Kampagne initiiert, die mit drastischen Bildern zeigen soll, warum Kinderfotos im Netz nichts zu suchen haben.

• Untertsützung erhält sie dabei von Wilson Gonzales Ochsenknecht

• Experten erklären: Auch Kinder haben Rechte – es geht um Würde und Selbstbestimmung

• Die Bilder können bei den falschen Empfängern, etwa Pädophilen, landen

Eltern, die alles posten: Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre

Auf der Homepage ihrer Kampagne erinnert Diebel, dass Kinder wie Erwachsene ein Recht auf Privatsphäre haben. „Vielen Kindern wird leider die Entscheidung abgenommen, ob und vor allem wie sie im Netz dargestellt werden“, so Diebel. Nämlich dann, wenn Erwachsene einfach Fotos von Kindern im Netz posten – auf dem Töpfchen oder beim Baden, mit Essen besudelt oder inmitten von Marken-Logos.

„Mir ist es sehr wichtig, immer selbst entscheiden zu können, welche Informationen ich von mir preisgeben möchte und welche nicht“, schreibt Diebel. Das Recht sollten Kinder ebenfalls haben: „Auch für das spätere Leben des Kindes können veröffentlichte Fotos im Netz negative Konsequenzen haben. Möchte man, dass Mitschüler, Arbeitskollegen oder auch einfach nur irgendjemand später uneingeschränkten Zugriff auf diese Fotos hat?“, fragt Diebel.

Kinderfotos werden von Pädophilen missbraucht

Die Würde und das Selbstbestimmungsrecht des Kindes sind zwei wichtige Themen bei dieser Frage, ein drittes: Was passiert mit den Fotos? „Die Bilder könnten durch Dritte ins Darknet befördert werden, wo sie womöglich Pädophilen in die Hände fallen“, warnt Dr. Iren Schulz, Mediencoach bei der Initiative „SCHAU HIN!“, die Familien bei der Medienerziehung hilft.

Auch das ist ein Beweggrund für Toyah Diebel: „Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto tiefer taucht man in die Abgründe des Internets ab. Von vermeintlich süßen, vollgekotzten Kindern bis hin zu geschminkten Babys in Strapsen mit eindeutig anzüglichen Kommentaren, darunter gibt es scheinbar nichts, was nicht legal und für jedermann öffentlich verfügbar wäre.“

Hintergrund: New Kids on the Blog – Wenn Kinder öffentlich aufwachsen

Das Deutsche Kinderhilfswerk gibt Tipps, wie man mit Kinderfotos im Netz umgehen sollte: Auch da empfehlen die Experten eindringlich, keine Fotos von Kindern in peinlichen Situationen zu posten. (moi)