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Eva Green: So schützt sie sich vor fremden Erwartungen

Eva Green bei der Premiere von „Dumbo“ in London.

Eva Green bei der Premiere von „Dumbo“ in London.

Foto: matrixpictures.co.ukvia www.imago-images.de / imago images / Matrix

Die Hollywood-Darstellerin Eva Green über die Härte des Filmgeschäfts, ihren Ruf als Exzentrikerin und die Kunst, bei sich zu bleiben.

Berlin. In „Casino Royale“ war Eva Green (38) die große Liebe des Agenten James Bond, aber am bekanntesten ist die Schauspielerin für ihre exzentrischen Rollen aus Serien wie „Penny Dreadful“ oder den Filmen von Tim Burton.

Dessen neues Werk „Dumbo“, ein Remake des Disney-Klassikers (Kinostart: 29. März) ist Greens dritte Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Regisseur. Im Gespräch ist Green von ausgesuchter Höflichkeit, natürlich und offen.

Was gibt Ihnen persönlich die Story von Dumbo, dem kleinen, verspotteten Elefanten, der fliegen kann?

Green: Für mich ist Dumbo eine Kreatur, die man nicht versteht, er ist ein Außenseiter. Und ich glaube, dass sich jeder von uns so fühlt. Mir ging es immer so. Ich mag auch merkwürdige, schöne Dinge. Deshalb stecken mich die Leute gerne in die Exzentriker-Schublade.

Wie gehen Sie damit um?

Green: Das müsste ich meine Therapeuten fragen. Aber ich habe es geschafft, meine Einzigartigkeit anzunehmen. Es tut gut, sich zu seiner eigenen Individualität zu bekennen. Die Leute, die mich nicht verstehen wollen, können mich mal. Ich sage nicht, dass ich immer die Selbstbewussteste bin, aber ich jage diesem Licht hinterher.

„Dumbo“ – Offizieller Trailer

Sie spielen ja auch häufig exzentrische Rollen, mit denen Sie dieses Image fördern.

Green: Weil mich zu realistische Rollen anöden würden. Wobei ich es nicht mag, als die „dunkle Eva Green“ abgestempelt zu werden.

Ihren heftigen Rollen nach zu schließen, müssten Sie ein mutiger Mensch sein. Sind Sie das wirklich?

Green: Eigentlich bin ich ziemlich schüchtern. Aber ich mag es, die dunkle Seite des Lebens zu erkunden. Normalerweise kannst du nicht in solche Extreme eintauchen, aber meine Rollen ermöglichen mir das.

Ist das Ihre Psychotherapie?

Green: So würde ich es nicht nennen. Das klingt ein bisschen zu billig. Aber du kannst in Filmen deine ganzen Emotionen herauskotzen. Danach fühle ich mich sehr lebendig, meine ganzen Sinne sind voll eingeschaltet, und das gibt mir Energie.

Erst müssen Sie die Schüchternheit überwinden ...

Green: Ich bin gleichzeitig sehr obsessiv. Das treibt mich an und hilft mir, das zu tun, was ich im Innersten möchte. Allerdings muss ich dabei auch aufpassen. Obsessionen können zerstörerisch sein. Wenn sie dein Leben komplett dominieren, brennst du innerlich aus.

Wo holen Sie sich Ihre Energie, wenn Sie keine Rollen spielen?

Green: Indem ich Filme schaue, das erfüllt mich. Oder ich lese Bücher. Nicht zu vergessen Museumsbesuche, das ist ebenfalls geistige Nahrung. Außerdem liebe ich es, in der Natur zu sein. So schön das Stadtleben ist, es kann auch ziemlich stressig werden. Ich mag es, wenn ich von Bäumen umgeben bin und die Ruhe genießen kann. Ansonsten vergisst du, dass du ein Mensch bist. Und ich selbst bin nicht ruhig. In meinem Kopf ist viel los. Zu viel.

Wie kommen Sie mit anderen klar?

Green: Das kann schwierig sein. Die Leute haben immer eine Meinung zu dir. Und es ist schwer, sich eine richtige mentale Rüstung zuzulegen. Die einzige Lösung ist es, wenn du verschiedene Masken trägst, um dich zu schützen – abhängig von der Situation. Und hinter diesen Masken kannst du dann du selbst sein.

Wann müssen Sie sich schützen?

Green: Zum Beispiel, wenn ich mit fremden Erwartungen bombardiert werde. Da bleibt nichts anderes übrig, als sozusagen Ohrstöpsel hineinzustecken. Jeder kennt das. Deine Mutter meint: „Ich weiß, was am besten für dich ist.“ In der Schule hast du eine dominante Freundin, mit der sich alles gut anfühlt, bis es ins Gegenteil umschlägt und du dir sagst: „Die saugt mein Blut aus.“

Will auch die Filmbranche Ihr Blut aussaugen?

Green: Oh ja. Natürlich kann sie das. Das ist eben nicht nur ein Job, sondern es prägt dein ganzes Leben.

Was machen Sie da?

Green: Du sagst Nein. Klar und unmissverständlich.

Fehlt Ihnen noch etwas zur Vollkommenheit?

Green: Momentan bin ich von coolen Katzen besessen. Für mich sind sie wie Wesen aus einer anderen Welt. Ständig schaue ich mir Bilder im Internet an. Also, mein aktueller Traum ist es, eine riesige Katze zu besitzen.