Seenot

„Viking Sky“: Grund für die Havarie steht nun fest

"Viking Sky": Schieflage in schwerer See

Mit mehr als 1300 Menschen an Bord war die "Viking Sky" am Samstag vor Norwegen in Seenot geraten. Am Samstag lief eine Rettungsaktion per Hubschrauber an, um die hauptsächlich britischen und US-amerikanischen Passagiere sowie die Crew zu bergen.

schieflage in schwerer see

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Die vor Norwegen in Seenot geratene „Viking Sky“ ist im Hafen von Molde angekommen. Experten haben nun den Grund der Havarie ermittelt.

Oslo. Nachdem das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ in Seenot geraten ist, scheint die Suche nach der Ursache beendet. Experten sehen in niedrigem Öldruck den Auslöser. Der Druck sei zwar innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen, aber relativ niedrig gewesen, als das Schiff durch ein gefährliches Gebiet an der norwegischen Küste gefahren sei, teilte der Direktor Lars Alvestad von der norwegischen Seefahrtsbehörde am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Haugesund mit.

Auch die schwierigen Verhältnisse auf dem Wasser spielten aller Wahrscheinlichkeit nach eine Rolle, sagte Alvestad. Die im Sturm aufgewühlte See habe die Tanks wohl so stark bewegt, dass die Schmierölpumpen ihre Versorgung versagt hätten. Das habe einen Alarm wegen niedrigen Öldrucks ausgelöst, was kurz darauf zur automatischen Abschaltung der Motoren geführt habe.

Havarie der „Viking Sky“ – zahlreiche Verletzte

Zahlreiche Passagiere waren verletzt worden, als das Kreuzfahrtschiff am Wochenende bei hohem Wellengang schwankte und Möbel im Inneren umherflogen. Die Crew hatte einen Notruf wegen Motorproblemen abgesetzt. Ein Teil der insgesamt 1373 Passagiere an Bord wurden mit Hubschraubern gerettet. Die Besetzung konnte das Schiff schließlich wieder in Gang setzen.

Nach der Rettung: "Viking Sky" erreicht norwegischen Hafen

Das Kreuzfahrtschiff war am Wochenende in Seenot geraten, Passagiere wurden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht.
Nach der Rettung- Viking Sky erreicht norwegischen Hafen

Am Sonntagnachmittag legte die „Viking Sky“ schließlich an einem Pier in der Kleinstadt Molde an. Die Ankunft war im norwegischen Fernsehen zu sehen. Die rund 900 Menschen, die über Nacht auf dem Schiff ausgeharrt hatten, blieben zunächst an Bord des Schiffes, manche von ihnen winkten vom Balkon ihrer Kabinen. Von Molde aus treten die Passagiere nun die Heimreise an.

Vermisst wird niemand. 17 Menschen sind in Krankenhäuser gebracht worden, drei von ihnen sollen schwer verletzt sein, hießt es.

„Viking Sky“: Karte zeigt Ort der Havarie

Die „Viking Sky“ war am Samstagnachmittag wegen Problemen mit dem Antrieb in einem gefährlichen Abschnitt der zentralen Westküste Norwegens in Seenot geraten. In den Hustadvika-Gewässern gibt es zahlreiche kleine Inseln und Riffe. Laut Nachrichtenagenturen blies der Wind dort mit 38 Knoten, das entspricht etwa 70 Kilometern die Stunde.

Nach Reedereiangaben waren 915 Passagiere und 458 Besatzungsmitglieder an Bord des 227 Meter langen Schiffes. Die meisten Fahrgäste sind laut Behördenangaben Briten und Amerikaner. Auch zwei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit zählten zu den Passagieren. Sie waren auf einer zwölftägigen Kreuzfahrt entlang der norwegischen Westküste unterwegs.

Die nächste Reise des Schiffs entlang Skandinaviens Küste und durch den Nord-Ostsee-Kanal wurde abgesagt, wie die Reederei mitteilte.

„Viking Sky“ – das Wichtigste in Kürze:

• Das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ ist vor Norwegen in Seenot geraten

• Die Crew setzte einen Notruf wegen Motorproblemen ab

• Mit Hubschraubern wurde ein Teil der 915 Passagiere von Bord geholt

• Am Sonntagnachmittag erreichte das Schiff den Hafen von Molde

• Auch ein Frachter, der bei der Rettung der „Viking Sky“ helfen wollte, geriet in Seenot

Hubschrauber hatten bis zum Sonntagmorgen fortwährend kleine Gruppen von jeweils rund 15 Passagieren an Land gebracht, wie die Kommune Fræna bei einer Pressekonferenz mitteilte. „Sie hatten keine gute Nacht, sie hatten Angst“, sagte ein Sprecher.

Geretteter: Musste an „Titanic“ denken

Eine der ersten Geretteten sagte dem norwegischen Sender NRK, sie habe um ihr Leben gebangt. „Ich habe noch nie so etwas Beängstigendes erlebt. Ich habe zu beten begonnen, ich habe für die Sicherheit von allen an Bord gebetet.“

Ein anderer Mann berichtete, er habe gerade im Restaurant gesessen, als das Schiff heftig zu schwanken begonnen habe. Teller seien von Tischen geflogen, Menschen zu Boden gegangen. Ein Fenster oder eine Tür sei zu Bruch gegangen und eine Welle ins Schiffsinnere geschwappt. „Ich musste an die Titanic denken. Ich dachte, das wäre das Ende.“

Aufnahmen von Bord der „Viking Sky“ zeigen dramatische Szenen

Aufnahmen von Bord des Schiffes zeigten dramatische Szenen: Die „Viking Sky“ schwankte heftig, durch die Fenster sahen die Passagiere riesige Wellen.

Sessel, Tische und Pflanzen rutschten im Schiff hin und her, einer Frau fiel ein Brett auf dem Kopf. Viele Menschen an Bord trugen Rettungswesten. Ein Passagier schrieb, die Besatzung mache einen fantastischen Job und sorge dafür, dass alle ruhig und versorgt seien.

Ministerpräsidentin Solberg dankt Einsatzkräften

Am Sonntag dankte die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg den Einsatzkräften für ihre Arbeit. „Das ist ein dramatischer Tag für die Passagiere und Rettungsmannschaften gewesen“, schrieb Solberg auf Twitter.

Die tüchtigen Rettungskräfte, Freiwilligen und anderen Beteiligten hätten einen unschätzbar wichtigen Einsatz unter herausfordernden Bedingungen gezeigt.

Zweites Schiff in Norwegen in Seenot

Auch ein Frachter geriet im selben Küstengebiet in Seenot. Bei dem Frachtschiff „Hagland Captain“ sei am Samstagabend ebenfalls der Motor ausgefallen, woraufhin es Schlagseite bekommen habe, teilte der südnorwegische Rettungsdienst mit. Das norwegische Fernsehen berichtete, der Frachter habe sich auf dem Weg zur „Viking Sky“ befunden, um bei dem dort laufenden Rettungseinsatz zu helfen.

Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden zwei Rettungshubschrauber umgeleitet, die sich auf dem Weg zur „Viking Sky“ befunden hatten. Die Evakuierung des Kreuzfahrtschiffes verzögere sich dadurch. Die Menschen an Bord seien aber sicher. Die Polizei teilte mit, die neun Besatzungsmitglieder der „Hagland Captain“ sollten von Bord geholt werden.

Schon häufiger Schiffsunfälle in Hustadvika-Gewässern

Die Hustadvika-Gewässer liegen bei Kristiansund an der zentralen Westküste Norwegens und gelten als gefährliches Seegebiet, in dem schon häufiger Schiffsunfälle passiert sind.

Die „Viking Sky“ gehört zu Viking Ocean Cruises. Die Reederei ist Teil der Viking Cruises Group, die vom norwegischen Milliardär Torstein Hagen gegründet wurde. Laut Website des Unternehmens beläuft sich die Fahrgastkapazität der „Viking Sky“ auf 930 Passagiere. Dazu kommen noch die Crewmitglieder. Das Schiff ist erst seit dem Jahr 2017 im Einsatz und ist 230 Meter lang. Es hat einen Tiefgang von 6,30 Metern.

Die Jungfernfahrt begann im Februar 2017 und führte von der US-amerikanischen Kreuzfahrtreederei Viking Ocean Cruises im italienischen Civitavecchia nach Palma de Mallorca (Spanien) und Barcelona. Die Schiffstaufe erfolgte im Juni.

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Kreuzfahrten: Seit Concordia-Unglück ist Sicherheit gestiegen

Das Thema Sicherheit auf Kreuzfahrtschiffen war nach dem Unglück der Costa Concordia vor der toskanischen Insel Giglio in den Vordergrund gerückt. Im Jahr 2012 starben 32 Menschen, nachdem die Costa Concordia gegen einen Felsen gefahren, Leck geschlagen und auf Grund gelaufen war. Das Kreuzfahrtschiff hatte anschließend starke Schlagseite. Die meisten der rund 4200 Menschen an Bord konnten aber am Unglückstag bis zum Morgen in Sicherheit gebracht werden.

Darauf gab der Deutsche Reiseverband (DRV) damals einen Empfehlungskatalog heraus. Das Schriftstück basiert auf den Informationen des European Cruise Council (ECC), dem fast jede Reederei angehört, und der Cruise Lines International Association (CLIA).

Darin heißt es: „Für alle modernen Kreuzfahrtschiffe ist es verpflichtend vorgeschrieben, dass sie mit einer Reihe von elektronischen Navigationsinstrumenten ausgerüstet sein müssen, die die Steuerung des Schiffs unterstützen. Die meisten Kreuzfahrtschiffe überschreiten die Vorschriften erheblich.“

Hintergrund:

Immer wieder verschwinden Menschen von Kreuzfahrtschiffen. Im vergangenen Jahr hatte der Fall von Daniel Küblböck für Aufsehen gesorgt: Er war im September während einer Kreuzfahrt vor der Küste Kanadas von der „AIDAluna“ verschwunden. Die Ermittler gehen von einem Suizid aus.

Warum Kreuzfahrten nicht nur Genuss sind – ein Autor enthüllt in „Wahnsinn Kreuzfahrt“ Gefahren für Mensch und Umwelt.

(dpa/cho/cro)