Familienfreundlichkeit

Abgeordnete fliegt aus dem Parlament – weil ihr Kind „stört“

Mette Abildgaard musste das dänische Parlament in Kopenhagen verlassen.

Mette Abildgaard musste das dänische Parlament in Kopenhagen verlassen.

Foto: Sofie Mathiassen / imago/Ritzau Scanpix

Eine dänische Abgeordnete bringt ihr Kleinkind mit ins Parlament – und wird rausgeschmissen. Auf Facebook schlägt der Fall nun hohe Wellen.

Kopenhagen. Wie familienfreundlich ist das dänische Parlament? Darüber diskutiert das Land, nachdem die Abgeordnete Mette Abildgaard eine Sitzung verlassen musste, weil sie ihr fünf Monate altes Baby mit zu einer Abstimmung genommen hatte. Der Rausschmiss kam von Parlamentspräsidentin Pia Kjærsgaard, der früheren Vorsitzenden der rechtsextremen Dänischen Volkspartei.

„Sie sind mit ihrem Kind unerwünscht im Parlament“, habe ihr Kjærsgaard mitgeteilt, wie Abildgaard auf Facebook berichtet. „Abgeordnete sollten im Plenarsaal sein, nicht Babys oder Kinder“, so Kjærsgaard.

Ihr Sprecher versuchte den Rausschmiss zu erklären: Kjærsgaard habe nur die Regeln des Parlaments befolgt und befunden, dass das Baby „stört“.

Eigentlich könnte Abildgaard Elternzeit nehmen

Abildgaard habe ihre Tochter noch nie mit in eine Parlamentssitzung genommen, schreibt die konservative Abgeordnete in dem Facebook-Beitrag, der schon hunderte Male geteilt (Stand: 20. März, 14 Uhr) und zum Teil wütend kommentiert wurde. An diesem Tag habe der Vater des Kindes nicht einspringen können und sie habe erst kurz vor der Sitzung erfahren, dass sie an diesem Tag abstimmen müsse.

Nach dem Rausschmiss durch die Parlamentspräsidentin habe sie ihre Tochter der Sekretärin gegeben, um überhaupt abstimmen zu können, berichtet Abildgaard weiter. Und das, obwohl sie eigentlich Anspruch auf Elternzeit hatte und gar nicht im Parlament sein musste. (küp)

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