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Warum Göteborg einem Bewerber 2000 Euro fürs Nichtstun zahlt

Die schwedische Stadt Göteborg zahlt ein einem Bewerber 2060 Euro. Verpflichtungen gibt es nicht.

Die schwedische Stadt Göteborg zahlt ein einem Bewerber 2060 Euro. Verpflichtungen gibt es nicht.

Foto: GEINOWSKI, Friedhelm / NRZ

Die schwedische Stadt Göteborg schreibt einen Job aus – und bezahlt 2000 Euro im Monat, lebenslang. Verpflichtungen gibt es keine.

Berlin/Göteborg. Jeder, der schon einmal in einem Büro oder Betrieb gearbeitet hat, kennt sie: Die Kollegen, die jeden Tag zur Arbeit kommen, von denen aber niemand genau weiß, was sie eigentlich tun.

Die Stadt Göteborg in Schweden hat jetzt genau so einen Job ausgeschrieben: Für monatlich 21.600 Kronen (etwa 2060 Euro) kann der oder die Auserwählte in der Arbeitszeit tun, was er oder sie will. Die Stelle wird lebenslang besetzt. Einzige Bedingung für den Job ist, sich morgens im U-Bahnhof Korsvägen an der Stechuhr ein- und abends wieder auszustempeln.

Stelle wird mit 2060 Euro monatlich bezahlt – Tätigkeiten können selbst gewählt werden

Dahinter steckt das Kunstprojekt „Eternal Employment“ des Künstlerduos Goldin+Senneby. Bei der Planung des Neubaus des U-Bahnhofs hatte eine Jury sich für diese Aktionskunst entschieden. Ziel ist es, eine Diskussion über Sinnhaftigkeit von Jobs und Bezahlung zu entfachen. Dafür stehen im Jahr 580.000 Euro zur Verfügung.

Ob der oder die Angestellte die Zeit nutzt, um etwas im Bahnhof zu verändern, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, zu patrouillieren oder künstlerisch aktiv zu werden, ist nicht vorgegeben.

Die im U-Bahnhof angebrachte Stechuhr ist elektronisch mit der Deckenbeleuchtung verknüpft. Je nachdem, ob der „Arbeitnehmer“ vor Ort ist, soll die Station stärker beleuchtet sein. So sind Fahrgäste jederzeit über den Anwesenheitsstatus des Mitarbeiters informiert.

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Auf der Internetseite der Public Art Agency Sweden findet sich die Stellenausschreibung (Englisch). Darin schreiben die Initiatoren: „Solange wir in einer Gesellschaft leben, in der das Einkommen aus Kapital deutlich schneller wächst als die durchschnittlichen Löhne, werden wir das Projekt weiterlaufen lassen.“ Für das Projekt steht eine Finanzierung für die nächsten 120 Jahre bereit.

Bewerbungen für Eternal Employment werden ab 2025 angenommen

Magdalena Malm von der Kunstbehörde sagte der „Süddeutschen Zeitung“,, dass bereits 50 Bewerbung eingegangen seien. „Dabei akzeptieren wir die erst ab dem Jahr 2025, weil die U-Bahn-Station dann eröffnet wird. Erster Arbeitstag wird 2026 sein.“ Malm war auch Vorsitzende der Jury, die das Projekt aus den Einsendungen ausgewählt hat.

Übrigens: Falls der Person tatsächlich langweilig werden und kündigen oder in Rente gehen sollte, wird die Stelle nachbesetzt.