Erfindung

Das World Wide Web feiert 30. Geburtstag – Wie alles begann

Mit einem Doodle erinnert Google an die ersten Schritte des Internets.

Mit einem Doodle erinnert Google an die ersten Schritte des Internets.

Foto: Screenshot Google / Screenshot

Das World Wide Web feiert 30. Geburtstag. Wir blicken zurück auf die WWW-Vision, die Tim Berners-Lee am 12. März 1989 vorstellte.

Berlin. Ohne Tim Berners-Lee würden Sie diesen Text jetzt gerade wohl kaum lesen können. Oder zumindest wäre er nicht den Weg gegangen, auf dem er zu Ihnen gefunden hat – mit Hilfe von HTTP, HTML und einem Browser.

Denn diese Erfindungen, die den Weg bereiteten für das Internet, wie wir es kennen, gehen auf Tim Berners-Lee zurück. Am 12. März 2019 feiert seine Vision vom World Wide Web 30. Geburtstag. Google feiert den Geburtstag an diesem Dienstag mit einem Google Doodle.

Wir blicken zurück – wie sah seine Idee aus? Die wichtigsten Antworten zum WWW-Jubiläum:

Wie kam Tim Berners-Lee auf die Idee des World Wide Web?

Der Physiker und Informatiker arbeitete Ende der Achtzigerjahre am Schweizer CERN-Institut und wollte damals ein System zum besseren Informationsaustausch für Wissenschaftler und Universitäten entwickeln. Unter dem Titel

„Information Management: A Proposal“ hält er seine Ideen schriftlich fest.

Berners-Lee fordert darin: „Ein universell verbundenes Informationssystem ist das, worauf wir hinarbeiten sollten, in welchem Allgemeingültigkeit und Übertragbarkeit wichtiger sind als extravagante Grafiktechniken und komplexe Betriebsanlagen.“

Die Resonanz von seinen Chefs: nicht gerade euphorisch. „Vage, aber interessant“, schrieb sein Vorgesetzter auf das Papier, auf dem er seine Vision vom World Wide Web skizziert hatte. Berners-Lee erhielt dennoch die Freigabe, um mit einem Team an seiner Idee zu arbeiten.

Welche Erfindungen gehen noch auf Tim Berners-Lee zurück?

1991 präsentierte Berners-Lee den Link zur ersten Webseite der Welt. Später kommen das Kommunikationsprotokoll HTTP (Hypertext Transfer Protocol) und die Auszeichnungssprache HTML (Hypertext Markup Language) hinzu – die Grundlagen dafür, dass Computer untereinander Informationen austauschen können.

Auch die genaue Lokalisierung von Datenquellen im Web ermöglichten Berners-Lee und sein Team – mit dem URI (Universal Resource Identifier). Die URL (Uniform Resource Locator), die wir heute oft als Internetadressen bezeichnen, ist eine (und die am häufigsten anzutreffende) Art der URI.

Was hat das alles mit dem Internet zu tun?

Das World Wide Web ist nicht, wie oft fälschlich angenommen wird, gleichzusetzen mit dem Internet, sondern nur ein Teil dessen. Zum WWW gehören die Teile des Internets, die mit Browsern wie dem Internet Explorer, Google Chrome oder Mozilla Firefox aufgerufen werden – mit Hilfe von Adressen, die mit „http://“ oder „https://“ beginnen und ein „www“ beinhalten.

Die Wege, auf denen E-Mails versendet werden, der Dateitransfer mit dem Protokoll FTP, der Datenaustausch von Apps und auch das Darknet gehören genauso zum Internet, nicht aber zum World Wide Web.

Protest gegen Internet-Zensur

Wie denkt Tim Berners-Lee heute über das WWW?

Am Montagabend veröffentlichte der heute 63 Jahre alte Berners-Lee einen offenen Brief, in dem er er vor dem Missbrauch seiner Erfindung warnt. „Der Kampf für das Web ist eines der wichtigsten Anliegen unserer Zeit“, heißt es darin.

„Angesichts der Artikel über den Missbrauch des Webs ist es verständlich, dass viele Leute sich sorgen und unsicher sind, ob das Web wirklich einen positiven Einfluss hat“, schrieb Berners-Lee. „Aber es wäre defätistisch und einfallslos anzunehmen, dass das Web in seiner heutigen Form in den nächsten 30 Jahren nicht zum Besseren verändert werden kann.“

Berners-Lee warnt in dem Brief vor Datenmissbrauch, Desinformationen, Hassreden und Zensur. Man kann Teile seiner Botschaft auch als Spitze gegen Facebook, Twitter und Co. verstehen: Absichtlich verbreiteten böswilligen Inhalten könne mit Gesetzen und Computercode entgegengewirkt werden, schreibt Berners-Lee Geschäftsmodelle, die die Weiterverbreitung von Falschinformationen fördern, könnten unterbunden werden. „Unternehmen müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass ihr Gewinnstreben nicht auf Kosten von Menschenrechten, Demokratie, wissenschaftlichen Fakten und öffentlicher Sicherheit geht“, schrieb Berners-Lee.

Er wirbt mit seiner Stiftung (Web Foundation) dafür, das Firmen, Regierungen und die Zivilgesellschaft einen Vertrag für ein besseres Web ausarbeiten. Am Dienstag nimmt er bei der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf an einer 30-Jahr-Feier teil.

Gibt es eine Geburtstagsparty für das WWW?

Die europäische Organisation für Kernforschung (Cern), in deren Diensten Berners-Lee das World Wide Web erfand, lud am Dienstag zu einem Empfang. „Es war eine Vision, die die Gesellschaft und die Art, wie wir Informationen bekommen und uns global vernetzen, verändert“, sagte die Cern-Generaldirektorin Fabiola Gianotti in Genf. „Wir feiern die Vision und die unglaublichen Möglichkeiten, die das Web für die Gesellschaft geschaffen hat.“ Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, fast vier Milliarden Menschen seien inzwischen Online. Es gebe zwei Milliarden Webseiten.

Eine der bekanntesten davon feierte ebenfalls: Google ehrte Tim Berners-Lee und seine Erfindung mit einem eigenen Doodle.