Telemedizin

US-Klinik schickte Roboter, um Todes-Diagnose zu überbringen

Ein Roboter der Firma Intouch im Einsatz in einem Krankenhaus in Brüssel. In den USA hat ein ähnlicher Roboter des Herstellers nun dabei mitgewirkt, einem Mann seine Todes-Diagnose zu überbringen.

Ein Roboter der Firma Intouch im Einsatz in einem Krankenhaus in Brüssel. In den USA hat ein ähnlicher Roboter des Herstellers nun dabei mitgewirkt, einem Mann seine Todes-Diagnose zu überbringen.

Foto: FRANCOIS WALSCHAERTS / imago/Belga

Ein Mann hat in Kalifornien die Nachricht von seinem bevorstehenden Tod von einem Roboter überbracht bekommen. Die Familie ist empört.

Washington. In ländlichen Regionen mit akutem Fachärztemangel hat sich die Telemedizin auch in den USA bewährt. So können Hausbesuche aus hunderten Kilometern Entfernung mithilfe eines Roboters abgestattet werden. Die gefühlskalte Variante dieses Konzepts hat sich jetzt in einem Krankenhaus in Kalifornien ereignet und für Entrüstung gesorgt.

Ernest Quintana, ein 78-Jähriger, der schwer lungenkrank war, hat seine Todes-Diagnose nicht, wie man annehmen möchte, von einem einfühlsam erklärenden Arzt am Bett der Intensivstation bekommen. Sondern von einem Roboter, der plötzlich ins Zimmer rollte.

Arzt überbringt bittere Diagnose am Monitor

An dem rollenden Gerät war ein Bildschirm befestigt. Auf dem erschien – mit Kopfhörern – ein Arzt aus Fleisch und Blut und eröffnete Quintana im Beisein seiner Enkelin, dass seine Lunge quasi nicht mehr existent ist und er in Kürze im Krankenhaus sterben werde. Bis dahin sei eine ausreichende Versorgung mit schmerzstillenden Morphinen angezeigt.

„Ich musste mich fast übergeben“, sagte Annalisia Wilharm gegenüber diversen US-Medien. „Mein Großvater war an eine laute Sauerstoff-Versorgung angeschlossen und konnte die Informationen kaum verstehen. Ich musste alles wiederholen.“ Dass es um ihren Opa sehr schlecht stand, sei der Familie völlig bewusst gewesen. „Aber die Nachricht vom bevorstehenden Tod hätte niemals auf diese Weise überbracht werden dürfen, sagte die 33-Jährige, „da hätte ein Arzt kommen müssen, mit Mitgefühl und den richtigen Worten.“

Krankenhausleitung verweist auf frühere Arzt-Visiten

Ernest Quintana starb zwei Tage später. Die Leitung des „Kaiser Permanente Medical Center“ in Fremont südlich von San Francisco reagierte defensiv auf die Darstellung der Enkelin, die den Vorgang in sozialen Netzwerken auch Fotos vom Roboter publik gemacht hatte.

Man bedaure sehr, dass die Erwartungen des Patienten nicht erfüllt werden konnten, sagte Vize-Direktorin Michelle Gaskill-Hames. Sie legt Wert auf die Feststellung, dass dem Roboter-Einsatz echte Ärzte-Visiten vorangegangen seien. Medizin-Ethiker bezeichneten das Verhalten der ärztlichen Leitung in Fremont als „unglücklich“.