Preisverleihung

„Goldene Kamera“-Jurorin Uhl: „Es gibt so viele gute Filme!“

„Es ist wirklich eine Ehre, da ausgewählt zu werden“: Nadja Uhl über ihre Aufgabe als Jurorin der Goldenen Kamera.

„Es ist wirklich eine Ehre, da ausgewählt zu werden“: Nadja Uhl über ihre Aufgabe als Jurorin der Goldenen Kamera.

Foto: THOMAS LÜDERS / T&T

Nadja Uhl zählt zu Deutschlands wichtigsten Schauspielerinnen. Bei der Goldenen Kamera ist sie nun in der Jury – und bewertet Kollegen.

Berlin.  Nadja Uhl hat die Seiten gewechselt: Vor fünf Jahren war sie Preisträgerin – jetzt sitzt die 46-jährige Schauspielerin in der Jury der Goldenen Kamera. 4500 Minuten Filme und Serien hat sie gesichtet – neben Dauerdreharbeiten, wie sie beim Interview in Berlin erzählt. Am 25. März läuft ihr neuer Film „Gegen die Angst“ im ZDF. Und am 30. März wird die Goldene Kamera verliehen. Klar ist: Als Jurymitglied ist sie entspannter denn als Nominierte.

Für mich war das damals mit unglaublich viel Stress verbunden, überhaupt nominiert zu sein. Das geht nur mit sehr viel Lampenfieber und Aufregung. Ich wundere mich immer, dass das überhaupt nicht nachlässt mit dem Älterwerden. Erst nachher – zu Hause – setzt die Freude richtig ein.

Im Nachhinein hat das noch so ein kleines Sternchen auf meinen Preis gesetzt, weil mir klar wurde, wie viel es kostet, dass eine einhellige Meinung gefunden wird. Dass sich eine Jury auf einen Kandidaten einigt, ist ein sehr komplexer Prozess. Es ist wirklich eine Ehre, da ausgewählt zu werden.

Genau. Und es gibt so viele gute Filme und so viele gute Schauspieler und Schauspielerinnen! Ich fand es wirklich schwer, mich zu entscheiden. Eigentlich müssten immer mindestens drei einen Preis kriegen, weil jeder in seiner Richtung was Tolles gemacht hat.

Wir kriegen tatsächlich Check­listen. Und anhand der Notizen kann man das, was man gesehen hat, bei der Jurysitzung rekapitulieren. Das ist unheimlich wichtig für die Argumentation.

Ja, denn das reicht nicht. Das ist man den Kollegen auch schuldig, dass man sich mit ihrer Leistung richtig auseinandersetzt. Das Hauptproblem ist eigentlich, dass die Geschmäcker so unterschiedlich sind.

Ja, natürlich. Das muss man in dem Beruf wirklich aushalten: Man ist Geschmackssache. Was jeder, der mal eine heftige Kritik einstecken musste, zu schätzen weiß, ist, wenn die sachlich geäußert wird.

Das weiß ich nicht. Aber ich würde wirklich sagen, ich habe eine große Liebe in meiner Beurteilung. Ich hab es nicht nötig, jemanden zu zerstören. Ich gucke immer sehr großzügig und sehr genau.

Es gibt schon auch Kollegen, die für sich so leuchten. Die eine Brillanz haben, eine Konsequenz in dem, was sie tun. Man muss aber auch die Möglichkeit zu guten Rollen bekommen. Wenn der Raum für ihn klein ist, füllt ein Schauspieler mit großer Persönlichkeit den auch noch interessant aus. Aber spannender ist es, wenn so ein Mensch mit seiner schauspielerischen Aufgabe wächst, auch über sich hinaus. Das ist eine Freude, solchen Prozessen zuzugucken.

Ich glaube, der Preis ist eine einmalige, tolle, freudige, wunderschöne Chance für junge Schauspieler und bleibt ein ewig schönes Erlebnis auf der Karriereleiter. Aber nein – ich möchte nicht noch mal von vorne anfangen. Die jungen Leute müssen heute viel mehr leisten. Der Markt ist so breit geworden. Ich fand es bei uns damals noch behüteter. Heute müssen sie viel mehr den Marktgesetzen gerecht werden. Es wird internationaler, die Auswahl wird größer. Ich bin ganz froh, dass ich mit dem Gröbsten durch bin.

Erfahren Sie mehr über die Preisverleihung: Die Goldene Kamera – Was sie 2019 so besonders macht