Streit

Kölner Kita will missbrauchte Kinder nicht weiter betreuen

In einer Montessori-Kita in Köln ist es unter Kindern zu sexuellen Übergriffen gekommen (Symbolfoto).

In einer Montessori-Kita in Köln ist es unter Kindern zu sexuellen Übergriffen gekommen (Symbolfoto).

Foto: Bernd Thissen / dpa

In einer Kölner Kita sind mehrere Kinder von anderen Kindern misshandelt worden. Nun sollen die Opfer nicht mehr weiter betreut werden.

Köln/Berlin.  In einem Kölner Montessori-Kindergarten ist es zu sexuellen Übergriffen unter Kindern gekommen. Der Träger hat nun den Eltern der Opfer Hausverbot erteilt. Auch die misshandelten Kinder sollen nicht mehr betreut werden.

Wie das Bistum mitteilt, seien Erzieher von Eltern angegangen worden. Insgesamt neun Eltern und zwölf Kinder sind von dem Rausschmiss betroffen.

Missbrauch in Montessori-Kita in Köln – was war eigentlich passiert?

Ein Junge soll andere Kinder mit einem Stock im Genitalbereich verletzt haben, wie der Leitung des Kindergartens 2018 auffiel. Daraufhin wurden neue Erzieher eingestellt, es gab mehrere Elternabende. Doch das Vertrauen der Eltern in die Einrichtung schwand immer mehr. Irgendwann eskalierte der Streit.

Missbrauch in Kölner Kita – das Wichtigste in Kürze:

  • In einer Kölner Kita soll es zum sexuellen Übergriff von Kindern auf andere Kinder gekommen sein
  • Den Eltern der misshandelten Kinder haben Hausverbot
  • Das Bistum rechtfertigt seine Entscheidung

Die Kirche als Träger der Einrichtung habe sich nun zu diesen Schritten gezwungen gesehen, „da die Eltern dem Team der Erzieherinnen und dem Träger nicht mehr vertrauten“, zitiert der „Kölner Stadt Anzeiger“, einen Sprecher des Bistums.

Eltern müssen Kinder den Erziehern an der Tür übergeben

Die Betreuungsverträge von zwölf Kindern sind betroffen, sie laufen noch bis Ende März. Bis dahin könnten die Eltern ihre Kinder noch zu der Kita bringen, müssten sie aber wegen des Hausverbots an der Tür den Erziehern übergeben.

Die betroffenen Eltern fühlen sich aus mehreren Gründen ungerecht behandelt: Weil ihnen die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht ausreichte, weil ihnen die Kommunikation des Trägers nach den Vorfällen nicht passte – und auch weil der Junge, der die anderen Kinder misshandelt und verletzt hatte, lediglich in eine andere Gruppe wechseln musste und weiter betreut wird.

„Erst wurden unsere Kinder nicht geschützt und nun werden sie auch noch auf die Straße gesetzt. Wie sollen wir ihnen das erklären?“, fragt ein betroffener Vater gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Kölner Verein kritisiert Umgang der Kita mit den Vorfällen

Die Missbrauchsfälle waren 2018 bekannt geworden. Ein Junge soll von einem Mädchen zu den Taten angestachelt worden sein und zwölf andere Kinder mit Stöcken im Genitalbereich und am Po verletzt haben.

Laut dem Bericht hat ein Großteil der betroffenen Eltern seine Kinder schon jetzt aus der Kita genommen – trotz großer Sorgen, rechtzeitig einen neuen Betreuungsplatz zu finden.

Der Kölner Verein Zartbitter, eine Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, hat die Kita-Leitung wegen ihres Umgangs mit dem Fall ebenfalls kritisiert. Es hätte eine unabhängige Fachstelle bei der Aufarbeitung einbezogen werden müssen, so der Verein.

Außerdem sei das Hausverbot, das gegen die Eltern ausgesprochen wurde, ein fatales Signal. „Das untergräbt das Vertrauen der Kinder in ihre Eltern. Eine pädagogisch unverantwortliche Botschaft“, sagte die Vereinsvorsitzende Ursula Enders der Zeitung. (ba)