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Die erste große Reise mit dem Kind kann gefährlich werden

Foto: Drazen_ / iStockphoto

Viele Paare nehmen sich gemeinsam Elternzeit und zeigen ihrem Kind die Welt. Die Risiken werden dabei oft unterschätzt, warnen Ärzte.

Berlin.  Babyfüße strampeln am flachen Ufer des Ozeans, ein Mini-Mützchen ragt aus der Kiepe vor einem malerischen Bergsee – Reisebilder wie diese finden sich in sozialen Netzwerken zuhauf. Kaum ist die Schwangerschaft bestätigt, planen heute viele Paare Großreisen während einer gemeinsamen Elternzeit. Das Wohl des Kindes wird bei der Planung aber teils zu spät bedacht, warnen Reisemediziner. Welche Punkte Eltern beachten sollten.

Was sind Voraussetzungen für eine lange Reise während der Elternzeit?

Mütter und Väter können jeweils oder gemeinsam bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen. Die gesamte Elternzeit kann in einem Stück oder in drei Abschnitten genommen werden. Während der gesamten Zeit haben beide Elternteile das Recht, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.

Wichtig: Das Elterngeld wird nicht während der gesamten Zeit gezahlt. Die nach Bundesland sortierten Anträge gibt es auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unter bit.ly/2E9uyL4.

Insgesamt wird maximal 14 Monate lang Elterngeld gezahlt – gleichzeitig können beide Elternteile also maximal sieben Monate ab Geburt des Kindes Elterngeld beziehen. Sechs Monate, wenn die Elternzeit später beginnt. Das Elterngeld beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat pro Elternteil. Wer sich individuell beraten lassen möchte, kann das auch vor Ort tun. Das BMFSFJ bietet unter bit.ly/2UZb5Cs eine Suche nach Postleitzahl.

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Wie sollte die Reise geplant werden?

„Um sich Frühbucherrabatte zu sichern, buchen manche Eltern eine Reise schon, bevor das Kind überhaupt geboren ist, davon rate ich ab“, sagt der Berliner Kinderarzt Dr. Mathias Wagner vom Centrum für Reisemedizin (CRM). Man wisse vorab nicht, auf welche Erkrankungen eventuell Rücksicht genommen werden müsse.

„Viele planen schon ganze Reiserouten oder haben bestimmte Sehenswürdigkeiten auf der Liste und sind enttäuscht, wenn das mit einem Kind nicht funktioniert“, so Wagner. „Alles dauert länger, man muss entschleunigen, umplanen, weniger machen.“ Eltern müssten den Reiserhythmus der Entwicklung des Kindes anpassen und nicht das Kind sich an die Reise.

Das spiele eine ganz konkrete Rolle beispielsweise beim Buchen von Flugreisen. „Es ist vom Gewicht des Kindes abhängig, ob es im Flugzeug ein Babybettchen bekommt. Da man diese Leistung vorab buchen muss, lässt sich das nicht mit großem Vorlauf machen“, so Wagner. Ebenfalls wichtig für die Planung: Für Kinder ab zwei Jahren muss ein eigener Sitzplatz im Flugzeug gebucht werden. Viele Eltern versuchten diese Zusatzkosten durch frühe Planung zu umgehen.

Bevor aber möglicherweise exotische Reiseziele festgelegt werden, sollte eine Reiseberatung beim Arzt stattfinden, rät Wagner. Die Termine sollten – je nach Reiseziel – bei ausgebildeten Reisemedizinern oder Tropeninstituten gemacht werden. Oft fallen dafür Zusatzkosten an, da Reiseberatung keine Kassenleistung ist. Oft erführen Paare aber erst hier, welche Krankheiten und Risiken im Wunschland auf sie warten und welchen Vorlauf bestimmte Impfungen brauchen.

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Welche Regionen sollte man mit Kindern meiden?

„Ich rate dazu, das gesamte tropische Afrika aufgrund des Malaria-Risikos auszulassen“, sagt Wagner. Dazu zählen nahezu alle Länder unterhalb der Wüste Sahara. „Auch die Andenregion in Südamerika ist nicht ideal, vieles liegt dort auf über 2500 Metern Höhe.“

Ab dieser Höhe steigt das Risiko für die sogenannte Höhenkrankheit, die mit einem lebensgefährlichen Lungen- oder Hirnödem enden kann. Meist macht sie sich zunächst mit Kopfschmerzen und Übelkeit bemerkbar. „Kleine Kinder können solche Symptome nicht kommunizieren, so wird die Höhenkrankheit oft zu spät bemerkt“, so Wagner.

Hinzu komme, dass Reisende die Höhenregion nicht schnell wieder verlassen könnten, wenn es dem Kind schlecht gehe. Für Paare, die während der Reise ein zweites Kind planten, könne zudem eine Infektion der Mutter mit dem in Südamerika verbreiteten Zika-Virus zum Problem werden. Es kann bei ungeborenen Kindern zu schweren Behinderungen führen.

Auch für einige asiatische Reiseziele sollten Eltern sich vorab über mögliche Krankheitsrisiken informieren. Relativ bedenkenlos seien Reisen in ganz Europa und Nordamerika sowie in Neuseeland oder Australien möglich, meint Wagner. „Dort gibt es in der Regel eine gute medizinische Infrastruktur.“

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Wie viele Reisestunden sind vertretbar?

„Es gibt die Empfehlung, ein Kind nicht zu lange in Rückhaltesystemen anzuschnallen, also zum Beispiel in Kindersitzen“, erklärt Wagner. Als Richtwert gelten zwei Stunden – wissenschaftlich belegt sei das aber keineswegs. „Auch wenn Kinder mal länger sitzen, tragen sie nicht automatisch orthopädische Schäden davon“, so der Mediziner. Sich zwingend an solche Empfehlungen zu halten, hält er für falsch.

Auf langen Flugreisen wie etwa nach Neuseeland sollten Eltern Zwischenstopps mit einigen Übernachtungen einplanen, rät Wagner. „Und im Flugzeug gilt: viel trinken, ausstrecken und immer mal wieder aufstehen und bewegen.“ Bei längeren Schiffsreisen sollten Eltern vorab testen, wie ihr Nachwuchs reagiere. Zwar könnten sie sich hier frei bewegen, aber ebenso seekrank werden, wie Erwachsene. Erbrechen kleine Kinder häufig, dehydrieren sie schnell.

Wie verträgt ein Kind Ortswechsel?

Generell verkraften Kinder Ortswechsel schlechter als Erwachsene, „weil ihr Kosmos wesentlich kleiner ist“, meint Wagner. Jeden Tag von Hostel zu Hostel wechseln sollte man deshalb auf keinen Fall. Anders ist es beispielsweise mit einem Camper. „Darin haben die Kinder dann ihr eigenes Bettchen und eine immer gleiche Umgebung“, so Wagner. „Wenn die Reise über ein halbes Jahr geht, kann ein Kind einen Ortswechsel alle zwei bis drei Wochen gut verkraften. Das wäre mein Rat.“

Zeitumstellungen seien für Kinder in der Regel unproblematisch, wenn sie einige Tage Zeit bekämen, sich zu akklimatisieren.