Moderatorin

Katrin Bauerfeind: „Man sollte über möglichst vieles lachen“

Foto: Dirk Borm / dpa

Katrin Bauerfeind startet eine neue Talkshow auf One. Wir haben mit der Moderatorin über Verschwörungstheorien und Humor gesprochen.

Hamburg.  Ihr Name ist Programm: Katrin Bauerfeind ist eine der erfolgreichsten Moderatorinnen des Landes – und ihre Shows tragen meist ihren Namen. Egal ob sie bei „Bauerfeind assistiert …“ Prominente im Alltag begleitet oder sich bei „Bauerfeind recherchiert“ mit Themen wie dem Glauben beschäftigt.

Nun bekommt sie ihre eigene Talksendung mit prominenten Gästen: „Bauerfeind – Die Show zur Frau“ (ab 6. Februar immer mittwochs, 21.45 Uhr, One). Beim Interview ist die 36-jährige Schwäbin noch etwas heiser. Kein Wunder, leidet sie doch noch unter den Nachwirkungen einer Kehlkopfentzündung.

Frau Bauerfeind, wenn man, wie Sie, beruflich viel reden muss, ist dann so eine Erkrankung auch mal ein willkommener Anlass für Ruhe?

Katrin Bauerfeind: Ruhig sein ist nicht einfach für mich. Auch in diesem Fall habe ich es geschafft, mit einer Kehlkopfentzündung sechs Sendungen zu moderieren. Meine Mutter erzählt von früher, in meinem Kinderzimmer sei es immer so laut gewesen, dass sie dachte, es wären mindestens drei Kindergartenfreunde zum Spielen da. Selbstredend war ich aber allein. Ich schaffe es also auch seit jeher, mich bestens alleine zu unterhalten.

In der ersten Ausgabe Ihrer Show geht es um Verschwörungstheorien. Welches ist Ihre liebste?

Bauerfeind: Meine liebste Verschwörungstheorie ist, dass Stevie Wonder eigentlich gar nicht blind ist, aber jetzt aus der Nummer nicht mehr rauskommt.

Warum zahlen wir den Rundfunkbeitrag?

Immer wieder steht der Rundfunkbeitrag in der Kritik. Dabei ist er als ein Pfeiler unserer Demokratie gedacht. Wir zeigen, wofür wir den Beitrag eigentlich zahlen.
Warum zahlen wir den Rundfunkbeitrag?

Bei einem Thema wie Verschwörungstheorien gibt es ja schnell Leute, die sagen, darüber darf man nicht reden oder Witze machen.

Bauerfeind: Da bin ich schon mal aus Prinzip anderer Meinung. Wir haben ja auch eine Sendung über Humor gemacht. Und klar, in politisch korrekten Zeiten darf man über gar nichts mehr lachen – aber gerade deshalb sollte man über möglichst viel lachen.

Sie versprechen eine Sendung mit Haltung. Ketzerisch gefragt: Muss man zu allem eine Meinung haben?

Bauerfeind: Wenn man das Internet aufmacht, Twitter zum Beispiel, hat man den Eindruck, ja, denn jeder hat da wirklich zu allem eine Meinung. Meiner Ansicht nach muss man zwar nicht zu allem eine Meinung haben, die man auch laut äußert, aber ich versuche mit meinen Gästen und Experten gemeinsam eine Antwort auf die Themen der Sendung zu finden. Von Schönheitswahn bis zum neuen Hype um die Heimat. Zu all dem versuchen wir in der Diskussion eine Haltung zu finden.

Sie hatten 2005 mit „Ehrensenf“ eine der ersten Shows im Internet überhaupt. Wie hat sich Ihre Sicht auf das Netz seitdem verändert?

Bauerfeind: Na ja, das Internet war damals ja noch ganz anders. Es gab kein Facebook, auch kein Twitter. Heute ist man ja auch irgendwie nicht mehr „im Internet“. Man ist dauernd und ganz selbstverständlich online. Dadurch haben sich viele Dinge verändert, auch zum Negativen.

Wie gehen Sie mit der Abneigung um, die einem dort oft begegnet?

Bauerfeind: Ich gehe auf Beschimpfungen oder Beleidigungen aller Art nicht ein. Es wirkt auf mich auch nicht, als wären diejenigen, die Hasskommentare verfassen, an einer Diskussion interessiert. Die wollen, glaub ich, einfach nur mal irgendwo hingöbeln. Wenn ein Fremder auf der Straße zu einem kommen und sagen würde, du bist scheiße, dann würde man ja auch nicht stehen bleiben und ihm erklären, warum man vielleicht doch ganz nett ist. Man würde denken, das ist ein Spinner, und weitergehen. So sehe ich das im Internet auch.

Wird das Internet zu ernst genommen?

Bauerfeind: Die Menschen sind auf jeden Fall sehr schnell zu verunsichern, wenn es ums Internet geht. Wenn drei Leute was ins Netz rülpsen, hört man direkt irgendwo: „Im Netz ist man dagegen!“ Da wird auch nicht differenziert. Aber das zeigt ja nur, dass der Umgang mit vielen neuen Möglichkeiten im Netz eben noch nicht normal ist. Vom Negativen lässt man sich, vor allem in geballterer Form, schneller mitreißen, oft, bevor man es einordnen kann. Aber eins ist trotzdem klar: Wenn einen der Hass im Internet trifft, ist das immer schmerzhaft, weil es persönlich ist.

Sie plädieren als für einen freundlicheren, entspannteren Umgang miteinander?

Bauerfeind: Darum geht’s ja sowohl in meinem aktuellen Buch als auch in meinem Bühnenprogramm. Es ist ja grade relativ viel Hass in der Welt. Wut und Hass werden immer sehr ernst genommen, die Liebe gilt sofort als kitschig. Ich finde wir dürfen die Liebe nicht der Werbung, dem Schlager oder dem Zynismus überlassen. Die anderen meinen ihren Hass auch ernst. Warum sollten wir nicht versuchen, dem etwas Positives entgegenzusetzen? Ich finde das auch nicht kitschig oder albern, sondern ich finde wirklich, dass dies das Gebot der Stunde ist.