Katastrophe

Hunderte Tote nach Tsunami – Behörden erhöhen Warnstufe

154 Menschen werden weiterhin vermisst. Der Tsunami hatte ohne Vorwarnung die Küsten der Inseln Java und Sumatra getroffen.

Bangkok.  Nach dem Tsunami in Indonesien an Weihnachten wurde nun die Alarmstufe für den aktiven Vulkan Anak Krakatau noch einmal erhöht. Das teilte die Katastrophenschutzbehörde in Jakarta mit. Eine Eruption des Vulkans samt anschließendem Erdrutsch hatten am vergangenen Samstag einen Tsunami ausgelöst.

Neben der Erhöhung der Warnstufe wurde auch die Verbotszone rund um den Vulkankrater auf fünf Kilometer ausgedehnt. Der Grund: Am Vortag waren verstärkt Rauchwolken und heiße Asche ausgetreten. Der Sprecher der Behörde forderte die Menschen auf, in den betroffenen Gebieten Schutzmasken und Schutzbrillen tragen.

Tsunami kam ohne Vorwarnung

Die Zahl der Toten stieg inzwischen auf mindestens 430. 1500 weitere Menschen wurden verletzt, 159 werden noch vermisst, sagte ein Behördenvertreter am Mittwoch. Die meisten Opfer waren nach Angaben der Behörden indonesische Urlauber.

Der Tsunami hatte am Samstagabend ohne Vorwarnung mehrere Küstengebiete der Inseln Java und Sumatra an der Sunda-Straße getroffen.

Indonesien schickte für die Suche nach weiteren Opfern und Überlebenden des Tsunamis Tausende Soldaten und Polizisten in die Katastrophengebiete an den Küsten von Java und Sumatra.

Auch Freiwillige von Organisationen wie dem Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen halfen bei der Versorgung der Menschen in den besonders betroffenen Provinzen Lampung im Süden Sumatras und Banten auf Westjava mit. Die Regierung in Jakarta stellte zudem sieben Bagger und anderes schweres Gerät bereit, um die Rettungs- und Bergungsarbeiten zu beschleunigen.

Tsunami in Indonesien – das Wichtigste in Kürze

  • Eruptionen des Vulkans Anak Krakatau haben in Indonesien einen Tsunami verursacht
  • Hunderte Menschen wurden getötet, fast 1500 verletzt
  • Unter den Opfern sollen keine Deutschen sein

Der Ausbruch eines Vulkans in Indonesien hat Behördenangaben zufolge indirekt den Tsunami ausgelöst, dem auf den Inseln Sumatra und Java mindestens 281 Menschen zum Opfer fielen.

„Der Tsunami war mit der Eruption verbunden, er war ein indirektes Resultat der Eruptionen des Anak Krakatau“, sagte Dwikorita Karnawati, die Chefin der indonesischen Agentur für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik (BMKG), am Montag vor Journalisten.

Der Anak Krakatau liegt in der als Sundastraße bekannten Meerenge zwischen Java und Sumatra 50 Kilometer von der Küste entfernt. Die Eruption ereignete sich am Samstagabend um 21.03 Uhr (Ortszeit; 15.03 Uhr MEZ), 24 Minuten später traf der Tsunami auf Land.

So kam es zum Tsunami:

  • Karnawati zufolge zeichneten die Behörden eine vulkanische Erschütterung auf, die einem Erdbeben der Stärke 3,4 gleichkam.
  • Die Erschütterung habe zu einem Kollaps des Kraters geführt, bei dem Vulkanmasse freigesetzt worden sei, die dann ins Meer rutschte.
  • Dies habe dann den Tsunami ausgelöst.

Die Agentur hatte zuvor vermutet, dass eine Eruption des als aktiv bekannten Vulkans einen „Unterwasser-Erdrutsch“ und als Folge einen Tsunami verursacht habe. Diese Darstellung präzisierte Karnawati am Montag.

youtube tsunami band

Der Tsunami traf vor allem die im Westen Javas gelegene Provinz Banten, wo gerade viele Touristen urlaubten. Alleine dort zählte der indonesische Katastrophenschutz mindestens 126 Tote.

Und genau in dieser Provinz, am Strand von Tanjung Lesung im Bezirk Pandeglang mit Blick auf die Sunda-Meerenge, spielte auch die Band vor etwa 260 Mitarbeitern des staatlichen Energiekonzerns PLN und deren Familien.

Die Band „Seventeen“ spielte gerade ihren zweiten Song an einem beliebten Strand auf Indonesiens Insel Java, als die Todeswelle heranrollte.

Der Sänger der Band spricht in einem Video verzweifelt über den Verlust seiner Bandmitglieder. Er sei der einzige Überlebende, sagt er. Alle seiner vier Kollegen starben. Die Band hatte in 19 Jahren sechs Alben herausgebracht. Sie waren ziemlich erfolgreich.

Auf einmal krachte eine große Welle von hinten auf die Bühne“, berichtete Sänger Riefian Fajarsyah – auch bekannt als Ifan – später dem lokalen TV-Sender One. Zwei Stunden habe er im Wasser getrieben, um sich herum Leichen.

Als es ihm gelang, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen, habe er unter Trümmern die Leichen des Tourmanagers und des Bassisten gefunden. Auch der Gitarrist sei tot, schrieb „Seventeen“ in einer Mitteilung. Ifans Frau zählt weiter zu den zahlreichen Vermissten. Tragisch: Sie hatte gestern Geburtstag.

Nach vorläufigen Erkenntnissen keine deutschen Opfer

Die Gegend um die Meerenge ist wegen der Nähe zu der auf Java gelegenen Hauptstadt Jakarta gerade unter Einheimischen ein beliebtes Urlaubsziel. Deutsche befanden sich nach vorläufigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes nicht unter den Opfern.

So verhalte ich mich bei einem Erdbeben richtig

Auf Videos waren die Spuren der Verwüstung in Form zerstörter Gebäude und Boote sowie umgekippter Autos zu sehen. Der indonesische Katastrophenschutz sprach unter anderem von Hunderten beschädigter oder zerstörter Häuser, darunter auch neun Hotels. Das ganze Ausmaß der Katastrophe war auch Stunden später aber noch unklar.

Sutopo Purwo Nugroho, Sprecher des indonesischen Katastrophenschutzes, postete auf seinem Twitter-Kanal Videos, die das Ausmaß des Unglückes zeigen.

Die Flutwelle kam so überraschend, dass Sutopo Purwo Nugroho, der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutz, zunächst sogar alle Berichte über den Tsunami dementierte.

Tatsächlich hatten die Messgeräte der Frühwarnsysteme nichts mitbekommen, weil es kein Erdbeben gegeben hatte. Wissenschaftler gehen davon aus, das massive Lavaströme des Anak Krakatoa unter Wasser für den plötzlichen Tsunami verantwortlich waren.

YT_Tsunami trift Rockkonzert

Ein besseres Frühwarnsystem soll her

Tragen die Behörden eine Mitschuld? Wissenschaftler der Universität von Oregon hatten bereits vor sechs Jahren exakt das Desaster vorhergesagt, das sich nun zwei Tage vor Heiligabend tatsächlich ereignet hat.

Schon im September versäumten es die Offiziellen, die Bevölkerung von Sulawesi vor dem drohenden Tsunami zu warnen, 2000 Menschen starben damals. Diesmal wurden sie überrascht, weil das bestehende Warnsystem vor allem auf Erdbeben reagiert, nicht auf Vulkanausbrüche. Die Regierung in der Hauptstadt Jakarta kündigte nun an, das Frühwarnsystem schnellstmöglich aufzurüsten.

Immer wieder Ausbrüche des Vulkans

Das „Kind des Krakatoa“, wie der Berg übersetzt heißt, wächst jährlich knapp sieben Meter, seit 1927 plötzlich der Krater des früheren Krakatoa, der im Jahr 1883 explodierte, aus dem Meer auftauchte.

Der damalige Ausbruch, die erste große Naturkatastrophe in einer dank dem Telegrafennetz vernetzten Welt, forderte laut den damals in Indonesien herrschenden niederländischen Kolonialbehörden mindestens 36.000 Tote.

Die Explosion verursachte einen 40 Meter hohen Tsunami, der drei Mal den Globus umrundete. Vor allem verursachte die Asche weltweit fünf Jahre lang ein Absinken der Temperaturen um 1,2 Grad.

Die direkten Folgen waren massiven landwirtschaftlichen Desaster. Indirekt führte das Elend nach Missernten zu einer Welle massiver Auswanderung von Europa nach Nordamerika.

Merkel drückt „tief empfundenes Beileid der Deutschen aus“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen der Tsunami-Katastrophe in Indonesien ihr Beileid ausgesprochen. „Die Nachrichten und Bilder aus Indonesien sind bestürzend. Wir trauern mit den Familien der Opfer – und hoffen, dass nun viele Menschen gerettet werden können“, schrieb die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Sonntag im Namen der Kanzlerin auf Twitter.

Merkel drücke Präsident Joko Widodo „das tief empfundene Beileid der Deutschen“ aus.

Papst Franziskus ruft zum Gedenken auf

Papst Franziskus hat der Opfer der Tsunami-Katastrophe in Indonesien gedacht. „Meine Gedanken gehen in diesem Moment an die indonesische Bevölkerung, die von gewaltigen Naturkatastrophen getroffen wurde“, sagte das Katholikenoberhaupt am Sonntag nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.

Er beklagte die verlorenen Menschenleben, die zahlreichen Vermissten und Obdachlosen sowie die beträchtlichen Schäden. „Ich rufe alle auf, sich mir in meinem Gebet für die Opfer und ihre Lieben anzuschließen.“

Im September waren bereits 2000 Menschen gestorben

Der spektakuläre Ausbruch des Anak Krakatoa Samstagnacht war im Vergleich zu vorangegangen Fällen nicht so heftig.

Aber der pazifische “Ring des Feuers” mit seinen vielen Vulkanen, auf dem Indonesien liegt, zeigte während der vergangenen Jahre zunehmende Aktivität. Er war für das Erdbeben der Stärke 7,5 rund um die Stadt Palu in der indonesischen Sulawesi-Region Ende September verantwortlich. 2000 Menschen starben.

Noch schlimmere Folgen hatte der Tsunami vom 26. Dezember 2004, der neben Indonesien zwölf weitere Länder im Indischen Ozean traf. Infolge der Riesenwelle kamen damals schätzungsweise 230.000 Menschen ums Leben.

Die meisten Menschen kamen Samstagnacht in einem etwa drei Meter hohen Tsunami ums Leben, der von den Behörden in Jakarta zunächst übersehen wurde. (mit dpa)