Tourismus

Backpacker in Marokko erstochen: Neue Hinweise auf Terrortat

Marokko, Imlil: Forensiker untersuchen die Gegend um das Zelt der getöteten skandinavischen Studentinnen im Atlasgebirge.

Marokko, Imlil: Forensiker untersuchen die Gegend um das Zelt der getöteten skandinavischen Studentinnen im Atlasgebirge.

Foto: 2m / dpa

Die Frauen aus Norwegen und Dänemark waren im beliebten Atlasgebirge unterwegs. Wegen Stichverletzungen ermittelt jetzt die Polizei.

Rabat.  Nach dem Mord an zwei Backpackerinnen aus Skandinavien in Marokko verdichten sich die Hinweise, dass eine Terrorgruppe hinter dem Verbrechen steckt.

Die marokkanischen Ermittler untersuchten die Echtheit von Videos, in denen die vier festgenommenen Verdächtigen IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi einen Treueeid leisten, teilte die Staatsanwaltschaft am späten Donnerstagabend mit. Die Videos wurden demnach in der Woche vor dem Verbrechen an den Studentinnen aufgenommen.

Auch Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sagte, dass vieles daraufhin deute, dass es sich bei dem Mord um eine Terrortat handele.

Weiteres drastisches Video aufgetaucht

Die Ermittler untersuchen zudem ein weiteres Video, das ebenfalls im Internet aufgetaucht war. Darin ist zu sehen, wie einer offenbar jungen Frau mit einem Messer der Kopf abgeschnitten wird. Ob es tatsächlich mit dem Mord in Verbindung steht, ist noch unklar.

In der Bekennerbotschaft erklärt einer der vier Männer: „Wir sagen dem Kalifen der Muslime (Al-Bagdadi), dass du im Maghreb Soldaten hast, deren Zahl nur Gott kennt. Sie sind entschlossen, die Sache Gottes aufrechtzuerhalten und die Ehre der Muslime zu verteidigen.“

In der Botschaft nehmen die vier Männer Bezug auf die ostsyrische Stadt Hadschin. In der Region kämpfen Truppen unter Führung der Kurdenmiliz YPG gegen IS-Anhänger. Die von den USA angeführte internationale Koalition unterstützt die Offensive aus der Luft.

Marokko: Backpackerinnen tot gefunden – das Wichtigste in Kürze:

  • In Marokko sind zwei Backpackerinnen im Atlasgebirge gefunden worden
  • Ihre Leichen wiesen Stichverletzungen auf
  • Die Polizei hat bereits vier Verdächtige
  • Die Suche nach Tatverdächtigen geht aber weiter
  • Hinter dem Verbrechen könnte eine Terrorgruppe stehen
  • Die Ermittler werten zwei Videos aus

Die Backpackerinnen waren in einer abgelegenen Gegend nahe dem Ort Imlil in einem Gebirge in Marokko tot gefunden worden. Die marokkanische Polizei nahm danach vier Verdächtige fest.

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte: „Das ist ein brutaler und sinnloser Angriff auf unschuldige Menschen, dem wir mit Abscheu und Verurteilung gegenüberstehen.“ Und weiter: „Eine Ferienreise wurde zu einem Alptraum. Zwei junge Menschen wurden auf bestialische Weise ermordet.“

Wie das Innenministerium mitteilte, seien die Frauen durch Stiche in den Hals getötet worden. Drei Tatverdächtige seien bereits festgenommen worden, nach einem weiteren werde gefahndet, heißt es weiter.

Studentinnen waren in beliebtem Wandergebiet unterwegs

Wie skandinavische Medien berichten, hätten die mutmaßlichen Täter nur wenige Meter entfernt von den Backpackerinnen gezeltet. Dort hätten Polizisten einen Ausweis eines Mannes gefunden.

Die Rucksack-Touristinnen waren in einem beliebten Wandergebiet in Marokko tot aufgefunden worden. Einer der Studentinnen hatte erst am Sonntag das letzte Mal nach Hause telefoniert, wie eine Mutter der beiden sagte.

Imlil ist für viele Wanderer und Bergsteiger Ausgangspunkt für Touren in das Atlasgebirge. Der 4167 Meter hohe Toubkal ist der höchste Berg Nordafrikas und liegt rund 70 Kilometer südlich von Marrakesch.

Auswärtiges Amt warnt vor Touren abseits befestigter Straßen

Die beiden Frauen im Alter von 24 und 28 Jahren studierten an der Universität von Südostnorwegen. Die Universität zeigte sich geschockt über die Nachrichten aus Marokko und setzte die Fahnen auf Halbmast.

Wie die Universität mitteilte, waren die beiden Frauen erst am Wochenende nach Marokko aufgebrochen. Dort wollten sie demnach einen Monat lang bleiben. Die beiden Frauen studierten in Norwegen unter anderem Kultur und Naturführung.

Warnung vom Auswärtigen Amt

Die Mutter der Norwegerin sagte im norwegischen Rundfunk, dass Sicherheit die oberste Priorität ihrer Tochter gewesen sei. „Die beiden jungen Frauen haben alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, bevor sie aufgebrochen sind“, sagte sie NRK. Zuletzt habe sie am Sonntag von ihrer Tochter gehört, erzählte sie.

Und weiter: „Sie waren schon einige Zeit in Marokko. Am Sonntagabend schrieb sie mir, dass sie gut im Zeltlager angekommen sind und dass sie die nächsten Tage keine Mobilverbindung haben wird. Aber alles sei okay.“

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Das Auswärtige Amt warnt für Marokko vor Touren abseits befestigter Straßen. Touren in entlegeneren Gebieten sollten grundsätzlich nur in einer Gruppe und mit marokkanischen Führern unternommen werden.

Diese Google-Maps-Karte zeigt, wo das Atlasgebirge in Marokko liegt:

(bekö/mbr/dpa)