Polizei-Panne

SEK verwechselt Häuser und stürmt Wohnung einer 88-Jährigen

SEK-Panne in Lüdenscheid: Das Haus einer 88-Jährigen wurde gestürmt.

SEK-Panne in Lüdenscheid: Das Haus einer 88-Jährigen wurde gestürmt.

Foto: Kathleen Sturm / dpa

Ein SEK sollte in Lüdenscheid das Mitglied einer Rocker-Gruppe festnehmen. Doch die Beamten landeten in der Wohnung einer Seniorin.

Hagen.  Ein Trupp schwer bewaffneter SEK-Beamter hat sich bei der Razzia im Rocker-Milieu in der Hausnummer geirrt.

Bei der geplanten Festnahme eines Mitglieds der Hagener Freeway Riders irrten sich die Spezialkräfte in Lüdenscheid in der Hausnummer und stürmten morgens gegen 6 Uhr die Wohnung einer 88-jährigen Frau. Dr. Gerhard Pauli, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen, bestätigte den Vorfall, der sich bereits in der vergangenen Woche ereignete, und sprach von einem „bedauernswerten Fehler“.

Es muss eine Szene wie aus einem Krimi gewesen sein. Fahrzeuge mit SEKlern rollen in der Lüdenscheider Innenstadt an, Beamte rammen drei Türen auf, gleichzeitig detoniert auf dem Balkon an der Gebäuderückseite eine Blendgranate. Die betagte Bewohnerin schreckt auf und sieht sich mehreren schwer bewaffneten Polizisten gegenüber.

Dame aus Hagen reagiert „relativ gefasst“

Angehörige der 88-Jährigen eilen nach Telefonaten hinzu und kümmern sich um sie. Nach den Worten des Oberstaatsanwaltes hat die alte Dame „bewundernswert tough“ und „relativ gefasst“ auf den Vorfall reagiert. Einer der Polizisten habe sich um die Frau „hinreißend gekümmert“.

Direkt nach dem missglückten Zugriff sei durch die Polizei eine Seelsorgerin zur Betreuung der Bewohnerin gerufen worden. Als der Irrtum auffiel, zogen die SEK-Beamten zwei Häuser weiter und nahmen den gesuchten Rocker fest, dem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen werden.

Ein Haftbefehl wurde allerdings nicht erlassen, nach seiner Vernehmung kam der Mann wieder auf freien Fuß.

Staatsanwalt: „Wie man sich da vertun kann, ist mir ein Rätsel“

Die Höhes des Schadens an den drei Türen der 88-Jährigen ist nicht beziffert, wird aber laut Dr. Pauli „von uns vollumfänglich ersetzt“. Wie es zu dem Versehen der SEK-Beamten kommen konnte, ist offiziell nicht geklärt.

Die Schuld liege jedoch beim SEK selbst, das sich bei der alten Dame auch noch in aller Form entschuldigen würde. Die Sache sei „tatsächlich sehr unangenehm“. Der Oberstaatsanwalt: „Wir haben dem SEK die Adresse der Zielperson schriftlich mitgeteilt. Wie man sich da vertun kann, ist mir ein Rätsel.“

Dieser Artikel ist zuerst auf www.wp.de erschienen.