Kirche

Nach Tumult: Heiligabend-Gottesdienst nur mit Eintrittskarte

Die stellvertretende Vorsitzende des Presbyterium Haarzopf (Essen), Christiane Imhof, zeigt die Eintrittskarten.

Die stellvertretende Vorsitzende des Presbyterium Haarzopf (Essen), Christiane Imhof, zeigt die Eintrittskarten.

Foto: Jennifer Schumacher

Eine evangelische Kirchengemeinde in Essen hat sich nach Tumulten zu einem radikalen Schritt entschlossen. Rein geht es nur mit Ticket.

Essen.  2017 war es an Heiligabend vor der evangelischen Kirche im Essener Stadtteil Haarzopf zu Tumulten gekommen – nun hat sich das Presbyterium zu einem radikalen Schritt entschlossen: Für alle sechs Gottesdienste und Krippenspiele am 24. Dezember in Haarzopf und Fulerum werden Eintrittskarten ausgegeben. Nur sie berechtigen zum Einlass in die Kirche.

Einen solchen Vorgang hat es bislang in der Essener Kirchenlandschaft noch nicht gegeben, weder auf evangelischer noch auf katholischer Seite. Immerhin: Die Tickets sind kostenfrei.

Menschen mussten 2017 abgewiesen werden

„Es gab 2017 unschöne Diskussionen und Situationen am Eingang. Um die Sicherheitsauflagen zu erfüllen, mussten wir Menschen abweisen, die das nicht akzeptieren wollten“, erklärt Christiane Imhof als stellvertretende Vorsitzende die Beweggründe des Presbyteriums.

Einige Besucher seien damals Helfer aus dem Jugendteam angegangen und hätten ihr Recht auf einen Platz im Heiligabend-Gottesdienst lautstark einfordern wollen. „Wir möchten einfach nicht, dass sich das wiederholt“, betont Imhof. Durch die Karten sollen die Besucherströme planbarer werden.

Kirche wurde viereinhalb Jahre lang saniert

Die Ehrenamtlichen seien für das Thema Sicherheit besonders sensibilisiert, seit die evangelische Kirche im Jahr 2013 wegen Einsturzgefahr von einen Tag auf den anderen schließen musste. „Das damals nichts passiert ist, war pures Glück. Nach der Sanierung ist das Kirchengebäude 2017 neu vom Bauamt abgenommen worden. Die seither gültigen Auflagen wollen und müssen wir erfüllen“, sagt Christiane Imhof. Diese gelten für alle Kirchen, „nur nehmen das nicht alle so genau“.

Demnach dürfe niemand in der 333 Sitzplätze bietenden Kirche stehen. Auch Rollatoren und Kinderwagen müssen draußen bleiben, um die Rettungswege in der Kirche nicht zu versperren. „Dafür richten wir Stellplätze in der benachbarten Kita ein“, erklärt die Presbyterin.

Das Argument, dass die Besucher über Jahrzehnte an Heiligabend in der Kirche gestanden hätten und nie etwas passiert sei, verhalle bei ihr: „Wir wollen nicht verantwortlich sein, wenn dann doch etwas passiert“, sagt Christiane Imhof.

Viele Ehrenamtliche helfen bei Gottesdiensten mit

Dass an Heiligabend überhaupt so viele Gottesdienste angeboten werden könnten, sei ohnehin nur einem großen Team aus Ehrenamtlichen zu verdanken. Mehr als 30 Helfer werden Heiligabend im Einsatz sein – auch, um die Eintrittskarten zu kontrollieren.

Viel Arbeit, wie Christiane Imhof weiß. Sie warb nach dem Gottesdienst am zweiten Adventssonntag bei der Gemeinde erneut um Verständnis: „Ich habe große Hoffnung, dass jeder einen Platz in einem der sechs Gottesdienste bekommt.“

In der Gemeinde schlagen die Wogen offenbar hoch. Einige hätten bereits angekündigt, auch ohne Karte kommen zu wollen, wie Christiane Imhof traurig feststellte: „Jeder muss für sich entscheiden, ob er den Heiligabend, der für Frieden und Ruhe steht, so negativ belasten möchte.“

Die Tickets gibt es unter anderem im Gemeindebüro und bei der Pastorin sowie bei Gottesdiensten und in der örtlichen Kita.