Vatikan

Papst Franziskus nennt Homosexualität eine „Mode“

Papst Franziskus bei einer Generalaudienz in Rom.

Papst Franziskus bei einer Generalaudienz in Rom.

Foto: Gregorio Borgia / dpa

Franziskus verwirrt Gläubige mit Aussagen zur Homosexualität. Gleichgeschlechtliche Liebe sei wie eine Mode.

Rom/Berlin.  Papst Franziskus hat sich erneut zum Thema Homosexualität geäußert. Homosexuelle in der Kirche bereiten ihm offenbar große Sorgen.

„In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche“, sagte er in einem Interview auf Spanisch, das an diesem Montag in einem Buch veröffentlicht werden soll.

Der 81-Jährige Pontifex befürchtet, dass es homosexuelle Menschen im Klerus und in Priesterseminaren geben könnte. Dies sei eine „sehr ernste Angelegenheit“. Seiner Meinung nach sollten Menschen mit „dieser tiefverwurzelten Tendenz“ nicht in Seminaren zugelassen werden.

Papst: Besser Priesteramt verlassen als Doppelleben führen

Die Aussagen stammen aus dem Interview-Buch des Autors Fernando Prado mit dem Titel „La fuerza de la vocación“ (zu deutsch: „Die Kraft der Berufung“), das in mehreren Sprachen erscheinen soll. Darin spricht der Argentinier Franziskus vor allem über die Berufung und das geweihte Leben.

Die Kirche empfehle, „dass Menschen mit einer solchen tief verwurzelten Tendenz nicht in den Dienst oder das geweihte Leben aufgenommen werden. Das Amt oder das geweihte Leben ist dafür nicht der geeignete Ort“. Man müsse „homosexuell empfindende Priester und Ordensleute auffordern, das Zölibat mit Integrität zu leben. Es ist besser für sie, das Amt oder das geweihte Leben zu verlassen, als ein Doppelleben zu führen.“

Die katholische Kirche lehnt Homosexualität ab. Franziskus sprach sich jedoch in der Vergangenheit mehrmals gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben aus.

Papst irritiert mit Äußerungen zu Homosexuellen

Es ist nicht das erste Mal, dass Franziskus mit Äußerungen zu dem Thema für Schlagzeilen sorgt.

„Wer bin ich, ihn zu verurteilen?“ Dieses Zitat von Franziskus zum Thema Homosexualität aus seinem ersten Amtsjahr sorgte für Erstaunen. Das klang nach einer Trendwende im Vatikan, wo Homosexualität immer noch ein brisantes Thema ist. Nun schien die Zeit der Ausgrenzung vorbei.

Dagegen stehen dann aber wieder andere Äußerungen des Papstes. Etwa jene, die er auf dem Rückflug von seinem Irland-Besuch im August 2018 gegenüber Journalisten machte. Franziskus sagte, wenn sich Homosexualität schon in der Kindheit zeige, gebe es „viel, das mit Psychiatrie gemacht werden kann, um zu sehen, wie die Dinge liegen“ . Es gab Proteste von Schwulen- und Lesbenverbänden. Später korrigierte der Vatikan das Zitat. (W.B./dpa)