Raumfahrt

Nasa-Sonde „InSight“ schickt die ersten Fotos vom Mars

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte Foto zeigt ein Bild auf dem Mars, das der Nasa-Roboter „InSight“ mithilfe einer an seinem Arm befestigten Kamera aufgenommen hat.

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte Foto zeigt ein Bild auf dem Mars, das der Nasa-Roboter „InSight“ mithilfe einer an seinem Arm befestigten Kamera aufgenommen hat.

Foto: Uncredited / dpa

Die Sonde „InSight“ ist auf dem Mars gelandet. Sie soll den roten Planeten untersuchen – und helfen, auch die Erde besser zu verstehen.

Washington/Berlin.  Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat das erste Mal seit dem Jahr 2012 eine Sonde auf dem Mars landen lassen. Der Lander „InSight“ erreichte nach einer rund 485 Millionen Kilometer langen Reise am Montagabend den Roten Planeten.

Dort landete sie in der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators. An Bord befinden sich wissenschaftliche Instrumente, mit denen die Forscher das Innere des Mars untersuchen wollen.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verkündete die Nasa die sichere Landung. Die Raumfahrtbehörde zeigte das Manöver zudem im Livestream im Netz.

Ob der Roboter voll funktionsfähig ist, war noch nicht klar. Nach dem Eintritt in die Mars-Atmosphäre wurde der Roboter mithilfe von Bremsraketen und einem Fallschirm in einem äußerst komplizierten Manöver abgesenkt.

Der „Marsmaulwurf“, wie ihn die Forscher liebevoll nennen, trägt den offiziellen Namen „HP3“ („Heat Flow and Physical Properties Package“). Entwickelt wurde das Forschungsinstrument vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Das ist das erste „InSight-“-Bild vom Mars

Es ist die erste Mars-Landung der Nasa seit der von „Curiosity“ 2012 – und die Forscher waren nervös. Nur rund 40 Prozent aller bisher weltweit gestarteten Mars-Missionen waren der Nasa zufolge erfolgreich.

In der Nacht zu Dienstag twitterte die Nasa ein weiteres Foto vom Mars. Darauf ist auch „InSight“ selbst zu sehen.

Wie schwierig Mars-Landungen sind, erlebte 2016 auch die europäische Raumfahrtagentur Esa: Ihre Sonde „Schiaparelli“ stürzte infolge eines Computerfehlers beim Landeanflug ab. Nicht nur die Nasa-Forscher werden die „InSight“-Landung genau beobachten: Auf der ganzen Welt gab es Public-Viewing-Veranstaltungen.

Nasa-Rover „Curiosity“ ist nur 500 Kilometer entfernt

„Die Mission möchte das Innere des Mars erforschen“, erklärt Tilman Spohn vom DLR, der das Experiment „HP3“ wissenschaftlich leitet. Es gehe darum, mehr über den Aufbau des Planeten und über die Dynamik unter seiner Oberfläche zu erfahren. Der Marsmaulwurf werde dazu beitragen, indem er die Temperaturen und die Leitfähigkeit des Bodens messe.

„Jeder Planet ist im Grunde eine Wärmekraftmaschine. Die Abwärme, die so eine Maschine abgibt, ist ein Maß dafür, welche Arbeit der Motor in ihr leistet. Wir messen diese Abwärme und erstellen daraus Rechenmodelle über die Entstehung des Planeten.“

Der noch aktive Nasa-Rover „Curiosity“ befindet sich in einer Entfernung von 500 Kilometern – und ist damit noch am nächsten dran. Im Gegensatz zu ihm wird sich „InSight“ allerdings nicht bewegen, sondern am Landeplatz verharren.

„HP3“ kann bis zu fünf Meter tief graben

Sobald der Lander sicher steht, beginnt im direkten Umfeld die Suche nach einem passenden Standort für den Marsmaulwurf. Ein an „InSight“ befestigter Roboterarm wird „HP3“ dorthin heben. „An der Landestelle rechnen wir mit drei bis sieben Metern lockerem Material im Boden“, sagt Matthias Grott vom DLR. Das sei wichtig, weil „HP3“ auf die Verdrängung von Sand ausgelegt sei. „Wenn wir auf einen großen Stein treffen und nicht weiterkommen, dann ist Schluss.“

Äußerlich erinnert der Marsmaulwurf kein bisschen an seinen tierischen Namensvetter, sondern eher an eine Mini-Rakete: ein 40 Zentimeter langer Stab, der vorne spitz zuläuft. In Teilschritten von jeweils 50 Zentimetern soll er bis in fünf Meter Tiefe vordringen. Mit „InSight“ ist „HP3“ über ein Kabel verbunden, damit die Forscher den Wärmefluss im Untergrund dauerhaft messen können. Wenn alles klappt, soll der Maulwurf zwei Jahre lang Daten an die Erde senden.

Neben „HP3“ wird noch ein weiteres Instrument zum Einsatz kommen – auch an ihm haben deutsche Forscher mitgearbeitet. Das DLR und das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen waren an der Entwicklung eines Seismometers beteiligt. Es soll die Erschütterungen des Bodens und mögliche Mars-Beben messen. Auf dem Mars ist das bisher noch nicht gelungen.

Mission kostet rund 650 Millionen Euro

Spohn und seine Kollegen halten die Mission für wichtig, weil sie Rückschlüsse auch auf unseren Planeten zulasse. „Als Erdbewohner haben wir durch die Erforschung anderer Planeten festgestellt, wie besonders die Erde ist“, sagt Spohn. „Wissenschaft ist zu einem Gutteil Vergleich.“ So lasse sich durch die Erkundung des Wüstenplaneten auch die Entwicklung der Erde besser nachvollziehen.

Die rund 650 Millionen Euro teure „InSight“-Mission hatte eigentlich schon 2016 beginnen sollen. Wegen eines undichten Forschungsinstruments musste der Start damals um zwei Jahre verschoben werden. Das Design des 360 Kilogramm schweren Landers basiert vor allem auf der Raumsonde „Phoenix“, die 2008 auf dem Mars landete und einige Monate lang funkte. Ein Nachfolger für „InSight“ steht auch schon in den Startlöchern: 2020 soll der Rover „Mars 2020“ auf den Weg gebracht werden, eine Art überarbeitete Version von „Curiosity“. (mit dpa)