Explosion

Nach Amoklauf: Trauerfeier mit 20.000 Menschen auf der Krim

Nach dem Amoklauf auf der Krim tragen Mitarbeiter des russischen Notfallministeriums Särge während der Trauerfeier.

Nach dem Amoklauf auf der Krim tragen Mitarbeiter des russischen Notfallministeriums Särge während der Trauerfeier.

Foto: Uncredited / dpa

Zehntausende haben der Opfer des Amoklaufs gedacht. 20 Menschen waren Mittwoch in der Stadt Kertsch getötet worden.

Sewastopol.  Nach dem Massaker in einer Schule auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim sind mehr als 20.000 Menschen zu einer Trauerfeier zusammengekommen. Die Särge der Todesopfer seien am zentralen Platz in der Hafenstadt Kertsch aufgebahrt worden, berichteten lokale Medien am Freitag.

Menschen legten an der Schule Blumen für die Opfer nieder. Auch der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, nahm an der Trauerfeier teil. Der Imam und der Metropolit von Kertsch führten die Zeremonie gemeinsam durch, die auch im Fernsehen übertragen wurde. Auf der Krim wurde nach dem Amoklauf eine dreitägige Trauer verhängt.

Zweiter Sprengsatz auf der Krim gefunden

Am Mittwoch hatte ein 18-Jähriger in einer Berufsschule um sich geschossen und einen Sprengsatz gezündet. Dabei wurden mindestens 20 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Der Angreifer habe sich selbst erschossen, hieß es. Die Behörden schließen nicht aus, dass der Mann Hilfe von Komplizen oder Hintermännern bekommen hat.

Die Bombe war nach Angaben der Behörden mit Metallteilen gefüllt und ist in der Kantine der Schule in der Stadt Kertsch explodiert. Der Täter – ein ehemaliger Schüler – hat sich nach dem Amoklauf erschossen.

Die Behörden sprachen am Mittwochabend von mindestens 20 Todesopfern und etwa 40 Verletzten. Die Opferzahl hätte wohl noch deutlich größer ausfallen können, denn Sicherheitskräfte fanden nach dem Anschlag einen zweiten, nicht explodierten Sprengsatz.

Die Bombe sei unschädlich gemacht worden, meldeten mehrere russische Nachrichtenagenturen am Mittwoch unter Berufung auf eine Quelle in der Einsatzleitung.

Mehr als 50 Menschen sind verletzt

Der mutmaßliche Attentäter handelte laut Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow alleine. Der 18-Jährige soll früher auf der Schule gewesen sein. „Der Verdächtige hat sich selbst erschossen. Er war vier Jahre lang Schüler auf dieser Schule. Sein Körper wurde in der Bibliothek im zweiten Stock gefunden“, sagte Aksjonow laut der Agentur Tass.

Die Regionalverwaltung vermutet, dass der Todesschütze Helfershelfer gehabt hat. „Die Aufgabe ist festzustellen, wer ihn auf dieses Verbrechen vorbereitet hat“, sagte der Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, am Donnerstag am Tatort in Kertsch. „Hier hat er allein gehandelt. (...) Aber bei der Vorbereitung, das ist meine Meinung und die meiner Kollegen, kann dieser Schuft nicht allein gewesen sein“, sagte Aksjonow der Agentur Interfax zufolge.

Bei den Toten soll es sich vor allem um Jugendliche handeln, die sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Kantine der Schule aufhielten. Die örtlichen Behörden waren am frühen Morgen noch von einer Gasexplosion ausgegangen.

Russlands oberste Ermittlungsbehörde hatte nach der Explosion auf der Halbinsel Krim zunächst ein Verfahren wegen eines Terroranschlags eingeleitet. Später sprachen die Ermittler von Mord.

Sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drückten den Opfern und den Familien ihre Anteilnahme aus. Putin sagte, es sei klar, dass in Kertsch ein Verbrechen geschehen sei.

„Die Motive und der Hergang werden sorgsam untersucht“, sagte er im Fernsehen. „Warum das für uns so wichtig ist? Weil das ukrainische Staatsbürger sind“, schrieb Poroschenko auf Facebook über einen Video-Beitrag. „Wenn ukrainische Staatsbürger umkommen, wo immer das auch geschieht, dann ist das eine Tragödie.“

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wo Kertsch liegt.

Krim ist nach wie vor Streitpunkt in Europa

Russland hatte die ukrainische Halbinsel Krim 2014 annektiert und unterstützt zudem pro-russische Separatisten im Osten des Nachbarstaates. Die EU und die USA haben deswegen Sanktionen gegen Russland verhängt.

Die Ukraine betrachtet die Krim weiter als ihr Staatsgebiet, völkerrechtlich gilt die Halbinsel auch noch immer als Teil der Ukraine.

Die Stadt Kertsch liegt an der umstrittenen Brücke, die seit Anfang Oktober für schwere Lastwagen freigegeben wurde. Der Westen verurteilt das Vorgehen als völkerrechtswidrig, die Ukraine sieht die Region noch immer als Teil ihres Staatsgebietes an.

Die Krim war bis zur Fertigstellung der Brücke nicht von Russland aus über einen direkten Landweg zu erreichen. (dpa/les/ba/bekö)