Forschung

Forscher identifizieren uraltes Fossil dank Fettspuren

Ein in Russland gefundenes Fossil von Dickinsonia.

Ein in Russland gefundenes Fossil von Dickinsonia.

Foto: Ilya Bobrovskiy / dpa

Glücksfall Fettreste: Die Molekülanalyse von einem uralten Fossil hat Forschern einen wichtigen Einblick in die Tierwelt gegeben.

Bremen.  Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, dank verräterischer uralter Fettspuren, eines der ältesten Tiere der Erdgeschichte zu identifizieren. Die Kreaturen, die vor 558 Millionen Jahren auf der Erde lebten, hatten ovale Körper und waren am gesamten Körper in rippenähnliche Segmente unterteilt. Die Tiere werden Dickinsonia genannt und zählen zu den ältesten bekannten Tieren überhaupt, so die Forscher im Fachmagazin „Science“.

Die Analyse der Fettspuren war nur durch einen Glücksfall möglich: Der Biogeochemiker Ilya Bobrovskiy von der Australian National University in Canberra konnte am Weißen Meer in Russland Fossilien von Dickinsonia sammeln, die noch Reste von organischem Material enthielten.

Fossile Fettmoleküle geben den Hinweis

„Das ist das erste Mal, dass so etwas in einem so alten Fossil gefunden wurde», sagte Mitautor Benjamin Nettersheim vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und der Universität Bremen. Den dünnen Biofilm auf den Fossilien analysierten Bobrovskiy und seine Kollegen im Labor. Darin entdeckten sie demnach fossile Fettmoleküle – und zwar Cholesterin, das typisch für höhere Tierarten und Menschen sei.

Damit war den Forschern klar: Dickinsonia sind keine Pilze, keine Pflanzen, Flechten oder Algen. Die Vermutungen einiger Forscherkollegen, dass es sich bei den Ur-Wesen um Einzeller handelt, konnten die beiden mit einer weiteren Untersuchung an der Universität Bremen ebenfalls ausschließen.

Dafür extrahierten sie Lipide von mehreren Exemplaren, die noch heute in der Tiefsee der Antarktis oder im Mittelmeer leben. Im Labor simulierten sie dann die geologischen Veränderungen, denen die Fettmoleküle über Jahrmillionen ausgesetzt gewesen wären. Auch hier ergab sich eine andere Zusammensetzung der Fette.

Lipide können lange überdauern

Doch wie blieb das Cholesterin in den Dickinsonia-Fossilien überhaupt so lange erhalten? Generell könnten Lipide recht lange überdauern, sagte der Ornithologe Gerald Mayr vom Senckenberg Forschungszentrum für Naturkunde in Frankfurt/Main.

Er hatte im vergangenen Jahr mit einem Vogelfossil für eine kleine wissenschaftliche Sensation gesorgt: In ihm konnte 48 Millionen Jahre altes Fett nachgewiesen werden. Die Studie zu den 558 Millionen Jahre altem Fett lag Mayr nicht vor. Er bezeichnete die Entdeckung wegen des hohen Alters als sehr erstaunlich.

Das bestätigt auch der Bremer Experte Hallmann. „Die Fundstelle ist ziemlich einzigartig.“ Normalerweise fressen Mikroorganismen einen Großteil des organischen Materials eines toten Tieres auf.

Die Überreste würden mit der Zeit von immer mehr Sedimentschichten überlagert, so dass diese steigenden Temperaturen und hohem Druck ausgesetzt sind. „Das zerstört oft die Fettmoleküle“, erläutert Hallmann. Wieso das bei den Fossilien vom Weißen Meer nicht geschehen ist, können die Experten nicht sagen. (dpa/sige)