Razzia

Mordfall Peggy: Neue Hinweise belasten alten Verdächtigen

5 Fakten zum Fall Peggy Knobloch

5 Fakten zum Fall Peggy

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Der Vermisstenfall Peggy könnte bald aufgeklärt werden. Die Polizei hat eine neue Spur. Sie führt zu einem früheren Verdächtigen.

Lichtenberg/Berlin.  Es war im Sommer vor zwei Jahren, als ein Pilzsammler in einem thüringischen Wald auf menschliche Knochen stieß – die sterblichen Überreste eines Mädchens, das 2001 auf dem Heimweg von der Schule spurlos verschwunden war. Um die damals neunjährige Peggy aus dem fränkischen Lichtenberg spinnt sich einer der rätselhaftesten Vermisstenfälle Deutschlands. Nun ist der Polizei anscheinend ein später Durchbruch gelungen. Womöglich steht der Mord kurz vor der Aufklärung.

Im Zentrum der Ermittlungen steht jetzt ein 41-jähriger Mann, der früher ebenfalls in Peggys Heimatort lebte. Die Polizei durchsuchte am Mittwoch ein 50 Kilometer von Lichtenberg entferntes Gehöft, auf dem Manuel S. heute wohnt. Der Mann habe bereits früher zum „relevanten Personenkreis“ im Zusammenhang mit Peggys Verschwinden gezählt, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Nun sei er wieder in den Fokus gerückt.

Walderde vom Fundort ausgewertet

Die überraschende Wende hängt mit dem Skelettfund vor zwei Jahren zusammen: Seinerzeit schleppten die Ermittler in der Hoffnung auf neue Spuren Säcke voller Erde aus dem Wald. Jetzt, berichten die Behörden in nüchternen Worten, liegen Untersuchungsergebnisse zu den Spuren vom Fundort der Knochen vor, weswegen „bereits bestehende polizeiliche Erkenntnisse“ neu bewertet würden. Weitere Ermittlungsschritte hätten diese Verdachtsmomente untermauert.

Weiter ins Detail gehen die Behörden nicht. Jürgen Stadter vom Polizeipräsidium Oberfranken sagt, es sei „ein entscheidender Schritt, aber noch nicht die Lösung“. Fest steht: Gegen den 41-Jährigen wird ermittelt, er wurde vernommen und danach wieder entlassen. Neben seinem Gehöft in Nordbayern wurde auch ein Haus in Lichtenberg durchsucht.

Manuel S. beteiligte sich vor 17 Jahren an Suchaktion

Wer ist Manuel S.? Als das als ausgesprochen fröhlich und arglos geltende Mädchen mit den strahlend blauen Augen vor 17 Jahren verschwand und die in Tränen aufgelöste Mutter die Öffentlichkeit um Hilfe bat, beteiligte er sich an einer von der örtlichen Feuerwehr organisierten Suchaktion. Doch schon bald geriet er ins Visier der Ermittler.

Nach Informationen der „Neuen Presse Coburg“ ist er bereits mehrmals vernommen worden. Demnach kamen die Ermittler im Juli 2002 zum Ergebnis, dass Manuel S. „als möglicher Täter ausgeschlossen werden“ könne. Eine Einschätzung, die die „Soko Peggy“ nun offenbar revidiert.

Justizirrtum bringt falschen Mann in Psychiatrie

Auffällig ist die Verbindung zwischen Manuel S. und einem Mann, der bereits 2004 in der Sache vor Gericht stand: Der geistig zurückgebliebene Ulvi K. wurde damals als Peggys Mörder verurteilt und kam in die forensische Psychiatrie Bayreuth. Ein Justizirrtum: Zehn Jahre später wurde er in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Zur Verurteilung hatte maßgeblich die Mutter von Manuel S. beigetragen, die Ulvi K. ein Jahr nach der Tat plötzlich schwer belastete. Sie habe ihn im Regen auf einer Bank im Ort sitzen sehen – für die Ermittler ein Beweis, dass Ulvi K. als Täter infrage käme. Der hatte zuvor jedoch ausgesagt, Manuel S. habe die Leiche des Mädchens weggeschafft. Die Glaubwürdigkeit dieser Beschuldigung ist schwer einzuschätzen: Laut „Neue Presse Coburg“ sollen die beiden Männer seit gemeinsamen Jugendtagen verfeindet sein. Nicht die einzige Ungereimtheit.

Ermittlungspanne bringt Fall Peggy in Verbindung zum NSU

Im Herbst 2016 gibt die Staatsanwaltschaft eine vermeintliche Sensation bekannt. An einem Gegenstand vom Leichenfundort sei die DNA des „NSU“-Terroristen Uwe Böhnhardt festgestellt worden. Sollte Peggy etwa ein Opfer des rechtsextremen Trios sein? Nein, der scheinbar spektakuläre Fund stellt sich als peinliche Ermittlungspanne heraus. Es habe eine Verunreinigung bei der Spurensicherung gegeben, räumt die Polizei ein halbes Jahr später ein. Der „NSU“ hat mit dem Fall nichts zu tun.

Das Unverständnis über die Pannen ist in der Region so groß, dass sich im vergangenen Jahr eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg – darunter der Bürgermeister – mit einem „Hilferuf“ an die Öffentlichkeit wandte. Darin warfen die elf Unterzeichner den Behörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem „Polizei- und Justizskandal“ und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Der Leitende Oberstaatsanwalt wies die Vorwürfe zurück. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Polizei endlich zu einem Ergebnis kommt.