Antisemitismus

Schüler spielen NS-Zeit nach – Staatsanwaltschaft ermittelt

In einer Schule in Österreich haben Jugendliche die NS-Zeit nachgespielt (Symbolbild).

In einer Schule in Österreich haben Jugendliche die NS-Zeit nachgespielt (Symbolbild).

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

In Österreich sind Schüler in die Rolle von SS-Männern geschlüpft. Dabei hatten sie kurz zuvor „Die Welle“ im Unterricht behandelt.

Wien.  Im Deutschunterricht haben Schüler einer Mittelschule im Burgenland (Österreich) das Buch „Die Welle“ durchgenommen. Offenbar verstanden die Kinder die Botschaft der Lektüre jedoch nicht. In der Pause lief das Spiel der Schüler aus dem Ruder.

Wie der „Kurier“ berichtet, schlüpften einige 13 und 14 Jahre alte Schüler in die Rolle von SS-Männern. Andere hätten die Rollen von Juden übernehmen müssen und seien als „Drecksjuden“ beschimpft und in einen Lagerraum für Turngeräte gesperrt worden.

Ein „Anführer“ soll unter anderem einen besonderen Gruß – ähnlich dem Hitlergruß – verlangt haben. Wer sich weigerte, ihn so zu begrüßen, wurde laut „Kurier“ in die sogenannte „Gaskammer“, einen Mattenraum, gesperrt.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schüler

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen fünf strafmündige Schüler. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde in Eisenstadt rund 70 Kilometer südlich von Wien am Donnerstag.

Es geht um das Verherrlichen von Bildern, Symbolen oder Texten aus der NS-Zeit, was verboten ist.

In dem Schullektüre-Klassiker „Die Welle“ will ein amerikanischer Highschool-Lehrer mit einem Experiment zeigen, wie totalitäre Regime etabliert werden. Der Versuch gerät aber völlig aus dem Ruder.

Dass die Lehrer an der Schule in Zurndorf das Thema Manipulation nicht vor dem Lesen des Buches aufgriffen, nennt ein Anwalt eines der beschuldigten Jugendlichen einen „pädagogischen Supergau“.

Ein Schüler erklärte dem „Kurier“: „Es war ein großer Blödsinn. Keiner hat das Ganze ernst genommen.“ Von den Lehrern hätte er sich allerdings mehr Aufklärung gewünscht. (jha/dpa)