Sicherheit

Britische Geheimdienste setzen Kinder als Spione ein

Kinder wurden von britischen Geheimdiensten in kriminelle Banden eingeschleust (Symbolbild).

Kinder wurden von britischen Geheimdiensten in kriminelle Banden eingeschleust (Symbolbild).

Foto: alejandrophotography / Getty Images/Vetta

Terrorismus, Drogendelikte, sexueller Missbrauch: In Großbritannien werden offenbar Kinder von Sicherheitsbehörden gezielt eingesetzt.

London.  Polizei und Geheimdienste in Großbritannien sollen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren als Spione einsetzen, um sie bei kriminellen Banden einzuschleusen. Sie sollen bei der Aufklärung von Terror- Sexual- oder Drogendelikte helfen.

Die Praxis kam ans Licht, weil ein Ausschuss des Oberhauses kritisch zu Plänen der britischen Regierung Stellung nahm, wonach Sicherheitsdiensten mehr Freiheit beim Einsatz der Kinderspione gewährt werden sollte. Das berichten der „Guardian“ sowie der „Telegraph“.

Geheimdienste setzen Kinder zur Terrorbekämpfung ein

Wie aus dem Papier des Oberhauses hervorgeht, das hier online abgerufen werden kann, werden die minderjährigen Spione in Ermittlungen eingesetzt, die „Terrorismus, Bandenkriminalität und Drogendelikte sowie sexuellen Kindesmissbrauch“ betreffen.

Der Ausschuss des Oberhauses zeigt sich deshalb besorgt um das Wohlergehen der Minderjährigen. „Das sind schwer wiegende, gewalttätige Verbrechen und wir haben ernstzunehmende Sorge um jedes Kind, das einer solchen Umgebung ausgeliefert wird.“ In dem Papier sind Schreiben des Innenministeriums dokumentiert, die den Einsatz Jugendlicher belegen.

Das Ministerium begründet den Einsatz damit, dass jugendliche Spione einen „einzigartigen Zugang zu Informationen“ haben könnten, der dazu dienen könnte, die Kommunikation von Banden zu durchschauen. Zudem würden die Kinder nur „sehr selten“ eingesetzt, wie das Ministerium dem „Guardian“ mitteilte. Ihr Einsatz sei erst dann gefordert, wenn alle anderen Möglichkeiten für die Verhaftung von Kriminellen oder Terroristen ausgeschöpft wurden.

Kritiker warnen vor Menschenrechtsverletzungen

Kritiker warnen jedoch, die Minderjährigen seien nicht kalkulierbaren Risiken ausgeliefert. Aktivistin Rosalind Comyn erklärte gegenüber dem „Guardian“, die britische Regierung handele gegen ihre Verpflichtung zur Wahrung grundlegender Menschenrechte, wenn sie „Kinder als Fußsoldaten in den dunkelsten Ecken der polizeilichen Arbeit“ einsetze.

Auch britische Politiker sprechen sich gegen die Praxis aus. Der ehemalige Kabinettsminister David Davis nannte den Einsatz von Kinderspionen laut „Guardian“ eine „moralisch widerliche Taktik“, die zum Scheitern führe. (leve)