Modemarke

Verzicht auf weiße Models: Rassismus-Debatte in Modebranche

Das Unternehmen Moga provoziert.

Das Unternehmen Moga provoziert.

Foto: MOGA Fashion

Das australische Unternehmen Moga will künftig auf weiße Models verzichten – und erntet mit dem Vorstoß nun Kritik von vielen Seiten.

Sydney.  Es ist eine kleine Mitteilung mit weitreichenden Folgen – jedenfalls für das australische Modehaus Moga. „Wir werden keine weißen/westlichen Modelle mehr casten oder für uns werben lassen“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens, das vor allem für seine Schals und Tücher bekannt ist.

In einem Aufruf, in dem das Modelabel aus Melbourne nach Models sucht, schreiben die Verantwortlichen, dass der Castingcall für Frauen auf der ganzen Welt und in allen Formen und Größen offen sei – nur nicht für weiße Frauen. So will das Unternehmen die Möglichkeiten vor allem für Minderheiten fördern. Das Modehaus will ein Zeichen gegen Rassismus setzen – und sieht sich nun eben diesem Vorwurf ausgesetzt.

In den Kommentarspalten der Moga-Facebook-Seite hagelt es Kritik. Das Ausschließen von weißen Models sei ebenso rassistisch, wie das Ausschließen schwarzer Models, heißt es. „Wie kann es nicht rassistisch sein“, schreibt beispielsweise Jennie Howieson. „Wenn ich eine Firma hätte und in Anzeigen nur nach Weißen suchen würde, dann wäre das ja auch auf alle Fälle rassistisch und nicht erlaubt.“

Azahn Munas, Chef-Designer von Moga, versucht zu besänftigen: „Als Designer ist es nie meine Absicht, jemanden zu verletzen oder zu beleidigen, sondern die Plattform zu nutzen, die mir als Katalysator für Veränderungen gegeben wurde“, schreibt Munas in einem Blog. Der in Sri Lanka geborene Munas berichtet, wie Rassismus sein eigenes Leben prägt. So sei er immer noch darauf konditioniert, zu glauben, dass er weniger attraktiv sei, je dunkler seine Haut sei. „Ich hasse es absolut, dass dies ein Teil meines Gedankenprozesses ist und dass es ein ständiger interner Kampf war, dieses Glaubenssystem zu beseitigen.“

Naomi Campbell kritisiert Modefirmen

Die Diskussion um Moga in Australien zeigt, wie schwer sich die Modebranche noch immer tut, wenn es um Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung geht. Einer Studie der Organisation Balance Diversity zufolge sind 80 Prozent der Models auf den Laufstegen der Welt und den großen Magazincovern weiß. Farbige Topmodels wie Naomi Campbell und Tyra Banks bilden die Ausnahme.

6 Fakten rund um den Bikini
6 Fakten rund um den Bikini

„Unternehmen wollen den Erfolg ihres Produktes nicht durch farbige Models in ihren Kampagnen riskieren“, sagte Campbell dem britischen „Telegraph“. Vor wenigen Monaten sorgte das 25-jährige US-Model Ebonee Davis für Aufmerksamkeit, als sie von ihren Erfahrungen mit Rassismus berichtete. „Mir wurde gesagt, dass schwarze Models entweder so aussehen, als ob sie direkt aus einem afrikanischen Dorf importiert wurden oder wie weiße Models, die in Schokolade getaucht wurden“, schrieb sie in einem offenen Brief.

Anfang des Jahres sorgte der schwedische Moderiese H & M für einen Skandal. In einer Werbekampagne zeigte das Unternehmen einen schwarzen Jungen, der einen Pullover mit der Aufschrift „Coolster Affe im Dschungel“ trug. Nach weltweiter Kritik zog das Unternehmen das Bild zurück und entschuldigte sich. In Südafrika kam es dennoch zu Ausschreitungen. Mehrere H & M-Läden wurden verwüstet, alle Geschäfte der Kette zeitweise gesperrt.

Modeunternehmen bekommt viel Aufmerksamkeit

Insgesamt ist die Aufmerksamkeit und Sensibilität für das Thema gewachsen – bei Modeunternehmen, aber auch Kunden, die durch soziale Netzwerke ganz neue Möglichkeiten der öffentlichen Diskussion haben. Das bestätigt auch Supermodel Naomi Campbell. „In der Mode wird es absolut besser“, sagte sie im Interview mit dem „Stern“. Trotzdem glaubt sie, dass schwarze Models noch immer härter arbeiten müssen, als weiße. „Sie dürfen nicht aufgeben und müssen auf dem Weg voran Stärke und Ausdauer haben, weil sie ihre Ziele erreichen können.“

Solche Chancen will auch Moga-Designer Azahn Munas bieten. „Uns ist klar, dass unsere Talentsuche in eine Zeit der verstärkten Debatte um das Thema der Rasse und ihrer Darstellung in der Modeindustrie fällt“, erklärt er. Und noch etwas könnte bei der Entscheidung eine Rolle spielen, das in der Modebranche nicht zu verachten ist: Moga bekommt durch die Debatte mehr Aufmerksamkeit als vorher.