Ex-Tennisstar

Zentralafrika leugnet Boris Beckers diplomatische Immunität

Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker genießt angeblich diplomatische Immunität durch einen zentralafrikanischen Diplomatenpass.

Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker genießt angeblich diplomatische Immunität durch einen zentralafrikanischen Diplomatenpass.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Per zentralafrikanischem Diplomatenpass wollte Becker sein Insolvenzverfahren beenden. Das Land selbst sendet widersprüchliche Signale.

Brüssel/London.  Tennis-Legende Boris Becker (50) kann sich nach den Worten des Außenministers der Zentralafrikanischen Republik nicht auf diplomatische Immunität berufen. Becker sei kein offizieller Diplomat des Landes, sagte Charles Armel Doubane der Zeitung „Die Welt“.

Beckers Anwälte hatten vergangene Woche Aufsehen erregt mit der Mitteilung, der Ex-Sportstar sei in dem Insolvenzverfahren in London gegen ihn nicht mehr zu belangen – wegen diplomatischer Immunität. Sie beriefen sich dabei auf einen ehrenamtlichen Posten, den Becker im April an der zentralafrikanischen Botschaft in Brüssel übernommen hatte.

Südafrikanischer Außenminister dementiert Immunität von Becker

Doch das wies Doubane nun zurück: „Wir wollen nicht, dass Boris Beckers inoffizielle Position für unser Land mit seinen finanziellen Problemen assoziiert wird. Wir sagen klar, dass unser Land bei jeglichen rechtlichen Verfahren gegen Boris Becker die Justiz in keinerlei Weise behindern wird.“

Sein Land trete für Rechtsstaatlichkeit ein, so Doubane. Deshalb könne „die Zentralafrikanische Republik Boris Becker vor einem Gericht nicht schützen“. Doubane widersprach damit seinem eigenen Botschafter in Brüssel. Der hatte der Deutschen Welle am Sonntag gesagt, Becker besitze einen Diplomatenpass und könne sich daher in einem Insolvenzverfahren auf diplomatische Immunität berufen.

Auf der Webseite der Botschaft war Becker als „Attaché für die Beschaffung von Mitteln für sportliche, kulturelle und humanitäre Angelegenheiten“ bezeichnet worden. Der Eintrag wurde aber später gelöscht.

Doubane bestätigte, dass es zu einem Treffen zwischen Becker und dem Zentralafrikanischen Präsidenten Faustin Archange Touadéra gekommen sei. Er bestätigte auch, dass es dabei darum ging, wie Becker dem Land Kontakte in Sachen Sportförderung vermitteln könne. Zum „offiziellen Diplomaten“ sei Becker dadurch aber nicht geworden.

Becker wird mangelnde Kooperation in Verfahren vorgeworfen

Um als Diplomat bestellt zu werden, sei neben der Ernennung des Präsidenten auch die Unterschrift des Außenministers nötig, so Doubane. Er habe aber entsprechende Dokumente nie unterzeichnet und sei auch vom Präsidenten des Landes nicht darum gebeten worden.

Eigentlich hätte das Insolvenzverfahren gegen Becker in London diese Woche auslaufen sollen, Becker wäre schuldenfrei gewesen. Doch Insolvenzverwalter Mark Ford hatte einen Antrag auf Verlängerung gestellt, er wirft Becker mangelnde Kooperation vor. Zum Beispiel verlangt er Auskunft über den Verbleib eines Teils von Beckers Trophäen. Noch am Montag war eine Anhörung am High Court in London angesetzt. (dpa)