Vergewaltigungsvorwürfe

Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung angeklagt

Harvey Weinstein am Freitag vor dem Gebäude der New Yorker Polizei in Manhattan, in dem er sich freiwillig den Behörden stellte.

Harvey Weinstein am Freitag vor dem Gebäude der New Yorker Polizei in Manhattan, in dem er sich freiwillig den Behörden stellte.

Foto: LUCAS JACKSON / REUTERS

Der frühere Filmproduzent hatte sich am Freitag der Polizei gestellt – und betont weiterhin, er sei unschuldig.

New York. Der einstige Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (66) ist wegen Vergewaltigung angeklagt worden. Weinstein stellte sich am frühen Freitagmorgen der New Yorker Polizei, wo er festgenommen und wegen einem Fall von Vergewaltigung und einem Fall von erzwungenem Oralsex angeklagt wurde, wie ein Sprecher des NYPD der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Danach verließ er die Polizeiwache in Handschellen, wie Fernsehübertragungen zeigten. Als nächstes soll Weinstein vor einem Gericht in Manhattan erscheinen.

US-Medien zufolge sollen seine Kautionsbedingungen schon vorab festgelegt worden sein. Demnach werde er eine Million Dollar hinterlegen und sich verpflichten, ein Überwachungsgerät wie etwa eine Fußfessel zu tragen. Seine Reise- und Bewegungsfreiheit werde eingeschränkt. Seinen Pass müsse er abgeben.

Anwalt: Weinstein rechnet mit Entkräftung der Vorwürfe

Weinsteins Anwalt beteuerte indes die Unschuld seines Mandanten: „Herr Weinstein hat immer gesagt, dass er niemals nicht-einvernehmlichen Sex mit jemanden hatte“, sagte Benjamin Brafman laut Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vorlag. „Nichts an den heutigen Vorgängen ändert die Position von Herrn Weinstein. Er ist weiterhin davon überzeugt, in den heute vorgebrachten Anklagepunkten unschuldig zu sein, und ist sicher, dass er komplett entlastet werden wird.“

Seit Monaten laufen Ermittlungen gegen Weinstein nach Vorwürfen zahlreicher Frauen wegen sexuellen Missbrauchs. Auch Behörden in London und Los Angeles ermitteln.

Ermittlungen im ganzen US-Gebiet

Zuvor war bekannt geworden, dass die Ermittlungen gegen Weinstein in den USA auf Bundesebene ausgeweitet worden waren. Die Ermittler wollen unter anderem herausfinden, ob der 66-Jährige etwa Frauen dazu gebracht habe, über Staatsgrenzen hinweg zu reisen, um sie belästigen zu können. Laut „New York Times“ wird auch untersucht, ob Weinstein gegen das Anti-Stalking-Gesetz verstoßen habe, etwa um Opfer einzuschüchtern.

Der einst einflussreiche Filmproduzent hat Fehlverhalten eingeräumt, bisher aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex zurückgewiesen. Die von ihm gegründete Filmfirma hatte Weinstein nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2017 entlassen, seine Frau hat sich inzwischen von ihm scheiden lassen.

Neue Vorwürfe gegen Morgan Freeman

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein wirbeln immer mehr Vorwürfe gegen prominente Filmschaffende die Unterhaltungsbranche auf.

Eine unter den Schlagworten #MeToo und #TimesUp bekannt gewordene Bewegung entstand, die sich in weitere Branchen und Länder ausbreitete. Nach Weinstein wurden in den USA unter anderem auch Regisseur James Toback, „House of Cards“-Star Kevin Spacey, Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und „Rush Hour“-Regisseur Brett Ratner mit Vorwürfen sexueller Belästigung und Machtmissbrauch konfrontiert.

Am Donnerstag waren auch Vorwürfe gegen Oscar-Preisträger Morgan Freeman bekannt geworden. „Jeder der mich kennt oder mit mir gearbeitet hat, weiß, dass ich nicht jemand bin, der absichtlich verletzen oder wissentlich jemandem ein unbehagliches Gefühl vermitteln würde“, schrieb Freeman als Reaktion in einer Stellungnahme. „Ich entschuldige mich bei jedem, der sich unwohl oder nicht respektiert fühlte – das war nie meine Absicht.“ (dpa)