Nesseltiere

Quallen-Alarm auf Mallorca – Badeverbote wieder aufgehoben

Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis).

Die Portugiesische Galeere (Physalia physalis).

Foto: imago

Entwarnung für Mallorca-Urlauber: Die Menschen können wieder im Meer baden gehen. Es wurden keine weiteren giftigen Quallen entdeckt.

Palma.  Auf Mallorca sind die nach der Sichtung hochgiftiger Quallen verhängten Badeverbote wieder aufgehoben worden. Man habe am Donnerstag keine roten Flaggen gehisst, sagte eine Sprecherin der betroffenen Inselhauptstadt Palma der Deutschen Presse-Agentur.

Im Rest der spanischen Urlaubsinsel ist die im Wasser der Bucht von Palma gesichtete, äußerst giftige Quallenart Portugiesische Galeere (Physalia physalis) bisher kein Problem.

Rote Flaggen waren am Mittwochnachmittag an Stränden der Palma-Viertel Can Pastilla und Molinar gehisst worden . Kurz zuvor waren dort zwei lebende Exemplare der Physalia physalis gesehen worden. Die betroffenen Strände liegen östlich des Hauptstadtzentrums, unweit des bei Deutschen beliebten „Ballermann“-Strandes.

Rettungsschwimmer bleiben wachsam

Angst hat man auf der spanischen Urlaubsinsel vor den bläulich schimmernden Tieren mit den meterlangen, gefährlichen Tentakeln offenbar nicht.

Weder die Verantwortlichen noch die meisten Badegäste machen sich allzu große Sorgen. „Wir sind aufmerksam, aber ruhig“, sagte die für Umwelt zuständige Sprecherin der Stadtverwaltung, Aina Llauger, der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.

Man habe die nötigen Maßnahmen ergriffen, beobachte die Küsten im Gebiet von Palma und habe die Rettungsschwimmer angewiesen, auch in den nächsten Tagen mit besonderer Gründlichkeit nach den seltenen, unerwünschten Gästen Ausschau zu halten. Man könne deshalb die Badegäste beruhigen und ihnen „Sicherheitsgarantien“ geben, versicherte Llauger.

Biologen warnen vor Panikmache

Ein Tipp für die Touristen? „Die Portugiesische Galeere schwimmt, anders als echte Quallen, an der Oberfläche. Man kann sie leicht entdecken“, sagte Llauger. Lockerheit herrschte am Donnerstag auch bei den rund zwei Dutzend Strandbesuchern in Molinar.

Ivan steht unter der Stranddusche, nachdem er ein paar Runden geschwommen ist. „Warum soll ich denn nicht ins Wasser gehen? Ich habe doch die hier“, sagt der Mann mit portugiesischem Akzent und zeigt auf seine Schwimmbrille. „Wenn ich so ein Tier sehe, kann ich ja immer noch damit anfangen, mir Sorgen zu machen.“ Die Spanierin Patricia meint: „Ich mag es sowieso nicht besonders, ins Wasser zu gehen.“

Biologen warnten vor Panikmache der Medien. Bald werde die Portugiesische Galeere im Mittelmeer ohnehin keine Probleme mehr bereiten, ist Antoni Grau überzeugt. Der Leiter der Generaldirektion Fischerei der Balearen sagte der Zeitung „Diario de Mallorca“: „Wenn das Wasser erstmal 25 Grad erreicht, sterben diese Tiere alle.“

„Meer von Mallorca ist keine Badewanne“

Das sagte auch der Notdienst der Balearen voraus, der auf Twitter schrieb: „Wir sollten uns keine großen Sorgen machen“. Praktisch in ganz Spanien ist es seit Wochen für die Jahreszeit relativ kühl.

Die „Mallorca Zeitung“ betrachtet das Ganze derweil mit Ironie. Eigentlich gebe es jedes Jahr einen Urlauberschreck auf Mallorca, und die Aufregung sei „stets größer als die tatsächlichen Vorkommnisse“ gewesen, heißt es in der jüngsten Ausgabe.

Es dürfte sich jetzt ähnlich verhalten. Und: „Die fiesen Nesseltiere sind nur eines von vielen Risiken, mit denen Badegäste umgehen müssen. Das Meer vor Mallorca ist keine Badewanne“, so das Wochenblatt.

Kontakt mit Quallen verursacht heftige Schmerzen

Den Quallen-Alarm hatte am Montag der Fund eines toten Exemplars am Strand Ciudad Jardin in Molinar ausgelöst. Am Wochenende waren in der ostspanischen Provinz Alicante ebenfalls Portugiesische Galeeren angespült worden. Daraufhin waren dort Strände auf einer Länge von rund 120 Kilometern gesperrt worden.

Starke Strömungen haben diese Exemplare nach Vermutung von Experten vom Atlantik durch die Straße von Gibraltar an die Küste Spaniens gespült. Die Portugiesischen Galeere ist eigentlich gar keine Qualle, auch wenn sie so aussieht. Sie besteht aus einer Kolonie voneinander abhängiger Polypen. Ihr Gift kann kleinere Fische töten, Menschen im Normalfall jedoch nicht. Der Kontakt mit diesen Tieren kann aber extreme Schmerzen verursachen.

Im Februar waren bei einer Attacke der Quallen in Thailand 23 Badegäste ins Krankenhaus gebracht worden. Aallgemein akzeptierte Erste-Hilfe-Maßnahme für Physalia-Stiche gibt es nicht, empfohlen werden unverdünnter Essig und verschiedene Essig-Rezepturen. (dpa)