Royals

Als Hochzeitsgast in Windsor: Viel zu sehen, nichts zu essen

Der Insider: So ist es wirklich, wenn man royaler Hochzeitsgast ist

Royale Hochzeit: Reporterin Johanna Rüdiger hat Hochzeitsgast Saeed Atcha getroffen.

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Zig Millionen werden die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle per TV verfolgen. Saeed Atcha ist nah dran – naja, so in etwa.

London.  Eine kleine grüne Karte, dünn und flattrig wie ein Klebezettel, mit einem dezenten royalen Wappen – so unspektakulär sieht sie also in Wirklichkeit aus, die derzeit wohl begehrteste Einladungskarte der Welt.

Stolz hält Saeed Atcha die Einladung zur Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle fürs Foto in die Kamera. Passanten am Long Walk, der hinauf führt zum Schloss Windsor, bleiben stehen, machen Selfies mit ihm – Atcha posiert bereitwillig.

Die Einladung macht den 21-jährigen Briten mit indischen Wurzel plötzlich selbst zu einem kleinen Star. Denn: Donald Trump ist nicht dabei, Angela Merkel auch nicht, und sogar Theresa May fehlt – aber Atcha, der ist bei der Traumhochzeit am Samstag in London mit von der Partie.

Er profitiert davon, dass sich das illustre Brautpaar eine volksnahe Hochzeit wünscht. Oder zumindest eine, die volksnah inszeniert ist.

Ein Dankeschön für sein soziales Engagement

Statt Politiker und Staatsoberhäupter einzuladen, haben sie einfache Bürger auf die Gästeliste setzen lassen. Die meisten dieser Glücklichen sind dabei, weil sie einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Wie eben Atcha, der eine Stiftung für Jugendbildung leitet und bereits mit 15 Jahren ein Jugendmagazin gegründet hatte – genau die Art von dynamisch-sozialem Engagement, mit dem sich das britischen Königshaus gern schmückt.

Jetzt lehnt der junge Mann aus der Nähe von Manchester also lässig an der Straßenabsperrung, neben ihm ein royaler Fan mit Union-Jack-Hut und Meghan-und-Harry-T-Shirt, der gerade seinen Schlafsack zusammenrollt. Der Mann er kampiert seit drei Tagen am Long Walk, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern, wenn Harry und Meghan am Samstag in der Kutsche vorbei rollen.

Saeed Atcha hat das nicht nötig, er darf zur Trauung hinter die Absperrung – zwar nicht bis in die Kirche zur Trauung, aber immerhin aufs Schlossgelände von Windsor. „Natürlich ist das eine große Ehre“, sagt er. „Aber auch ziemlich teuer.“ Mehr als umgerechnet 1000 Euro hat er schon ausgegeben, erzählt er uns – für einen eleganten Anzug, für Anreise und Unterkunft.

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Atcha logiert drei Kilometer außerhalb von Windsor

Und das war gar nicht so einfach. Nur wenige Stunden nachdem Harry und Meghan ihren Hochzeitstermin bekannt gegeben hatten, waren die Hotels in Windsor fast ausgebucht. Atcha wohnt deshalb drei Kilometer außerhalb von Windsor, für rund 300 Euro die Nacht, immerhin.

Dafür speist er aber zumindest exquisite Canapés und darf ein Stück der spektakuläre Zitronen-Hochzeitstorte mit essbaren Blüten probieren – oder? Atcha schüttelt den Kopf. Nein, das Essen sei nur für die – meist adligen oder prominenten – Gäste, die in der Kirche und dann beim Empfang mit dabei sind, erklärt Atcha.

„Ich habe vor ein paar Wochen einen Brief aus dem Palast bekommen, da stand drin: Bitte das Essen selbst mitbringen“, erzählt er. „Ehrlich gesagt finde ich das ganz schön knauserig.“ Schließlich soll die Hochzeit der Royals insgesamt 36 Millionen Euro kosten. Dass dann nicht ein paar Gurken-Sandwiches für das geladene, gemeine Volk dabei sind, kommt nicht gut an. Da fühlt sich auch Saeed Atcha ein bisschen wie ein Gast zweiter Klasse.

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„Meghan ist die perfekte Frau für Harry“

Trotzdem, auf Harry und Meghan lässt er nichts kommen, schließlich hat er die beiden schon persönlich kennengelernt – wenn auch vor der Verlobung, also nicht als Paar. Meghan hielt bei einem Jugend-Kongress eine Rede über Rassismus und Chancengleichheit. „Ich war beeindruckt, und dachte: Die weiß, wovon sie spricht.“ Er findet: Die perfekte Frau für Prinz Harry. Und eine, die die Monarchie vielleicht etwas toleranter und multi-ethnischer macht.

Dann guckt Atcha hektisch aufs Handy – schon so spät! Er hat es plötzlich sehr eilig. Gleich ist doch sein Auftritt im amerikanischen Fernsehen. Egal, Hauptsache, er hat die wichtigste Eintrittskarte überhaupt mit dabei: den kleinen grünen Zettel.