Amoklauf

Held von Nashville stoppt Amok-Schützen mit bloßen Händen

30.000 Tote durch Waffen in USA - und keiner tut etwas.
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Ein Mann schießt in einem Lokal um sich. Der Kunde James Shaw entreißt ihm die Waffe – und rettet so wohl etlichen Menschen das Leben.

Berlin/Nashville.  James Shaw war gerade erst in das Restaurant in gegangen, um etwas zu essen. Dann hörte er Schüsse, sah Menschen panisch fliehen, entdeckte einen reglosen Körper nahe der Eingangstür und sah einen Mann näherkommen, der durch die Tür schoss. Da habe Shaw nach eigener Aussage beschlossen, zu handeln.

Nun wird der junge Mann als Held von Nashville im US-Bundesstaat Tennessee gefeiert. Denn dem 29-Jährigen gelang es, einem in dem Restaurant um sich schießenden Amokläufer mit bloßen Händen das Schnellfeuergewehr abzunehmen. Damit hatte der nackte Täter zuvor bereits vier Menschen erschossen und mindestens vier weitere verletzt.

Retter lauerte dem Täter auf und nahm ihm die Waffe ab

Der mutmaßliche Amokschütze, ein 29 Jahre alter Weißer aus Illinois, war in der Nacht zum Sonntag mit einem Pickup-Truck vor dem Restaurant der Kette Waffle House vorgefahren. Laut der Polizei Nashville habe er erst zwei Menschen auf dem Parkplatz vor dem Lokal erschossen und dann einen weiteren in den Räumlichkeiten getötet. Das vierte Opfer sei angeschossen worden und seinen Verletzungen im Krankenhaus erlegen.

Der mutige Kunde James Shaw konnte offenbar weiteres Blutvergießen abwenden, indem er sich hinter der Tür versteckte und den Moment abpasste, in dem der Schütze versuchte sein Gewehr nachzuladen. Shaw entriss dem Mann die Waffe und warf sie über eine Arbeitsplatte. Der Verdächtige konnte nackt fliehen. Laut Nashvilles Polizeichef Steve Anderson ist der Mann noch im Besitz einer Handfeuerwaffe.

Amokläufer zeigte laut Familie wahnhaftes Verhalten

Warum der mutmaßliche Täter um sich feuerte, ist bislang nicht bekannt, sagte der Polizeichef. Der Mann soll allerdings an psychischen Problemen gelitten haben. So wurde er im vergangenen Juli unweit des Weißen Hauses festgenommen, als er die Sperre zu einem Sicherheitsbereich übertrat. Wie die „New York Times“ berichtet, habe der Mann nach eigener Aussage ein Treffen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten organisieren wollen.

Diese Festnahme sei nicht die einzige gewesen: Mehrfach zuvor sei der Täter der Zeitung zufolge bereits in Konflikt mit den Behörden geraten. Polizeiberichte zeigen, dass sich Familienmitglieder des Mannes besorgt über seinen Zustand und sein wahnhaftes Verhalten geäußert hatten. Der Mann sei unter anderem überzeugt gewesen, dass Pop-Superstar Taylor Swift ihn verfolge und sein Telefon- und Netflix-Konto gehackt habe.

Die Frage nach den Waffen

Nach seiner Verhaftung wegen des Vorfalls im Weißen Haus musste der Mann laut „New York Times“ im August drei Gewehre und eine Pistole an die Polizei abgeben. Offenbar habe er diese, darunter auch die Tatwaffe des Typs AR-15, aber zurückbekommen. Warum, das sei noch unklar, wie die Behörden in Illinois am Sonntag sagten.

Der Vorfall könnte erneut die ohnehin schon lodernde Debatte um die Waffengesetze in den USA verschärfen. Nach dem Amoklauf eines 19-Jährigen an der Marjory Stoneman High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida im Februar war es zu einer landesweiten Protestwelle gekommen. Ende März hatten mehr als eine Million Menschen gegen zu lasche Waffengesetze demonstriert. (nsa)