Alpen-Drama

Der ZDF-Film „Matula“ ist ein Krimi für Nostalgiker

Lesedauer: 3 Minuten
Auf der Fahrt nach Italien zwingt ein Motorschaden Matula (Claus Theo Gärtner) zu einem Aufenthalt im Allgäu.

Auf der Fahrt nach Italien zwingt ein Motorschaden Matula (Claus Theo Gärtner) zu einem Aufenthalt im Allgäu.

Foto: Barbara Bauriedl / ZDF und Barbara Bauriedl

Sein zweiter Solo-Fall führt „Matula“ in ein dubioses Dorf im Allgäu. Eine etwas hölzerne Geschichte, die mit Klamauk unterhalten will.

Essen.  Schneebedeckte Bergkuppen, klare Gebirgsseen und mitten hineingesetzt: ein kleines Alpendorf mit Fachwerkhäusern. Über diesem idyllischen Panorama steht der Polizist Janosch und sagt: „Das hier ist Heimat, da passt man aufeinander auf.“ Und dann murmelt er so, dass es kaum zu verstehen ist, in Richtung Tal: „Wenn sonst schon nichts anders geht.“

Das ist eine der Schlüsselszenen in dem zweiten „Matula“-Fall von Josef Matula (Claus Theo Gärtner) als Solo-Ermittler, natürlich ohne direkten Auftrag. Er war eigentlich auf dem Weg nach Italien, um seinen letzten Fall zu vergessen, aber weil sein Auto so alt ist, schafft er es nur bis in dieses Dorf im Allgäu.

Dort aber trifft er auf eine merkwürdig zerstrittene Gemeinschaft, einen ehrgeizigen Bürgermeister – und schließlich findet sein Hund Dr. Renz die Leiche des Metzgers Martin (Sebastian Edtbauer) am Fuß der Berge. Matula macht sofort ein Foto mit seinem Smartphone.

Das Smartphone ist der einzige Hinweis auf die Gegenwart

Das ist auch das einzige Detail, das die Zuschauer daran erinnert, dass dieser Film in der Gegenwart spielt. Matulas Kleidung, sein Auto und letztlich auch die Dramaturgie dieses Alpen-Abenteuers erinnern eher an frühere Folgen von „Columbo“ oder „Mord ist ihr Hobby“.

Das ist nicht nur kritisch gemeint, es waren schließlich Erfolgsserien. Aber den vom ersten Moment an unsympathischen Bürgermeister, die undurchsichtige Schwester des Toten und ein trotteliger Junior-Polizist – das sind eben doch eher Abziehbilder, die man im Fernsehen einmal zu oft gesehen hat.

Und so sieht man diesen Personen dabei zu, wie sie sich tiefer in Widersprüche verstricken und Matula sie mit neugierigen Fragen in die Enge treibt. Stück für Stück kommt so heraus, dass das Dorf unter dem Klimawandel leidet, weil die Touristen wegbleiben.

Der Bürgermeister aber bleibt optimistisch: „Man kann alles von zwei Seiten sehen, als Ende oder als Chance, wachsen oder sterben“, sagt er, und kurz nach diesem Quasi-Schuldeingeständnis mit Blick auf den Hügel: „Wir werden wohl nie erfahren, was da oben passiert ist.“ Matula trocken: „Da wäre ich mir nicht so sicher.“ Er weiß schon, was noch kommt ...

Im Film werden viele Klischees verwendet

Findige Zuschauer haben derweil längst durchschaut, warum er in der ersten Szene von Männern mit Gewehren verfolgt wird. Diese wirklich düstere Auflösung am Ende rettet die etwas hölzerne Geschichte, die zwischendurch mit arg viel Klamauk unterhalten will: So springt Matula sportlich durchs Fenster, während sein Hund durch die Tür geht.

Das erinnert an Volkstheater – und findet trotzdem seine Zuschauer, weil Claus Theo Gärtner es schafft, mit 75 Jahren noch überzeugend den Revolverhelden zu spielen. Sogar die Prügelei, die in keiner der 300 Folgen von „Ein Fall für zwei“ fehlte, gibt es in diesem Alpen-Drama.

Fazit: Ein Film, der mit Klischees arbeitet, um eine alte Geschichte zu erzählen: Wer Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ mochte, wird hier noch einmal daran erinnert, welche Macht die Geldgier hat. Ein Extra-Stern für den Hund. Süß, wie er den Kopf schief legt!

• „Matula – Der Schatten des Berges“, 30. März 2018, 21.15 Uhr, ZDF