Neujahrsfest

Die größte Reisewelle der Welt hat in China begonnen

Foto: CHINA STRINGER NETWORK / REUTERS

Am chinesischen Neujahr fahren Millionen Menschen in den Urlaub. Allein 400 Millionen nehmen die unzähligen Züge, 65 Millionen fliegen.

Peking.  1,5 Milliarden Chinesen begehen in diesen Tagen ihr Neujahrsfest – für die Reiseindustrie weltweit inzwischen die lukrativste Saison im Jahr. Denn Hunderte Millionen reisen direkt nach dem obligatorischen Familienfest weiter in den Urlaub ins Ausland. Eine Industrie leidet jedoch rund um die Neujahrsfeierlichkeiten: Die Feuerwerksindustrie.

Zumindest die erste Reisewelle haben die Chinesen ohne größere Pannen hinter sich gebracht. Sie hat vor ungefähr zwei Wochen begonnen. Da machten sich rund Hunderte Millionen Chinesen, die meisten von ihnen Wanderarbeiter, auf dem Weg in ihre Heimatdörfer, um das chinesische Neujahrsfest zu begehen, dem wichtigsten Familienfest in China.

Der Autoverkehr kommt zum Erliegen

Rund um die Festtage rechnen die Behörden mit landesweit fast 400 Millionen Zugreisen, weiteren 65 Millionen reisen mit dem Flugzeug. Für die Autofahrten wagten sie keine Schätzung. Als Chunyun wird die Zeitspanne zwei Wochen vor und nach dem Neujahrsfest wegen des extrem hohen Verkehraufkommen in dieser Zeit bezeichnet – zu deutsch: Frühlingsinfarkt. Es handelt sich um die alljährlich größte Migrationsbewegung der Welt.

Autobahnen seien allesamt verstopft, ebenso sämtliche Bahnhöfe und Flughäfen. „Aber wir waren in diesem Jahr gut gewappnet“, wird ein Behördensprecher des chinesischen Verkehrsministerium in den chinesischen Staatsmedien zitiert. Die Regierung zeigte sich in diesem Jahr noch auf weitere Weise zufrieden: Sie schätzt, dass Reisende während des Neujahrsfestes bis zu 476 Milliarden Yuan ausgeben, ein Anstieg um 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das entspricht rund 62 Milliarden Euro.

Besonders beliebte Ziele sind Paris, London und Berlin

Denn längst hat sich das Frühlingsfest, wie die Neujahrsfeierlichkeiten in China auch bezeichnet werden, für die Tourismusindustrie zur wichtigsten Saison des Jahres entwickelt – und zwar weltweit. Der Silvesterabend und die ersten zwei Tagen im neuen Jahr werden mit üppigen Mahlzeiten noch der Familie gewidmet. Doch bereits am dritten Tag setzt bereits die zweite große Reisewelle ein – und zwar die ins Ausland.

Die chinesischen Behörden rechnen damit, dass sich rund 50 Millionen Menschen für Fernreisen in die Flieger setzen werden. Waren in den letzten Jahren besonders die tropisch-warmen Regionen in Südostasien angesagt, erfreuen sich auch die USA, Europa und Lateinamerika immer größerer Beliebtheit. Paris, London, Los Angeles, New York, Berlin, Wien und Luzern – Hoteliers in all diesen Städten können sich über ausgebuchte Zimmer freuen.

Wirtschaftlich stehen die Zeichen ungünstig

Ein Geschäftszweig fiel dieses Mal über das chinesische Neujahrsfest aber dürftiger aus. Aus Angst vor Smog und Unfällen wurde in zahlreichen chinesischen Großstädten in diesen Feierstagen das Zünden von Feuerwerk verboten. Normalerweise feuern Chinesen während der zwei Wochen Böller und Raketen in die Luft – ein lukratives Geschäft für die Feuerwerksindustrie, die fast komplett in China hergestellt wird.

China verbietet Feuerwerk in Städten

Bereits nach den Neujahrsfeierlichkeiten könnte es nun wirtschaftlich auch insgesamt bergab gehen. Das glauben zumindest die chinesischen Astrologen. In einem Zwölfjahreszyklus ist jedes Jahr einem von zwölf Tieren gewidmet. Und nach dem traditionellen Kalender hat am Freitag das Jahr des Hundes begonnen. Der Hund folgt im chinesischen Tierkreis dem häufig etwas hochnäsigen aber prosperierenden Hahn, der laut Astrologen dafür verantwortlich war, dass 2017 die Wirtschaft gut lief.

Der Hund hingegen bringt eher trübe Aussichten mit sich, zumal er in diesem Jahr auch noch mit dem Element Erde verbunden ist. Ein Erdhund ist auf chinesisch gleichbedeutend mit Straßenköter. Und sie gelten als scheu, unterernährt und unberechenbar. Das sind chinesischen Astrologen zufolge keine guten Voraussetzungen für die Wirtschaft.